Artvergnügen #28 – 11 Kunsttipps, die ihr im November nicht verpassen solltet

Während die einen sich noch immer nach den sonnigen Oktobertagen sehnen und die anderen schon dem ersten Glühwein entgegenfiebern, läutet der November den Höhepunkt der Museumsjahreszeit ein. Die Museen, Galerien und Off-Spaces sind aus dem Sommerschlaf erwacht und locken uns mit neuen Ausstellungen, Veranstaltungen, Themen und Fragen.

Wer es also noch nicht wahrhaben will, dass sich 2018 dem Ende neigen könnte geschweige denn emotional bereit ist für vorweihnachtliche Vibes, sollte sich in das vielfältige und bunte Ausstellungsprogramm des Monats November stürzen.

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© VG Bild-Kunst, Bonn 2018, Copyright: Henning Rogge Staatsgalerie Stuttgart in Hamburg: Skulptur meets Deichtorhallen

Die Blätter fallen, die Kunst steht. Diesmal sogar wortwörtlich. Während die Deichtorhallen für Fotografie und Malerei bekannt sind, setzen sie diesmal mit der Ausstellung FLORIAN SLOTAWA: STUTTGART SICHTEN einen neuen Schwerpunkt. Gezeigt werden ausschließlich Skulpturen aus der Sammlung der Staatsgalerie Stuttgart, die 175-jähriges Bestehen feiert. Eine weitere Besonderheit ist: Die Kunstwerke wurden nicht von einem Kurator sondern von einem Künstler ausgewählt. Der in Berlin lebende Florian Slotawa (*1972) formuliert mit seiner Auswahl ein kuratorisches und ein künstlerisches Statement. Euch erwartet sowohl eine Zeitreise durch die Jahrhunderte der Skulptur als auch künstlerische Fragen nach Aktualität und neuen Gestaltungsmöglichkeiten dieser Werkgattung. Slotawas teilweise humorvollen Nachbauten von alten Meistern und seine neue Setzung der Stuttgarter Skulpturen unterbrechen den kunsthistorischen Parcours und versprechen spannende Entdeckungen.

Nichts wie hin und den Blick schärfen!

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© Carl Friedrich Stange, Landhaus Willem Brandt in Othmarschen von Axel Bundsen, Aquarell um 1825 Foto/ SHMH MHG Dänische Architekturgeschichte in Hamburg: Klassisch dänisch. Norddeutsche Baukultur seit 1790

Zurecht schwärmen wir alle vom unfassbar schönen Jenisch-Park. Momentan gibt es aber noch einen weiteren Grund, der Idylle am Elbufer einen Besuch abzustatten: das Jenisch Haus zeigt eine lohnenswerte Sonderausstellung. In der Zeit um 1800 gehörte Altona zum dänischen Gesamtstaat und wurde nicht nur politisch, sondern auch stark architektonisch stark von unseren nordischen Nachbarn beeinflusst. In der Ausstellung darf man sich als Besucher in wunderschöne alte Bauzeichnungen, Entwürfe und Grundrisse aus der Zeit des dänischen Klassizismus in Hamburg vertiefen. Auch heute ist das minimalistische Design der Dänen beliebt und so springt die Ausstellung im zweiten Teil in die Gegenwart und fragt nach dem visuellen Austausch innerhalb von Architektur, Design und Kunst zwischen Deutschland und Dänemark.

 

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© Neu-Altona in den 1960er Jahren, Foto/ Neue Heimat, Hamburgisches Architekturarchiv Schöner Wohnen in Altona? Stadtentwicklung im 20. und 21. Jahrhundert

Wohnraum ist ein knappes Gut und von den unbezahlbaren Mieten wollen wir gar nicht erst anfangen. Die Ausstellung Schöner Wohnen in Altona nimmt euch mit auf eine Zeitreise durch den städtebaulichen Wandel in diesem Bezirk. Sie untersucht, was für kulturelle, wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen entscheidend sind und wie sich Ansprüche an Wohnraum und Lebensqualität im Laufe der Zeit verändert haben. Die Ausstellung stellt verschiedene Wohnungsbauvorhaben seit den 1890er Jahren vor, als Altona noch eine reine Industriestadt war und blickt zusammen mit dem Besucher auf die anstehenden Planungen des Holstenareals und der Kolbenhöfe. Zwischen Vergangenheit und Zukunft wird veranschaulicht, wie sich der Charakter dieses Stadtbezirks verändert hat und was es für mögliche Zukunftsvisionen für ein soziales Zusammenleben in der Stadt geben könnte.

