Liebe nach Corona: Wie mir mein Vibrator den Orgasmus versaut hat

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Die Liebe wartet nicht auf das Ende einer Pandemie. Jetzt, wo sich die Welt zumindest langsam wieder zu normalisieren scheint, möchten wir euch zur Seite stehen. Mit Tipps, Ratschlägen und Ich-Geschichten, die Lust darauf machen sollen, sich wieder unter Menschen zu trauen. Zwicker, zwinker.

Sextoys benutze ich schon seit vielen Jahren. Heute bin ich selbstsicher genug, auch mit meinem Partner zu experimentieren. Aber hier geht es um eine sehr persönliche Erfahrung, die ich vor etwa fünf Jahren gemacht habe, als 25-jähriger Single. Mein liebstes Toy war damals ein Auflegevibrator mit Saugfunktion. Perfekt für Menschen wie mich, die nur klitoral kommen können. Gleich nach der ersten Benutzung war ich völlig begeistert. Es dauerte keine fünf Minuten und ich wurde mit dem stärksten Orgasmus gesegnet, den ich bis dahin erlebt hatte. Mein ganzer Körper zitterte. I liked it. A lot!

Vielleicht ein wenig zu sehr, denn je länger ich ihn benutzte, desto höher musste ich Schritt für Schritt die Leistung einstellen – bis es mir nach etwa zwei Jahren irgendwann immer schwerer fiel, überhaupt Orgasmen zu haben, selbst mit diesem Vibrator. Ich fühlte mich ein bisschen wie Samantha in der Folge „Sex and the City“, als sie denkt, sie hätte alle ihre Höhepunkte aufgebraucht. Egal was ich tat, das Gefühl von großer Extase, das mir das Toy zuvor gegeben hatte, war plötzlich unerreichbar. Ich fühlte mich irgendwie dreckig. Als hätte ich zu viel Lust gewollt und würde nun bestraft werden. 

Ich fühlte mich irgendwie dreckig. Als hätte ich zu viel Lust gewollt und würde nun bestraft werden. 

Hatte ich meine Fähigkeit, einen Orgasmus zu haben, dauerhaft verloren? Früher konnte ich mit den Händen kommen, aber das hatte ich zu dem Zeitpunkt schon lange nicht mehr getan (und dann zugegebenermaßen ein bisschen Angst, es überhaupt zu versuchen). Ich erinnerte mich auch daran, dass es mit meinen Händen nie so intensiv war wie mit elektronischer Hilfe. Vielleicht lag es einfach daran, dass ich sexuell träge geworden war? Zu faul beim Masturbieren? Oder war ich zu gierig, weil ich per Vibrator so intensiv und mühelos zum Orgasmus kam und jetzt die normale Stimulation einfach nicht mit etwas Batteriebetriebenem mithalten konnte? War es soweit gekommen, dass ich den Vibrator einfach meinen Fingern vorzog – oder den Fingern eines anderen?

Weil ich auf all diese sehr persönlichen und damals noch sehr mit Scham erfüllten Fragen keine Antwort hatte, tat ich, was man eben so tut und fing an zu googeln. Dann fand ich heraus, dass ich absolut kein Einzelfall war. In Foren wie Reddit („I [26F] am addicted to my vibrator and often cum 10+ times a day.") fand ich tausende Gespräche zum Thema Überstimulation durch Vibratoren. Puh! Das tat schon mal gut. Jetzt wollte ich aber wissen, ob und wie ich von meiner "Sucht" wieder befreit werden könnte.

Warum können Vibratoren manchmal Orgasmusprobleme verursachen?

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Also buddelte ich mich weiter durch das Internet, bis ich ein Expert*innen-Statement fand. Foreneinträge bei Reddit sind ja schön und gut, aber ich wollte eine definitive Antwort auf meine brennendste Frage: „Werde ich jemals wieder normal kommen können?!“ Nach wilder Recherche fand ich bei der Self schließlich heraus, dass bei regelmäßiger Vibratornutzung zwar die Gefahr besteht, dass die rund 8.000 Nervenenden der Klitoris desensibilisiert werden, aber eher kurzfristig. Die Professorin für Geburtshilfe und Gynäkologie Dr. Streicher klärt auf: „In dem Moment, in dem man es übertreibt, sagen die Nervenenden: „Nein, auf keinen Fall mehr“, und reagieren überhaupt nicht mehr.“ In solchen Fällen kann die Lösung so einfach sein, wie die Sexspielzeuge wegzulassen, lese ich beispielsweise auch in einem Artikel von Vice. Und auf der Website Happy Vagina hat sich eine Neurologin und Psychotherapeutin mit Fragen zu dem Thema „Dead Vagina“, unter welchem Namen mein Problem scheinbar bekannt ist, löchern lassen und ihr Fazit bestärkt mich: „Ab und an mal das Sex-Toy in der Schublade lassen und in einen sexuellen Detox gehen, ähnlich einer Fastenzeit. Einfach mal ein paar Wochen auf den Vibrator verzichten, dann schmeckt auch die partnerschaftliche Kost wieder besser.“

Heute habe ich meine Vibratorsucht vollkommen unter Kontrolle. Naja, nicht aus freien Stücken, denn ich wurde quasi in den kalten Entzug geschickt, als mein liebster Schubladeninhalt plötzlich den Geist aufgab. RIP, Womanizer. Ich befriedige mich lieber wieder ohne Hilfsmittel. Und ja, meine Orgasmen sind back – danke der Nachfrage.

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