Diese 11 Brücken solltet ihr in Hamburg kennen

Landungsbrücke | © Alexandra Brucker

Manchmal marode, selten sinnlos, grundsolide, potthässlich, wunderschön. Doch in erster Linie: unbeachtet. Hamburger Brücken. Wieso nur? Über 2.500 von ihnen recken und strecken sich in der Hansestadt über Fluss und Fleete, über Alster und allerlei Hindernisse. „Mehr als in Venedig und Amsterdam zusammen“, heißt es auf hamburg.de. Brücken bauen, das können die Hamburger scheinbar besser, als Brücken zählen. Wieviele es nun wahrhaftig sind, weiß niemand so recht. Wir stellen euch 11 von ihnen vor. Seid gewiss: Mut zur Brücke lohnt sich. Denn sie verbinden Hamburg, ganze Stadtteile, zahlreiche Bewohner und noch mehr - sehr viel mehr.

1. Verliebt, verlobt, ver-schwanenwik-t

Joshua und Merle, Malte und Kevin, sogar Frida und John. Sie alle gehören zusammen. „4ever“. Deshalb bringen sie Schlösser an die Schwanenwikbrücke an. Sicher ist sicher. An der Grenze zwischen Hohenfelde und Uhlenhorst ist die unzertrennliche Liebe entbrannt. Doch wie schwer wiegt die Liebe? Dort, wo das Wasser der Wandse in die Alster schwappt, war das Geländer der Brücke 2012 so vollbehangen mit Liebesbeweisen, dass es für Sanierungsarbeiten abgenommen werden musste.

Die Schlösser wanderten in das Museum für Hamburgische Geschichte. Auch heute muss die niemals endende Liebe regelmäßig aufgebrochen werden, um die Fachwerkbogenbrücke vor Rost und Last zu bewahren. Die Schwanenwikbrücke, mit ihren verspielten Kandelabern, kann sowieso viel mehr als nur Romantik. Im Krieg verbarrikadierte die Stadt die Promenadendurchgänge unter der Brücke mit Stahltüren. Aus den Sockeln wurden Luftschutzbunker, die erst 1976 wieder geöffnet worden sind.

Schwanenwikbrücke | © Alexandra Brucker

2. Die Lombardsbrücke – überraschend stau- und standhaft

Sie muss einiges ertragen und beweist: wer Bindeglied sein will, muss ein starkes Rückgrat haben. 67.000 Autos und 1.000 Züge brettern täglich über den Rücken der Lombardsbrücke. Auf ihr wird geflucht und geseufzt, gehupt und… geknipst. Das Binnenalster-Panorama mit Rathaus und Kirchtürmen fest im Blick, steht ihr in ganz Hamburg hier am Schönsten im Stau. 1868 erbaut, verläuft die Lombardsbrücke auf der ehemaligen Wallanlage, welche die Stadt einst schützte. Von einer einfachen Klappbrücke aus Holz hat sie sich zu einer 69 Meter langen Steinbrücke mit drei Bögen gemausert. Ihr Name ist auf das ehemalige Pfandleihaus „Lombard“ zurückzuführen, das hier bereits im 17. Jahrhundert stand.

Lombardsbrücke | © Alexandra Brucker

3. Die Alte Harburger Elbbrücke – öffnet Tore zur Welt

Ihr fragt euch, was uns an Brücken brennend interessiert? Wir greifen euch da gerne unter die Flussarme. Eigentlich simpel: ohne Brücken kein Hamburg. Ohne Elbbrücken kein „Tor zur Welt“. Ohne die berühmten Querungen über die Elbe ginge Nullkommanullnullnichts. Es gäbe keinen Ausweg aus dem Niederungsgebiet, keinen Umweg über den Strom.

Noch vor einem Wimpernschlag der Geschichte hätten wir im Boot herumtuckern müssen, um überhaupt in die Stadt zu kommen. 1872 wurde glücklicherweise das legendäre „Tor zum Süden“ gebaut - die Alte Harburger Elbbrücke. Das filigrane Meisterwerk mit Fachwerkbogen und imposanten Portalen war ein Meilenstein für die Stadtentwicklung. So konnte sie sich nach Süden zur offenen Handelsmetropole entfalten.

