Ein Plädoyer für Softboys: Warum emotional verfügbare Männer* echt sexy sind

Dass ich im Mai mit meinem Ex im Urlaub war, habe ich ja bereits lang und breit behandelt. Update: Er ist immer noch mein Ex. Zwischen uns hat es aus unterschiedlichen Gründen nicht funktioniert. Doch wenn ich eines nicht bin, dann ein Kind von Traurigkeit. Obwohl ich schon sad war. Sehr sogar. Aber er war einfach nicht emotional verfügbar – nicht für mich und nicht einmal für sich selbst. Also habe ich jemanden gefunden, der das ist. Hört sich jetzt einfach an, aber wie das so schnell ging, weiß ich auch nicht, also bitte schreibt mir keine E-Mails mit der Bitte, euch mit einem neuen Herzblatt zu verkuppeln. Ich möchte mich hiermit dennoch auf offiziellem Wege beim Universum bedanken, dass ich – Anfang 30, vor der Ex-Beziehung sechs Jahre lang single – aktuell mit so viel Liebe gesegnet werde. Und wenn ich viel sage, meine ich viel. Mein neuer Freund ist nämlich ein Softboy, der emotional verfügbar ist. Wahnsinn, I know!

Was ist eigentlich ein Softboy?

© Jillian Boyd & Nic Fewings | Unsplash

Er ist aufmerksam und einfühlsam, zärtlich, interessiert an mir und meinen Freund*innen, er ist ein guter Zuhörer, macht mir Komplimente, spricht so gerne mit Gender-Sprechpause und kauft sogar freiwillig meine Periodenprodukte. Als soft würde ich das persönlich jetzt nicht unbedingt bezeichnen, eher ganz schön stark! Denn ich dachte, wir leben in einer Zeit, in der Männlichkeit also ein genauso dehnbarer bis fast kaum mehr definierbarer Begriff ausgelebt wird – zumindest in meiner Hamburger Bubble. Harry Styles trägt doch auch Kleider, höre ich irgendwo irgendwen sagen. Ich würde mich hier zumindest niemals hinstellen und jemand anderem ein Label zuordnen, das hat der gute Neue schon ganz alleine getan. "Du magst also Softboys", fragte er als ich ihm neulich von meinen Harry-Styles-Konzertkarten und im gleichen Atemzug von meinem riesigen Crush auf diesen Mann erzählte. Softboys? Und ich nur so: Lass es mich googeln! Laut dem englischem Urban Dictionary ist ein Softboy "a less masculine boy who is described as 'cute' based on their soft or gentle characteristics". Also "ein weniger maskulin gelesener Junge, der wegen seiner sanften Eigenschaften als süß bezeichnet wird". Puh, ist das problematisch, dachte ich. Schon angefangen bei "weniger maskulin"…

Zu soft, der Boy? Das Problem von Sprache und Reclaiming von Begriffen

Ich nenne mich selbst eine Cunt und ich schweife nicht ab, versprochen! Warum ich das tue? Weil ich finde, dass ich tough, stark, sexy, widerstandsfähig, kämpferisch, belesen, intelligent, resilient und urkomisch bin. Wie es sich für eine richtige Cunt eben gehört. Und weil nur ich als Frau die sprachliche Macht habe, dieses zuvor als Tabu geltende Wort für mich zu reclaimen, habe ich das auch für mich getan.

Echt emotional verfügbare Männer mit einfühlsamen und total fantastischen "soften" Eigenschaften haben jetzt ein dickes Problem, denn leider haben die (sozialen) Medien ihre ach so liebe neue Identitätsmöglichkeit direkt verteufelt. So titelt Glamour.com: "Schwerer zu erkennen und unendlich schwieriger loszuwerden": Warum 'Softboys' die neuen "F*ckboys" der Partnersuche sind". Aua! Ein Instagram-Account namens @beam_me_up_softboi, der von einer jungen Dame geführt wird und sich nicht wirklich positioniert, manchmal Positives, manchmal Hate zu Softboys postet, hat stolze 670.000 Follower*innen. Können wir Softboys bitte nicht direkt wieder canceln, liebe Community?!

Ich, Cunt, & Er, Softboy, lassen grüßen! 
© James McGinlay

Was genau schlecht daran sein soll, sich als Mann* emotional verfügbar zu zeigen, über Gefühle sprechen zu mögen und sein Leben als Empath zu leben, habe ich bis heute nicht gecheckt. Klar verstehe ich, dass es Arschlöcher gibt, die den Trend ausnutzen und sich mit dieser soften Maske bloß schmücken, sich dann aber doch als Fuckboys herausstellen. Aber bitte, bitte lasst uns jetzt nicht dafür sorgen, dass echte Softboys schneller wieder aussterben, als uns allen lieb ist. Denn ich für meinen Teil würde so heftig gern weiterhin mit meinem Softboy meine emotionalen Baustellen beim Eisessen besabbeln können, in den Schlaf gekrault und morgens mit Frühstück geweckt werden – um dann am Abend im Bett respektvoll disrespektiert zu werden. Weil nichts ist schöner als ein Mann, der genau weiß, wer er ist und wo seine sanften Seiten liegen. Ich, Cunt, plus Er, Softboy, lassen grüßen!

Noch mehr Lach- & Sachgeschichten

Wie man dank Free Bleeding besseren Sex hat
Unsere Autorin erzählt, wie sie nach Jahren Pille durchnehmen hormonfrei lebt und oftmals sogar komplett auf Periodenprodukte verzichtet.
Weiterlesen
Wie mir mein Vibrator (fast) den Orgasmus versaut hat
In diesem Text wird es schlüpfrig, denn unsere Autorin verrät, wie sie sich die Möglichkeit, ohne technische Hilfe zum Orgasmus zu kommen, versaut hat.
Weiterlesen