Der Traum von der eigenen Laube: Wie ich in Hamburg an einen Schrebergarten gekommen bin

© Henning Klimczak

Uns Stadtmenschen fehlt es ja eigentlich an nichts – Hamburg bietet uns spannende Kultur, vielfältige Gastronomie, sowie ein ausschweifendes Nachtleben und das alles quasi direkt vor der Haustür. Doch immer mal wieder klopft dann doch die Sehnsucht nach Grün, Ruhe und frischer Luft an. All das findet man zwar auch in den Hamburger Parks, aber das Getümmel erlaubt es einem nicht wirklich, zu 100 Prozent runterzukommen. Mir war es jedenfalls, und vielleicht liegt es auch am Überschreiten der großen 30, irgendwann nicht mehr bequem genug, mehrere Stunden auf einer Picknickdecke auf dem harten Boden zu sitzen und lauwarme Würstchen vom Wegwerfgrill zu essen. Ich sehnte mich nach einem Garten, nach Wühlen im Dreck, dem Ernten eigener Erdbeeren, die auf meinem winzigen Südbalkon jedes Jahr vertrockneten und ich wollte Gartenpartys mit Freund*innen feiern. Und zwar auf Stühlen.

© Franzi Simon / Henning Klimczak

Die Schlacht um die Parzellen

Eine Wohnung mit Garten zu finden? In Hamburg aktuell schier unmöglich. Aber ein anderes Stück Grün muss her und da kam mir – wie so vielen andere Großstädter*innen – der Wunsch nach einem Schrebergarten. "Strebergarten", sagt meine Kollegin dazu, denn bei den Parzellen denken viele noch immer an Gartenzwerge, Deutschlandflaggen und millimetergenau geschnittene Hecken. Doch gerade in Städten wie Hamburg suchen immer mehr junge Leute und Familien nach freien Flächen und die Schrebergartenkolonien sehen mittlerweile viel wilder, freier und wunderbarer aus, als ihr Ruf vermuten lässt. Doch so heiß begehrt, wie die Parzellen sind, ist es tatsächlich nicht aussichtslos, einen Garten zu ergattern. Ich musste mit meinem Partner nicht einmal ein Jahr warten und bin jetzt Besitzerin eines 400 Quadrameter großen Schrebergartens in Altona. Inklusive Kirsch- und Apfelbaum, etwas muffiger Laube und ganz vielen Maulswurfshügeln. Guckt mal, wie glücklich ich darüber bin!

© Franzi Simon

Meine Tipps zur Suche nach einem Schrebergarten

1. Den passenden Verein finden

In Hamburg gibt es über 300 eingetragene Schrebergartenvereine, natürlich kann man sich auf gut Glück überall auf die Warteliste setzen lassen. Aber bringt einem der 20 Kilometer entfernte Garten wirklich dieselbe Freude, wie eine in Radfahrnähe gelegene Laube? Neben der Erreichbarkeit spielen zudem Dinge wie Größe des Vereins, Attraktivität der Lage, oder Nachbarschaft für euch vielleicht eine Rolle.

2. Hartnäckig bleiben

Es ergibt definitiv Sinn, sich auf mehrere Wartelisten schreiben zu lassen. Dabei sollte man es aber nicht beruhen lassen. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass eine regelmäßige Kontaktaufnahme mit dem Verein, ein Vorbeischauen beim Sommerfest oder auch ab und an ein Spaziergang durch die Gärten sicherlich nicht schaden, um euer Interesse an einer Laube zu unterstreichen.

3. Mit Skills auftrumpfen

Bei unserem "Bewerbungsgespräch" für eine Laube waren mehrere Interessierte vor Ort. Dabei wurden wir "abgefragt", wer welche beruflichen Skills mitbringt, die dem Verein nützlich sein könnten. Handwerksberufe wie Klempner*in, Dachdecken, Schreinern oder auch Gartenbau sind logischerweise sehr beliebt, denn neben der Arbeit im eigenen Garten fallen natürlich auch einige Vereinsarbeiten an.

4. Herumfragen

Wer weiß, vielleicht hat der Bekannte einer Freundin eine Laube und zieht um, sucht deswegen eine*n Nachfolger*in. Auch auf eBay Kleinanzeigen und anderen Nachbarschaftsportalen finden sich immer wieder freie Kleingartenanlagen – dort ist aber Vorsicht geboten, denn die Vergabe erfolgt immer über den Verein und die Abstandsleistungen sind teilweise horrend!

5. Den Garten teilen

Auch spannend für alle, die nicht zu lange warten wollen, ist die Möglichkeit, sich eine Parzelle zu teilen. Besonders ältere Menschen schaffen es nicht mehr, sich ausreichend um ihre Gärten zu kümmern und so bieten viele Vereine jüngeren Menschen an, im Garten auszuhelfen, anzubauen und natürlich auch das schöne Wetter zu genießen. Oder man tut sich im Freundeskreis zusammen, so sieht der Verein direkt, dass genug Leute für die Pflege des Gartens einstehen.

6. Family First

Als kinderloses Paar haben wir schnell gemerkt, dass Familien mit Nachwuchs in der Vergabe bevorzugt behandelt werden. Auch okay, denn ein Garten ist für Eltern und Kinder natürlich ein echtes Glückslos. Bei der Vergabe der Lauben wurde zumindest in unserem Verein darauf geachtet, dass benachbarte Lauben an Menschen mit ähnlichen Lebensumständen vergeben werden. Hier die älteren Paare, die auch mal ihre Ruhe haben wollen, dort mehrere Familien nebeneinander, bei denen die Kids ungestört herumflitzen können. Falls ihr also Kinder habt, könnte es für euch etwas schneller gehen.

7. Nicht zu wählerisch sein

Wir haben unseren Garten vermutlich vor allem deswegen so zügig bekommen, weil er 2030 abgerissen wird. Ein Autobahndeckel soll her und dafür müssen die Gärten weichen. Unglaublich schade, aber wer weiß schon, wo wir in sieben Jahren sind und ob der Bau überhaupt wie geplant losgeht. Sowas schreckt natürlich ab, aber wir freuen uns wie Bolle auf die nächsten Jahre in unserem Garten!

8. Achtung vor falschen Entscheidungen

Ein Schrebergarten bedeutet auch Arbeit. Wir dachten uns auch: Ja ja, aber macht doch Spaß. Tut es auch, aber 400 Quadratmeter zu pflegen ist ein zeitintensives Hobby. Wir hatten das Glück einen recht gepflegten Garten überlassen bekommen zu haben – nur die Laube war sehr renovierungsbedürftig. Manchmal gleicht die Parzelle aber einer wilden Waldlichtung, die jahrelang nicht gepflegt wurde – da müsst ihr schon ausreichend Zeit mitbringen. So kann auch der An-, Aus- oder Neubau einer Laube wahnsinnig ins Geld gehen. Seid euch also des Arbeits- und Geldaufwandes bewusst, wenn ihr euch für einen Kleingarten entscheidet. Und nehmt ihn nicht nur, weil ihr so lange gewartet habt – auch wenn das verlockend ist.

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