Alte Harburger Elbbrücke | © Alexandra Brucker

4. The fabulous Kattwyk-Sisters – brück mal‘n Stück!

Die Kattwykbrücke über die Elbe ist die größte Hubbrücke der Welt. Will ein Schiff passieren, muss der Verkehr warten und die Brücke fährt bis zur benötigten Durchfahrtshöhe nach oben. Einem polnischen Frachter reichte das 1991 offensichtlich nicht. Er rammte die Brücke und brachte sie fast zum Einsturz. Der „Stanislaw Kulczynski“ verursachte Schäden von satten fünf Millionen D-Mark. Die Reparatur der gelb-blauen Brücke dauerte damals ein Dreivierteljahr. Da der Zahn der Zeit am 44 Jahre alten Bauwerk nagt, bekommt die Kattwykbrücke bald eine Zwillingsschwester. 2020 soll die „Neue Bahnbrücke Kattwyck“ eröffnet werden. Brück mal’n Stück…

Kattwybrücke | © Alexandra Brucker

5. Die Köhlbrandbrücke – die „Golden Gate“ steht in Hamburg

Es ist, als ob die Stadt ihre Visitenkarte zückt, wenn ihr auf der A7 gen Hansestadt düst. Ihr fahrt mitten hinein ins Hafenpanorama und erblickt sie, die Spektakuläre. Elegant schlängelt sich die Köhlbrandbrücke aus Kränen und Containern hervor und schlägt ihren Bogen über den Süderelbarm, den „Köhlbrand“. Nach ihrer Fertigstellung 1974 wurde sie mit ihren knapp vier Kilometern als die längste Brücke Deutschlands angepriesen.

Flugs bejubelte das Abendblatt sie als „Golden Gate von Hamburg“, es war die Rede vom „Triumphbogen am Hafen“. Heutzutage fahren täglich mehr als 30.000 Autos über die Köhlbrandbrücke. Doch die „Golden Gate“ hat für das geschäftige Hamburg inzwischen einen Haken. Da sie für die neue Generation der „Superschiffe“ nicht hoch genug ist, droht 2030 der Abriss. Oje, oje. Dann solltet ihr schnell ein letztes Mal beim Köhlbrandbrückenlauf über die Spektakuläre hecheln. Im Dezember ist Marathon-Anmeldestart!

Köhlbrandbrücke | © Alexandra Brucker

6. In Wilhemines Brückenzimmer - 27 Meter Orientteppich

Auf dem Teppich bleiben, das klappt auf dieser Brücke tadellos. Denn die Wilhelminenbrücke über das Kehrwiederfleet ist mit einem steinernen Orientteppich verziert. Sechs Wochen lang puzzelten Steinmetz Frank Raendchen und zwölf Mitarbeiter im Jahr 2005 am steinernen Mosaikläufer, bis auch das letzte Teilchen passte. Wilhelmines Orientteppich sorgt mit seinen 27 Metern nicht nur für Wohnzimmeratmosphäre, sondern symbolisiert Hamburgs Verbindung zur Welt und den vielen exotischen Waren, die tagein, tagaus in den Hafen eintrudeln und die Handelsstadt bereichern.

Wilhelminenbrücke | © Alexandra Brucker

7. Die Michaelisbrücke – wenn die erste Liebe ins Wasser fällt

„Komm, Schnuffimausi, wir gehen auf unsere Brücke und ketten unsere Liebe an.“ Gefunden, gebunden und den Schlüssel ins Wasser geworfen. So läuft es auch auf der Michaelisbrücke. Der Brauch, der ursprünglich aus Italien in den Norden gekommen ist, lässt viele Pärchen in die Neustadt schlendern, ihr graviertes Schloss an das geschwungene Brückengeländer hängen und den Schlüssel, unter einem Kuss, in den Fleet werfen.

