Heimaturlaub: Sylt – geht das auch günstig?

© Torben Brandt

Drei Tage Sylt für schmales Geld, ob das hinhaut? Es klingt etwas hirnrissig, so wie Wasserskifahren im Wald. Oder Fliegen auf der Luftmatratze. Aber soll man die eindeutig schönste Insel Deutschlands den Großgrundbesitzern, Loafer- und Louis-Vuitton-Träger*innen überlassen? Nö. Die machen ja auch nur einen kleinen Teil der Insel aus. „Sylt ist ganz anders als das Klischee“, sagt eine Hamburger Freundin, die auf der Insel geboren wurde. „Das weiß nur keiner!“ Na, mal sehen. Die Vorstellung einer Jugendherberge schreckt uns ab. Dann lieber #Vanlife! Mit einem geliehenen VW-Bus T5 California Beach – passend zum Wetter – und drei Tagen Campingplatz wollen wir also testen, inwieweit Sylt auch als Reiseziel für normal Betuchte taugt! 

 

© Torben Brandt

Tag 1: California Dreaming – mit Startschwierigkeiten

Weil man natürlich möglichst viele Sonnenstunden auf der Insel verbringen will, empfiehlt sich eine frühe Anreise. Eigentlich. Wir haben nur leider übersehen, dass das Schleswig-Holstein-Ticket wochentags erst ab 9 Uhr gültig ist und stehen um 6.15 Uhr am Gleis. Und kaufen dann also Normalo-Tickets… Die Zugfahrt im fast leeren Regionalexpress lässt uns den Patzer schnell vergessen. Überall Rehe auf den Feldern, wir sehen sogar mehrere Kitze. Im letzten Teil der Anfahrt geht es über den Hindenburgdamm: Links das Watt, rechts das Meer, schon ist man entschleunigt. 

Sylt begrüßt den Besucher mit Blumenketten, wenn auch im Beet und nicht um den Hals: Am Bahnhof sind massenweise rote und gelbe Rosen angepflanzt, und überall auf der Insel findet man – so heißen die echt – Kartoffelrosen („rosa rugosa“).  Dann lassen wir uns das rollende Zuhause für die nächsten Tage erklären. Und dann geht’s los, erst mal Richtung Süden. Es sieht schon alles ziemlich skandinavisch aus: Dünen, Heidelandschaft, markante Kliffs… 

© Torben Brandt

Der Hörnumer Campingplatz ist überschaubar und auf das Wesentliche reduziert – und liegt perfekt an der Düne. Nach einem kurzen Snack geht’s an den Strand, der wie überall auf der Insel einfach nur atemberaubend ist. Die Brandung tost, man sollte nicht allzu weit rausschwimmen, Nordsee halt. Der Sand ist fein, der Himmel krachblau, der Wind ist angenehm und nicht schneidend, das kann Dir auf Sylt auch im Juni passieren. Vorm Restaurant „Straend“, dem neuen und leider in der Regel bumsvollen Szene-Bistro auf der Insel, hinterlassen wir die Brötchenbestellung fürs Frühstück und widmen uns dann der gehobenen Campingküche. Das Kochstudio auf der Veranda des Sanitärhauses hat Dünenblick und mit dem Gaskocher haben wir ruckzuck Pasta mit vegetarischer Bolognese als Sparmenü, der Supermarkt-Rosé für unter drei Euro ist mega, aber man ist eh schon von der Natur berauscht. Zum Ende des Tages: Sonnenuntergang. Um 22.30 ist es hier am nördlichsten Zipfel Deutschlands noch fast taghell.

Campingplatz Hörnum | Rantumer Str. 31, 25997 Hörnum  | mehr Info 

Preis pro Person: 5 Euro, Van/Wohnmobil in der Hauptsaison ab 12 Euro, Zelt Hauptsaison ab 11 Euro

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Tag 2: Scharfe Helga und schubbernde Schafe

Westerland ist so ein bisschen wie Eimsbüttel: Beliebt, entspannt, nicht zu posh – aber auch dicht besiedelt. Letzteres gilt auch für den Campingplatz. Er könnte eine Renovierung gut vertragen. Die Kreissäge am nächsten Morgen gegen 9 Uhr wird uns Recht geben… Dafür hat der Campingplatz das italienische Restaurant „Osteria“ und einen Pizzawagen und liegt quasi DIREKT am Meer, man muss nur ein mal über die Düne laufen. Und hier, am Ortsrand von Westerland, ist der Strand selbst im Juni ziemlich leer. Am Zentralstrand reiht sich Strandkorb an Strandkorb, gerade findet auch ein Oldie-Konzert statt. In der Salatkogge soll es die besten Fischbrötchen, auch im Preis/Leistungsverhältnis geben. Nach „Scharfer Helga“ (Brathering mit Chilisauce) und dreierlei Sorten Kartoffelsalat haben wir keine Gegenargumente – und rollen uns zum Strand für einen ausgedehnten Mittagsschlaf. 

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Am Abend steht die andere Seite auf dem Programm: Der berühmte Ellenbogen, die sturmumtoste Nordspitze der Insel. Auf der Fahrt renkt man sich vor lauter Staunen fast den Kiefer aus: Es wird immer unbesiedelter, links sieht man das Meer, rechts die Wattseite und die Landschaft wird zunehmend rauer. Wir machen halt an vereinzelten Schafen, die sich am Holzzaun schubbern und passieren die Mautstation (8 Euro – das man Privatgelände durchkreuzt, lassen sich die Sylter gut bezahlen). Dann noch ein kleiner Spaziergang vorbei an rostigen und scharfkantigen Buhnenresten und vereinzelten Anglern – und dann ist es ein bisschen wie das Ende der Welt. Es dämmert schon; die See liefert dramatische Kulisse, weil hier offenes und Wattenmeer aufeinandertreffen, kämpfen die Wellen miteinander und man versteht sofort, warum man hier lieber nicht schwimmen sollte. Die Luft auf Sylt ist die reinste Wohltat – aber der Pizzaduft danach auf dem Campingplatz hat auch was!

Campingplatz Westerland | Süderstraße 66, 25980 Westerland | mehr Info 

Bullistellplatz 13 Euro, jede Person zahlt 5,50 Euro zuzüglich Kurtaxe 3,30 Euro

Salatkogge | Strandstraße 28, 25980 Westerland | mehr Info

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Tag 3: Regen bringt Sauna-Segen

Es ist wohl eins der bedrohlichsten Geräusche, mit denen man als Camper geweckt werden kann: Regen, der aufs Dach trommelt. Mööp! Immerhin ist der Camper fast so bequem, dass wir bis 9.30 Uhr durchschlafen und den Gaskocher-Kaffee dann halt unter der offenen Heckklappe einnehmen. Gut, dass es Strandsaunen gibt! Die in Rantum soll am gemütlichsten sein. Okay, 13,50 für zwei Stunden ist kein Schnapper. Aber wir haben bisher so wenig für Essen und Freizeitgestaltung ausgegeben, dass wir den kleinen Holzschuppen ansteuern. Zum Glück: Das ist eine richtig kleine Retro-Oase! Es gibt eine 80-Grad-Sauna mit Meerblick, ansonsten kein Chichi – aber windgegerbte und sehr entspannte ältere Herrschaften, die behaupten, ganzjährig in die See zu springen. Syltmannsgarn? War Sylt gestern noch Tropical Island, sind hier heute gerade mal 15 Grad und Sturm (Sylter würden wohl sagen: leichte Brise). Durchgeschwitzt in die kalte See zu hechten, ein absolutes Highlight auf dem Trip! 

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Anschließend geht’s in den Hafenkiosk 24 – zwei Fischbrötchen für jeden, dazu Pommes und zwei Weißweinschorlen für roundabout 27 Euro. Da kannste nix sagen! Wir überlegen, ob wir einen Versuch in der Sansibar starten sollten, haben aber keine Lust, für ein Glas Wein 9,50 Euro hinzublättern und um einen Platz auf den Holzbänken zu kämpfen – und wählen wieder die Variante Supermarktwein am Strand. Und der dritte und letzte Campingplatz ist ja an sich auch ziemlich nobel: In Kampen, dem Luxus–Epizentrum der Insel, unweit von Hermès und Burberry. Das Hauptgebäude mit Empfang und WCs ist in einem reetgedeckten Haus, genauso hatten wir uns das vorgestellt. Ansonsten ist alles sehr aufgeräumt und weitläufig hier. Zum Strand – ja, wir sind längst verwöhnt – läuft man allerdings eine Viertelstunde. Die Camper unterscheiden sich übrigens nicht großartig, egal ob in Hörnum, Westerland oder hier: Alle sind wahnsinnig nett, fragen wo man herkommt oder ob man was braucht und schenken einem frische Erdbeeren. Auch dieser Tag geht leider zu Ende – unter einem völlig irrealen lila-pinken Sonnenuntergang.

Campingplatz Kampen | Möwenweg 4, Kampen | mehr Info  

Preis pro Van mit zwei Personen inkl. Kurkarte ab ca. 30 Euro, jede weitere Person über 16 zahlt 4 Euro.