  • Altonaer Museum
  • Museumstraße 23, 22765 Hamburg
  • 29. September 2018 bis 24. Juni 2019⎜Montag: 10:00-17:00 Uhr, Mittwoch – Freitag: 10:00-17:00 Uhr, Samstag – Sonntag: 10:00–18:00 Uhr
  • Eintritt: 5-8,50 Euro
  • Mehr Info
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© Kay Riechers In der Hamburger Kunsthalle: Gegensätze ziehen sich an

Große Strohskulpturen und laute Farbigkeit — passt das? Entscheidet selbst! In der Ausstellung wieder und wider präsentiert die Kunsthalle Hamburg noch bis Dezember bekannte und unbekannte Positionen aus ihrer Sammlung für zeitgenössische Kunst. In bewusst ungewohnten Konstellationen wird hier gleichrangig Malerei, Skulptur oder Video nebeneinander präsentiert. Der Besucher wird eingeladen die Kunstwerke zu vergleichen und sowohl Unterschiede als auch verblüffende Gemeinsamkeiten zwischen vermeintlichen Gegensatzpaaren zu entdecken. Freut euch auf Arbeiten von Sigmar Polke, Neo Rauch, Mike Kelly, Maria Lassnig, Tony Cragg, Vajiko Chachkhiani, Haegue Yang und vielen mehr.

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© Zhejiang Art Museum, Hangzhou, Foto/ Michaela Hille Inky Bytes. Tuschespuren im Digitalzeitalter im Museum für Kunst und Gewerbe

Digitalisierung und Urbanisierung treffen auf chinesische Tuschetraditionen in der Ausstellung Inke Bytes. Sind alte chinesische Kunsttechniken wie Tuschemalerei, Buchdruck und Steinabreibung im Zeitalter von Digitalisierung überhaupt noch relevant? Das Museum für Kunst und Gewerbe bejaht das mit dieser Ausstellung und eröffnet mit vielen künstlerischen Arbeiten einen spannenden Dialog. Als inhaltliche Verknüpfung steht die Frage nach Urbanisierung im Vordergrund. Damit trifft chinesische Kunsttradition auf Hamburger Lebensraum. Für die Ausstellung haben Künstler aus Hamburg und China innerhalb dieser Thematik gearbeitet und präsentieren ihre Werke mit Installationen, Malerei, Videos, Möbeln, Gewändern, Holzdrucken, Plakaten, Hängerollen und Porzellan aus der Sammlung des Museums für Kunst und Gewerbe.

  • Museum für Kunst und Gewerbe
  • Steintorplatz 1, 20099 Hamburg
  • 2. September 2018 bis 13. Januar 2019⎜Dienstag – Sonntag: 10:00-18:00 Uhr, Donnerstag: 10:00-21:00 Uhr, Dienstag – Sonntag: 11:00–18:00 Uhr
  • Eintritt: 8-12 Euro
  • Mehr Info
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© Michael Pfisterer Alex Wissel, Jan Bonny: Rheingold. Tun, was zu tun ist.

Auf nach Harburg, Freunde! Der Harburger Kunstverein im Fernbahnhof thematisiert den Fall des Kunsthändlers Helge Achenbach, dessen Namen in Verbindung mit gefälschten Rechnungen 2016 in der Presse publik wurde. Der Künstler Alex Wissel rekonstruierte zusammen mit dem Regisseur Jan Bonny den Verlauf dieses Falles in Rheingold, einer Serie, welche 2018 in der Berliner Volksbühne gedreht wurde. Der Wartesaal des Kunstvereins sowie der Bahnhofsraum selbst, werden Teil des erweiterten Bühnenbilds und über Malerei, Zeichnung und Video könnt ihr euch mit dem Fall Aachenbach vertraut machen.

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© GALERÍEKA 2017 Kunst und Kaffee in der Winterausstellung der GALERÍEKA

Diese Kombi hört sich sehr verlockend an: Kunst gucken und dabei einen leckeren Kaffee und ein Stück Kuchen essen. Das geht beides im Café/Kunstgalerie von Yvonne Dähne in Eppendorf. GALERÍEKA  präsentiert alle drei Monate neue Arbeiten von immer sechs verschiedenen Hamburger Künstlern in jeweils sechs Räumen. Für die kalte Jahreszeit lockt die Galerie uns mit ihrer Winterausstellung und Arbeiten von AngyC, Barbette Fischer, Karheinz Grünke, Susanne Jörgen, Catharina Konzerts, Sabine Ruhle und Tatjana Wolfers in ihre Räumlichkeiten.

