Heimaturlaub: Aarhus

© Torben Brandt

So, liebe Reisevergnügte – heute geht es einen Tick weiter als bis an die Elbe: nach Aarhus, Dänemarks zweitgrößte Stadt auf der Halbinsel Jütland. Kurz vorweg an dieser Stelle ein kleiner Mini-Dänisch-Kurs: Man spricht es „Awwww-huus“ aus.

Und das passt wie Würstchen auf Hotdog, denn: es ist wirklich niedlich hier! Schon auf der Hinfahrt haben wir einen „Smörrebröd, Smörrebröd röm pöm pöm pöm…“-Ohrwurm vom dänischen Koch aus der Muppet Show. Der kommt im englischen Original übrigens aus Schweden – und uns fällt auf, dass man zu den skandinavischen Nachbarn Schweden oder Norwegen spontan viel mehr Assoziationen hat, als zu Dänemark.

Eigentlich zu Unrecht, erstere haben zwar Abba und A-ha, aber hej – Dänemark hat , Lukas Graham und Gitte Hænning – super Playlist dann also für den Rest der etwa vierstündige Autofahrt – die wesentlich kürzer wäre, wenn die A7 nicht bis auf Weiteres die Baustelle des Jahrhunderts wäre...

© Torben Brandt

Mit dem Flixbus geht’s ab 25,90 Euro in fünfeinhalb Stunden in die 330 Kilometer entfernte Stadt, die Bahn braucht fünf Stunden bei zweimal Umsteigen (Spartickets fangen bei 49,90 Euro ohne Bahncard an).

Hygge meets Hightech

Nach dem Einchecken im Radisson Blu Hotel, in dem wir freundlicherweise wohnen dürfen, geht es auf den ersten ausgedehnten Stadtspaziergang. Alles ist fußläufig erreichbar und selbst hartgesottene Orientierungs-Legastheniker finden sich schnell zurecht. Das Chocolate Banana Bread und der Latte im Café Cabra sind so köstlich, das man fortan am liebsten stündlich beides hätte, aber wir wollen ja nicht sofort ins Fresskoma fallen und erkunden erstmal den Hafen.

© Torben Brandt

Das Dokk1 ist ein wuchtiges Multimediahaus und beherbergt nicht nur eine riesige Bibliothek und Raum für Lesungen, Konzerte oder Theater-Inszenierungen, ein Reperaturcafé und „maker spaces“, in denen man kreativ sein kann und sich mit 3D-Drucken oder Drohnenflug vertraut machen kann – hier ist gleichzeitig der Bürgerservice der Stadt – Pass beantragen with a view!

Mitten im Saal hängt eine riesige goldene Säule, die einen gewaltigen Gong ertönen lässt, sobald ein neues Baby auf die Welt kommt (und die Eltern im Krankenhaus den Knopf betätigen). Das Gebäude ist eine Mischung aus Gesamtkunstwerk und Kulturzentrum, wir zücken vor so viel Innovation und Heimeligkeit (pardon: Hyggeligkeit) die Wollmütze.

© Torben Brandt

Komm' auf die dunkle Seite...

Nachdem wir durch die hübschen kleinen Straßen der Innenstadt gestrolcht sind und 1A mexikanisches Fingerfood im Vaca hatten, gibt es noch Moule Frites bei Oli Nico, was (halbwegs) typisch Dänisches muss ja auch noch sein! Finanzielle Vorurteile seien an dieser Stelle etwas entkräftet, ein Bier ist mit rund sechs Euro zwar kein billiges Vergnügen, aber kein Vergleich zu den Horror-Preisen, die man sich aus DK-Urlaubsgeschichten von Freunden ausgemalt hatte.

Ah ja: Wer auf Diät ist, sollte einen Riesenbogen um dänische Supermärkte machen. Das Lakritz-Sortiment zieht einen sofort auf die dunkle Seite der Macht!!

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Wir sind Wikinger

Am nächsten Tag hat das skandinavische Grau Pause und es gibt einen Tagesausflug ins Grüne: zum Nationalpark Mols Bjerge. Die mittelalterliche Burgruine Burg Kalø (dänisch: Kalø Slotsruin) auf einer Mini-Insel, die man zu Fuß vom Festland über einen künstlich angelegten Damm erreicht, wurde vor ein paar Jahren besucherfreundlich umgebaut, so dass man sie kühn besteigen und oben angekommen in bester „Game of Thrones“-Manier „Where are my dragons!?“ brüllen kann.

Noch ein Highlight: die unendliche Brücke beziehungsweise den Uendelige Bro, eine runde Brücke der dänischen Architekten Gjøde & Povlsgaard für das „Sculpture by the Sea”-Festival 2015. Da kann man drüber laufen bis zum Drehwurm – oder eben bis zur Unendlichkeit. Kleiner Wermutstropfen: am schönsten sieht sie wirklich von oben aus!

© Torben Brandt

Erstmal durch den Regenbogen...

Was noch? Kunst natürlich! Sowas wie das bunte Wahrzeichen von Aarhus ist der abgefahrene „Rainbow Walk“ (offiziell „Your Rainbow Panorama“) von Kunst-Star Olafur Eliasson auf dem Dach des ARoS Kunstmuseums. Ein paar Runden durch das Farbspektrum während man ein 360-Grad-Panorama auf die Stadt bekommt, gehört zu den absoluten DOs auf der „Machen“-Liste in Aarhus. Lasst Euch ruhig Zeit: mit den Farbwechseln ändert sich auch die Stimmung!

Aber dann: ab nach unten, es wartet eines der spannendsten (und größten) Museen Nordeuropas für zeitgenössische Kunst auf Euch, unter anderem die großartige, fünf Meter hohe Kolossalplastik (Danke für dieses Wort, Wikipedia!) „Boy“ von Ron Mueck aus der Sammlung des Museums. Wer sich für Pop Art interessiert, kann bis Mitte August in die schrillbunten Kommerz-Kunstwerke von James Rosenquist eintauchen, ab 16. Juni zeigen die britischen „Terrorbrüder“ Jake und Dinos Chapman eine neue Installation.

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Wenn Ihr Euch lieber mit viel Tamtam und Multimedia über das Leben der Wikinger und andere vergangene Epochen informieren wollt: dann ab ins Moesgaard Museum! – auch ein beeindruckender Bau, allerdings ist man danach etwas geplättet von so vielen Lichteffekten und Hightech-Geschichtsvermittlung. Zum Runterkommen gab es einen Kakao im Kulturzentrum Godsbanen, wo Ihr unbedingt vorab schauen solltet, ob nicht gerade ein Konzert oder Musikfestival stattfindet.

Für den Außenbereich mit Bauwagen, Café und Installationen war es leider zu feuchtkalt, aber im Sommer muss das der Hammer sein.

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Hej, voll lecker hier!

Widmen wir uns abschließend noch mal dem Konsum. Neben kiloweise Lakritz (oh, fast vergessen: die Eissorte Daim Lakritz ist ungefähr so geil wie ein multipler Orgasmus) gibt es in Aarhus ein paar echt gut sortierte Second Hand Läden (Soul Shine zum Beispiel) oder für Liebhaber des skandinavisch-aufgeräumten Looks das dänische Männerlabel Legends.

Und wenn Ihr noch ein besonderes Souvenir mitbringen wollt, dann lauft bei der zauberhaften Karina Kirkegaard Madsen und ihrer Horn-Manufaktur Hornvarefabrikken vorbei – klingt schräg, aber als nachhaltiges Beiprodukt aus der Fleischproduktion hergestellt sind das dekorative Löffel, Armreifen oder natürlich Trinkhörner – und man fühlt sich, als würde man eine enge Freundin besuchen.

© Torben Brandt

Bevor es zurück nach Hamburg geht, steht noch der Streetfood Market auf dem Programm. Hatten wir uns gestern noch gewundert, ob das Bar- und Nachtleben etwas zu putzig abläuft (nach 22h war alles von Restaurant bis Bar ganz schön leergefegt, und das in einer Studentenstadt! Aber okay, es war auch Sonntag), wissen wir heute, wo sich alle rumtreiben: Futternd und quatschend zwischen Smörrebröd (bunt belegte Brote, gern mit Fisch und Remoulade aber dem Belag sind quasi keine Grenzen gesetzt), dänischen Pommes, Thaifood, Omas Eintopf und reichlich øl (Bier) – ein paar Grüppchen bestellen sich sogar eine Flasche Schampus zum Fingerfood. Die können und wollen wir uns dann aber doch nicht leisten, aber: ein schöner letzter Abend.

Aarhus, wir sehen uns wieder!

Für diesen Heimaturlaub wurde wir freundlichst von VisitAarhus eingeladen.

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