Strandsauna Rantum, Dünengrund 30,  Rantum / mehr Info 

Tageskarte: 18,50 Euro, 2-Stunden-Ticket: 13,50 Euro

Strandkiosk 24, Hafenstr. 24, Rantum / mehr Info 

© Torben Brandt

Tag 4: Der Luxus, wo man mitmuss…

An dieser Stelle und am Abreisetag erst mal das Fazit: Ja, man kann auf Sylt einigermaßen günstig über die Runden kommen. Einen Van zu leihen und auf die Insel zu bringen lohnt sich zwar nur mit mehr als zwei Personen, aber die Campingplatzgebühren sind völlig im Rahmen. Zelten… tja, will man das bei den stürmischen Bedingungen und recht unbeständigem Wetter? Dann würde sich eher die Jugendherberge oder eins der Mobile Homes empfehlen. Wir haben meistens die billigeren Supermärkte angesteuert und viele Mahlzeiten mit dem Gaskocher zubereitet, statt auswärts zu essen. Und eine drei-Euro-Pasta schmeckt unter freiem Himmel zwischen den Dünen noch mal ganz anders! 

© Torben Brandt

So ganz ohne Luxus geht es aber nicht, ein hochpreisiges guilty pleasure, so hatten wir es uns geschworen, darf sein am Ende. Die Auswahl ist natürlich groß, aber alle, die wir fragen, sind sich einig: Das beste Frühstück gibt’s im Hotel Budersand am Hafen von Hörnum. Also los. Nach drei Tagen Campingplatz fühlt man sich etwas deplatziert zwischen den hochpreisig sportiv gekleideten Leuten hier – aber zum Glück gab's noch ein letztes frisches T-Shirt – und wir werden supernett empfangen. Das Buffet ist in der Tat eine ziemliche Wucht: Es gibt Eggs Florentine, Erdbeer–, Mango- und sonstige Obstsäfte, superfrisches Obst, eine riesige Brötchenauswahl,  Gebäck bis zum Abwinken, feinsten Käse – und alles an geräuchertem Fisch, was man sich vorstellen kann. Und Nordseekrabbencocktails natürlich. Man sollte auf der Sonnenterrasse am Meer nur den Teller nicht zu lange alleine lassen: Jonathan, die ziemlich gierige „Hausmöwe“ stürzt sich sonst garantiert drauf…

Zum Verdauungsspaziergang und Abschied lernen wir noch ein paar ganz neue Seiten kennen: Den Katreveler See, ein ehemaliger Meeresarm, der durch Eindeichung irgendwie zu mehreren Süßwasserteichen und zum Vogelparadies wurde. Und das beeindruckende Morsumer Kliff, ein herrliches Naturschutzgebiet auf der Wattseite. Von hier oben sieht man auch schon den Zug von Altona eintrudeln…

Am Bahnhof dauert es keine zwei Sekunden und die Gruppen-Rückfahrt ist gesichert: „Fahrt Ihr auch bis Altona? Wir sind schon zu dritt.“ Deal.

Hotel Budersand | Am Kai 3, 25997 Hörnum | mehr Info Frühstück p.P. 42 Euro

Info:

Das Schleswig Holstein Ticket kostet 29 Euro für eine Person in der 2. Klasse als Single-Ticket bei Online-Buchung. Jede weitere Person zahlt 3 Euro. Da fünf Personen mitfahren können, beträgt der Maximal-Tarif 41 Euro. 

Da Sylt keinen eigenen Camper-Verleih hat, empfiehlt sich die Anreise mit einem Leihwagen.

z.B. Ahoi Bullis: www.ahoi-bullis.com, Paul Camper: www.paulcamper.de, Bestcamper: www.bestcamper.de oder Campanda: www.campanda.de – dazu kommt die Überfahrt mit dem Autozug ab Niebüll. Je nach Länge und Gewicht des Fahrzeugs ab 98,00 Euro hin und zurück. Weitere Infos zu den Fahrtzeiten, Preisen und Bestimmungen: www.syltshuttle.de und www.autozug-sylt.de (Achtung: Zwei unterschiedliche Anbieter) Mit Wohnwagengespann oder Wohnmobil müssen mit der Syltfähre ab Havneby/Dänemark nach Sylt übersetzen. Hier ist auch eine Reservierung der Stellplätze möglich. Ab 90,00 Euro kann man mit Wohnmobil auf die Insel und zurück kommen – www.syltfaehre.de

www.camping-sylt.de hat 27 Wohnwagen in der Vermietung. Diese Wohnwagen stehen an festen Plätzen auf der Insel und werden an Gäste vermietet. Wenn man einen Stellplatz auf einem der Sylter Campingplätze reserviert, wird der Wohnhwagen auch dorthin gebracht.

 

www.camping-rantum.de/angebot/mobilheime – der Campingplatz in Rantum hat einige Mobilheime in der Vermietung.

Für diese Reise wurden wir freundlichst eingeladen von Sylt Marketing.

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