  • GALERÍEKA Kunst im Café
  • Ludolfstraße 60 20249 Hamburg
  • 31. Oktober 2018 bis 6. Januar 2019⎜Mittwoch – Freitag 10:00-18:00 Uhr, Samstag – Sonntag 10:00-19:00 Uhr, Montags und Dienstags geschlossen oder nach Vereinbarung
  • Eintritt: frei
  • Mehr Info
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© Hayo Heye Keramik vs. Digitalisierung: Further Thoughts on Earthy Materials

Das Kunsthaus Hamburg setzt mit seiner aktuellen Ausstellung einen Schwerpunkt auf die alte Tradition der Keramik und des Brennens von Ton. Während man mit dieser künstlerischen Technik Erde formt und im wahrsten Sinne des Wortes „begreifen“ kann, fragen die Künstler in dieser Ausstellung nach der Zukunft dieses Mediums. Welche Rolle spielt heute in Zeiten von 3D-Scans und -Druckern Material, Oberfläche oder Haptik? Die verschiedenen künstlerischen Positionen wollen genau diese Grenzen zwischen Tradition und Zukunftstechnologie austesten. Wer Lust auf diese Fragen hat, ist eingeladen Further Thoughts on Earthy Materials zu entdecken. Seid gespannt, denn anlässlich der Finissage  erwartet euch noch eine Performance der niederländischen Künstlerin Jennifer Tee.

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© P- Schimweg/MARKK Das Alte neu entdecken: Erste Dinge—Rückblick für Ausblick

Das MARKK ist das neue alte Museum am Rothenbaum. Vielleicht kennt ihr es noch unter dem alten Namen „Museum für Völkerkunde“? Erste Dinge—Rückblick für Ausblick ist die Eröffnungsausstellung im Rahmen der Neunennung des Museums. Das Museum möchte sich mit seinem Rückblick auf die Gründung des Hauses und die Sammlungsgeschichte neu positionieren und seine eigene Rolle reflektieren. Als Museum, welches viele Objekte aus diversen Kulturen der Welt beherbergt, wird in der Museumslandschaft das Thema Provenienz neben der Frage, wie die Objekte ihren Weg in die Museen gefunden haben immer wichtiger. Angefangen mit dem allerersten Objekt der Sammlung mit der Signatur A1 könnt ihr einen Blick hinter die Kulisse des MARKKs werfen und vieles über die Geschichte der Institution Museum lernen.

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© Fred Dott Klassenverhältnisse – Phantoms of Perception

Die Gruppenausstellung im Hamburger Kunstverein thematisiert Fragen nach Macht und sozialen Unterschieden innerhalb der heutigen Klassenzugehörigkeit. Der Ausgangspunkt ist der in Hamburg gedrehte Film Klassenverhältnisse aus dem Jahre 1984. Dabei handelt es sich um eine Verfilmung von Franz Kafkas Romanfragment Der Verschollene. Über diesen Film appellieren  Künstler*innen wie Neïl Beloufa, Benedikte Bjerre, Monica Bonvicini, Thomas Hirschhorn, Katie Holten, Los Carpinteros, Henrike Naumann und viele andere an die zerbrechlichen Konstruktionen von sozialer Ordnung, Freiheit und Hierarchien.

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© Budny and Rossman – Pinball, 2018 Kunst in der Börse für den guten Zweck

Es wieder soweit: Kunst in der Börse zeigt zum vierten Mal in Folge die Kunst der Designstudent*innen der HAW Hamburg im historischen Hamburger Ambiente. Mit der Unterstützung des Lions Club Hamburg-Hammaburg bekommen 23 junge Künstler*innen die Möglichkeit ihre künstlerischen Positionen im Saal der Börse zu präsentieren und zu verkaufen. Ein Teil des Erlöses unterstützt das Kinderhaus am Pinnasberg, welches mit eigenen Bildern der Kinder vor Ort zu sehen sein wird. Zusätzlich bieten die Studierenden an beiden Tagen jeweils um 11 und 15 Uhr Führungen an – ein exklusiver Einblick in die verschiedensten Arbeiten. Bringt Neugierde mit – es lohnt sich!

  • Commerzsaal der Handelskammer Hamburg
  • Adolphsplatz 1, 20457 Hamburg
  • 9. November 2018 bis 11. Januar 2019, am Eröffnungswochenende Samstag – Sonntag: 11:00-18:00 Uhr, ansonsten zu den regulären Öffnungszeiten der Handelskammer Montag – Donnerstag: 09:00-17:00, freitags von 09:00-16:00
  • frei
  • Mehr Info
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