Passend liegt gleicht um die Ecke das Café „Erste Liebe“ und das „Rialto“-Restaurant gaukelt den Verliebten vor, in Venedig zu speisen. Dabei sieht’s hier doch aus wie in Amsterdam! Die Michaelisbrücke gehört zur kleinen Brückenfamilie der Fleetinsel. Ihr filigraner Stahlsteg fügt sich mit seinen eleganten Bogen und den Widerlagern aus Granit geschickt in sein Umfeld aus historischen Fleetspeichern und Resten der alten Infrastruktur ein. 

Michaelisbrücke | © Alexandra Brucker

8. Die Ellerntorsbrücke – eine sehr fotogene Seniorin

Nur einen Katzensprung von der Michaelisbrücke entfernt, schmiegt sich die alte Ellerntorsbrücke über das Wasser. 1668 errichtet, ist sie die Zweitälteste unter den heute noch existierenden Hamburger Steinbrücken. Jahrhundertelang war der Stein-Oldie ein wichtiges Glied der einzigen zentralen Ost-West-Verbindung durch die Innenstadt. Der Brücke sei Dank, konnten Fußgänger damals auf direktem Wege von Hamburg nach Altona. An ihrer Stelle stand bereits im 13. Jahrhundert ein hölzerner Übergang. Heute besticht die Brücke mit ihren drei wunderschönen Bogen aus Naturstein, die sich im Herrengrabenfleet spiegeln. Ein perfektes Foto-Motiv!

Ellerntorsbrücke | © Alexandra Brucker

9. An den Landungsbrücken auswandern – und Fotos knipsen

Milliardenfach betreten, nie gesehen: Täglich dackeln heutzutage etliche Touris über die Landungsbrücken - einst starteten hier Millionen von Auswanderern in die Neue Welt. Lange Zeit legten an ihnen auch die Fähren nach England ab. Die Landungsbrücken sind Hamburgs plätschernder Bahnhof. Zu den schwimmenden 700 m langen Pontons führen zehn Brücken, die wegen des Gezeiten wechselnden Wasserstandes beweglich sind. Obwohl häufig übersehen – hier wimmelt es ja schließlich vor Hafenhighlights - existieren die Landungsbrücken schon seit exakt 110 Jahren!

Landungsbrücke | © Alexandra Brucker

10. Absolute Tourimagneten - zwei Brücken und ein Wasserschloss

Diese zwei hübschen Damen halten vorbildlich Händchen mit dem Wasserschloss, das 1905 erbaut wurde und als Unterkunft und Werkstatt für Hafenarbeiter diente. Die Wandrahmsfleetbrücke und die Holländischbrookfleetbrücke sind die wohl meist fotografierten Brücken der Speicherstadt. Der Holländische Brook und der Alte Wandrahm zählten einst zu den vornehmsten Straßen der Hansestadt.

Dort hatten erfolgreiche Kaufmannsfamilien ihre Häuser. Viele Straßennamen erinnern an diesem Ort an die niederländischen Emigranten, die hier lebten und arbeiteten. Die ersten Niederländer kamen im Zuge der Gegenreformation nach Hamburg. 1612 waren von 43 großen Handelshäusern Hamburgs bereits 32 niederländisch! Das Niederländische war Geschäftssprache und nicht wenige Hamburger Kaufleute führten ihre Bücher in Niederländisch.

Wandrahmsfleetbrücke | © Alexandra Brucker

11. Es war einmal - die märchenhafte Brücke am Südteich

In Hamburg entdeckt ihr Brücken, wo ihr sie nicht erwartet! Zugüberführung oder S-Bahn-Viadukt. Steinsteg oder Holzübergang. Fachwerk- oder Schrägseilkonstrukt. Die Brücke am Südteich des Friedhofs Ohlsdorf ist ein besonders entzückender Geheimtipp. Sie wurde 1889 anlässlich der Hamburgischen Gewerbe- und Industrieausstellung in den Wallanlagen geschaffen. Nach Ausstellungsende erhielt die kleine Brücke ihren Platz auf dem Friedhof und überbrückte zunächst den Südteich in der Wegachse vom Cordesbrunnen zur Teichinsel. In den 1950er-Jahren erhielt sie ihren heutigen Standort.

Brücke am Südteich | © Alexandra Brucker
Weiterlesen in Stadt
Sags deinen Freunden: