Lebe lieber nachhaltig: Januar-Vorsätze, die du wirklich einhalten kannst

Gute Vorsätze für das neue Jahr gehören zum Jahreswechsel wie Franzbrötchen zu Hamburg. Meistens wünschen wir uns mehr Sport, mehr Geld oder mehr Zeit für Freund*innen in unserem Leben. Aber auch: Bewusster zu leben und auf den persönlichen Konsum zu achten. Ein schöner Vorsatz, der theoretisch ganz einfach, aber praktisch oft nur sehr schwer umsetzbar ist. Wie kann das also aussehen? Ich habe mich für euch bei drei Hamburger Unternehmern*Innen umgehört, die genau das gemacht haben: ihr Denken und Handeln voll auf Nachhaltigkeit umgestellt.

Bambuszahnbürsten, Blockseifen und faire Mode – Tipps von Nachhaltigkeits-Expert*Innen

Christoph von Hydrophil ist mit Zahnbürsten aus Bambus und nachwachsenden Rohstoffen schon seit einigen Jahren am Start und mittlerweile Marktführer. Natalie, die ihr vielleicht auch schon als Gründerin der regionalen Apfelsaftmarke Leev kennt, hat gerade mit ihrer Freundin Mar Terrorist Of Beauty gegründet: eine verpackungsfreie Blockseifenmarke, die Naturkosmetik biozertifiziert und vegan ist sowie komplett in einer deutschen Seifenmanufaktur hergestellt wird. Und Sarah, die genau wie ihre Freundin Geraldine keine Lust mehr auf Fast Fashion hatte und deshalb mit ihr zusammen die Agentur AWAKE Communications gegründet hat, die ausschließlich nachhaltige Marken betreut.

Hinterfragen und mit kleinen Dingen anfangen

Ein nachhaltiger Lebensstil beginnt besonders leicht im Badezimmer – hier verbrauchen wir enorm viel Plastik und Mikroplastik. Christoph meint dazu: „Ich finde es immer wichtig, das Gegebene auch mal zu hinterfragen. Muss eine Zahnbürste wirklich aus Plastik sein, Seife wirklich flüssig und der Großteil der Produkte unseres alltäglichen Bedarfs in Plastik verpackt werden? Der Markt für Konsumgüter ist voll von Produkten, deren Beschaffenheit als gesetzt gilt und vermeintlich praktischer und handlicher ist, dabei aber auf Kosten unserer Umwelt geht. Die Herstellung wasserneutraler Produkte, als Alternative zu herkömmlichen Kosmetik- und Hygieneartikeln wurde – insbesondere vom konventionellen Handel – zunächst nicht sonderlich ernst genommen. Das hat sich glücklicherweise geändert. Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind inzwischen populäre Themen, die auch vom Mainstream aufgegriffen werden. Unsere Produkte zielen ja auch genau auf diese Frage ab: Es ist eben nicht schwer, kleine Dinge im Alltag zu ändern – und sei es nur die Umstellung auf eine nachhaltige Zahnbürste.“

Gewohnheiten ändern

Eine nachhaltige Denkweise beginnt immer bei dir selber. Nachhaltigkeit hat mit Konsumverzicht, Reduktion oder bewusst ausgesuchten Alternativen zu tun. Dem stimmt auch Sarah zu: „Ich bin der Meinung, dass man, wenn man sich selbst achtet, automatisch auch achtsam mit anderen umgeht – und damit der Welt, in der wir leben. Das ist für mich eine gute Grundlage, um Nachhaltigkeit in mein Leben zu integrieren.“

Doch was bedeutet das für den Alltag?

Sarah: „Ich war es gewohnt, mal eben schnell bei der Fast Fashion Kette auf dem Heimweg reinzuhuschen, um mir neue Strumpfhosen im Doppelpack für acht Euro zu kaufen. Ebenso war ich es gewohnt, ohne darüber nachzudenken, einen Coffee To Go beim Italiener auf der anderen Straßenseite zu holen, weil mir eben gerade danach war. Warum? Weil wir hier in der Stadt einfach alles, überall und fast immer bekommen. Meine Gewohnheiten umzustellen, hieß natürlich in gewissem Maße auch Verzicht. Mittlerweile gehe ich zum Beispiel im Unverpackt-Laden einkaufen, achte darauf, Verpackungsmüll zu vermeiden, kaufe ausschließlich Faire Mode und das sehr ausgewählt und ich verzichte auf Fleisch.“

Reduzieren, aber ohne Druck

Reduzieren ist ein mächtiges Zauberwort, findet Natalie: „Das Thema begleitet mich schon länger. Ich habe vor drei Jahren damit angefangen, als ich in unsere WG zog und mich bewusst für das kleinste Zimmer entschieden habe. Ich habe mein Leben auf zwölf Quadratmeter komprimiert und mich von allem verabschiedet, was ich nicht brauche. Ich kaufe auch fast nicht mehr ein und ziehe an, was schon da ist. Wenn ich konsumiere, dann konsumiere ich gutes Essen und gute Lebensmittel. Auch für Freizeit im Sinne von Yoga und Sport gebe ich wirklich gerne viel Geld aus, um da tolle Erlebnisse zu schaffen. Auf jeden Fall ist Reduktion wichtig – genau wie Achtsamkeit und eine neue Wahrnehmung. Das ist wie eine Milchglasscheibe wegnehmen, mit der man durchs Leben gestolpert ist und plötzlich sieht man so: Nee, das geht ja gar nicht.“

Und was tun, wenn einige Dinge einem doch besonders schwerfallen?

Natalie: „Mir fällt es relativ leicht, auf alles, was klassischer Konsum ist, zu verzichten. Ich kaufe ausschließlich Second Hand. Wo es mir schwer fällt: Lebensmittel wie Fleisch oder Milchprodukte. Mir fehlt mein Käse und ich liebe Butter, weiß aber auch, dass es nicht mehr lange so gehen kann. Aber ich mache mir hier nicht so viel Druck. Denn wenn du dir selber zu viel Druck machst, dann kippt es irgendwann und dann hast du keinen Bock mehr. Deshalb lasse ich das erstmal sein und denke: Ok, das ist jetzt einfach deine kleine Sünde.“

Ein kleines Fazit

Nachhaltiges Denken und Handeln umfasst weit mehr als nur den Müll zu trennen oder den Jutebeutel beim Einkauf zu schultern. Mit der Fülle unserer Möglichkeiten haben wir wohl ganz verlernt, was die Generation Großeltern noch im Blut hatte: reparieren statt wegwerfen, auf Qualität zu achten statt auf Quantität, auf das Nötige beim Einkauf beschränken und Lebensmittel nicht wegwerfen. Und nicht vergessen: Nachhaltiges Leben kann auch ganz schön viel Spaß machen!

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