Singlelicious: Weihnachtliche Beziehungsratschläge der Eltern

© Franzi simon

Zu Schulzeiten dachte ich: Wenn du in deinen Zwanzigern steckst, dann bist du erwachsen. Eigene Wohnung, geregelter Alltag und ein Freund, als potenziellen Ehemann. Pustekuchen. Aber auch halb so wild. Lieber stolpere ich mit meiner Freundin in der rechten Hand und einem Glas Prosecco in der linken durchs Singledasein. Wer meine Wege kreuzt und welche Geschichten mein Leben schreibt erzähle ich euch in meiner Kolumne „Singlelicious“.

Folge 7: Weihnachten – das Fest der Liebe und guten Ratschläge

Wer meine letzten Texte aufmerksam gelesen hat, ahnt (ganz) vielleicht, dass ich nicht der größte Weihnachtsfan bin. Und trotzdem kann auch ich mich nicht freimachen von Bescherungen, Kaffee und Kuchen, Familiendinner und eben ganz viel unangenehmen Fragen. Nachdem ich mich einem Fragenkatalog, mit der Seitenanzahl eines Dudens, zu meiner beruflichen Zukunft gestellt habe, liebe ich nichts mehr, als detailliert auf mein Liebesleben einzugehen. Während ihr also beschämt auf eurem warmgesessen Stuhl umher rutscht, denkt daran – ihr seid nicht alleine.

Stopp 1: Mama und der BWL-Student

Den ersten Weihnachts-Spießrutenlauf-Stopp mache ich in diesem Jahr bei meiner Mutter. Das heißt für mich: Fragen über Fragen, warum ich mir denn keinen BWL-Studenten mit Segelschuhen und Poloshirt an meiner Seite vorstellen könnte. Es ist fast so, als könnte ich ihre Stimme jetzt schon hören:"Ach Lena, einfach mal ein netter Typ. Das wär' doch was. Aber das willst du ja nicht. Du musst dich also nicht wundern, wenn du immer so gemein zu netten Typen bist, dass die das Interesse verlieren." Richtig, Mutter. Gut erkannt. Ich möchte keinen stinklangweiligen BWL-Prototyp-Studenten.

Nachdem wir dann den halben Abend lang und breit meine vergangenen Beziehungen aufarbeiten, bzw. sie diese aufarbeitet – da für mich bereits genug ver- und aufgearbeitet, bin ich maximal genervt, wenn zum einhundertsten Mal der Name meiner "ach so großen" Jugendliebe fällt.

Eigentlich sind die Fragen meiner Mutter zu meinem Liebesleben immer ganz in Ordnung, was dann nicht mehr ganz so in Ordnung ist, sind meine Antworten. Deshalb antworte ich A. entweder gar nicht, B. denke mir irgendwas aus oder C. tue so, als hätte ich sie einfach nicht gehört. 

Stopp 2: Papa, harte Kerle und meine Stiefmutter

Heiligabend ist geschafft. Der Kater der letzten Nacht lässt grüßen und schon geht es auf zum nächsten Familienstopp: Zu meinem Papa und seiner Frau. Hier wird glücklicherweise alles ein bisschen entspannter – naja, fast. Ein Glück werden einem hier kaum unangenehme Fragen gestellt, oder Anforderungen auferlegt.

Das Verhältnis meines Vaters zu meinen Ex-Liebeleien ist ein bisschen, wie ein Kiste voller schlechter Witze. Ich habe immer köstlich gelacht, die Jungs weniger. Eine nette Anekdote: Eines Tages stellte ich meinem Vater eine meiner Liebeleien vor. Er, Hockeyspieler und wohlgehütet aufgewachsen (Gott, meine Mutter war so stolz und ich so gelangweilt). Wir sitzen am Tisch, während der Hockeyspieler erzählt und erzählt und irgendwann auf sein Hobby umschweift. Als er sich verabschiedete, guckte mein Vater mich an und fragte mich allen Ernstes "Was spielt der? Hockey? Wackeln die da nicht mit ihren Popos in der Luft wie Enten? Such dir lieber mal was Anständiges. Ich mein, wäre es wenigstens Eishockey!" Er hatte Recht. Ich habe diese amouröse Beziehung auslaufen lassen. Danke, Papa!

Ihr merkt: Es geht hier weitaus entspannter zu. Ganz nach dem Motto: Du machst das schon. Aber mach erstmal etwas für dich und deine Person. Und egal wer er ist – es geht vorbei, Kind.

Als meine Eltern sich vor etlichen Jahren trennten, lernte mein Vater meine Stiefmutter kennen. Und natürlich trägt auch sie gern den ein oder anderen Ratschlag zu meinem Beziehungsleben bei. Ihre Nichten, Neffen und ihr Sohn (alle circa mein Alter) sind alle seit gefühlt schon immer mit ihren Freund*innen zusammen. Es werden Häuser auf dem Land gekauft, gemeinsame All-Inclusive-Urlaube gebucht und die Weihnachtsgeschenke der (Groß-) Eltern werden für (Enkel-)Kinder und Partner*innen gemeinsam gekauft.

Auf mich wirft man dann gern ein leicht besorgtes Auge. Fast so, als müsse ich schnellsten unter die Haube kommen, bevor der Markt leergefegt sei. Natürlich meinen sie es nur gut, wenn sie mich fragen, warum ich denn keinen Freund hätte. Aber der Unterton spricht Bände: Das Hippie-Mädchen aus der großen Stadt. Naja, kaufe ich mir mein Haus eben selbst. Nur nicht auf dem Land.

Stopp 3: Die Großeltern

Der dritte Tag der Völlerei und Trinkerei wird bei mir traditionell in den stinkigen Wohnzimmern meiner Großeltern verbracht. Ich könnte mich dort zwar Stunden aufhalten, Kekse in mich stopfen und Karten spielen – doch das Thema Beziehungen hat hier wirklich gar nichts verloren. Deshalb mein Ratschlag für euch: Diskutiert niemals. Lasst das Thema Beziehungen niemals aufkommen. Sollte es doch aufkommen, erstickt es sofort im Keim. Ihr ärgert euch nur über eure Großeltern und sie denken sobald ihr zur Tür heraus seid garantiert, dass ihr ein verlorenes Kind wärt. Sowas geht immer schief. Lasst ihr Weltbild nicht Achterbahn fahren. Also immer brav "Ja und Amen" zu allem sagen. Ihnen zu Liebe.

Kreiert doch einfach euer ganz eigenes Weihnachtsmärchen

Also, ihr Weihnachtssingles, bevor ich euch in die besinnliche Zeit des Jahres entlasse, vergesst nie, dass eure Familie nur euer Bestes will. Dass das nicht immer eine Beziehung sein muss, wissen sie ja nicht unbedingt. Keiner will euch mit seinen*ihren Fragen ärgern, sie zeigen nur Interesse an eurem Leben und bevor ihr an Weihnachten einen Streit vom Zaun brecht oder euch über eure Liebsten ärgert, überlegt euch doch einfach ein nettes Weihnachtsmärchen – es ist doch das Fest der Liebe.

Was wäre die Liebe ohne ihre Lieder?

Als würde ich euch nicht schon genug mein Herz in dieser Kolumne ausschütten, bekommt ihr ab dieser Folge noch Musik von mir oben drauf. Pro Folge gibt es ab jetzt ein Lied von mir, was persönliche Bedeutung für mich hat und eine Rolle in der jeweiligen Geschichte spielt.

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