Singlelicious: Tolle und grottige erste Dates

© Franzi simon

Zu Schulzeiten dachte ich: Wenn du in deinen Zwanzigern steckst, dann bist du erwachsen. Eigene Wohnung, geregelter Alltag und ein Freund, als potenziellen Ehemann. Pustekuchen. Aber auch halb so wild. Lieber stolpere ich mit meiner Freundin in der rechten Hand und einem Glas Prosecco in der linken durchs Singledasein. Wer meine Wege kreuzt und welche Geschichten mein Leben schreibt erzähle ich euch in meiner Kolumne „Singlelicious“.

Folge 5: Lena plaudert über ihre guten und schlechten ersten Dates

Die einen lieben sie, die anderen hassen sie. Nichts ist so sagenumwoben, wie das allererste Date. Ich finde sie ziemlich spitze. Mal abgesehen davon, dass ihr einen neuen Menschen komplett vorurteilsfrei kennenlernt, ist das erste Rendez-vous immer eine Möglichkeit auf einen Neustart in der Liebe. Ich will euch natürlich nicht anraten, euch wild durch die Stadt zu daten, sondern eher dazu entspannt an erste Treffen ranzugehen.

Ihr könnt übrigens jederzeit aufstehen und gehen, wenn ihr keinen Bock mehr habt. Mit ein bisschen Glück seid ihr nämlich nach der nächsten Ecke in der Anonymität der Großstadt verschwunden und seht ihn*sie nie wieder. Lange Rede, kurzer Sinn: ich hatte schon ein paar erste Dates, einige waren einfach cool und andere der absolute Albtraum. Zwei meiner Erfahrungen werde ich in dieser Folge mit euch teilen. Also: Alles wird gut, solange ihr wild seid.

Soll sollte es laufen …

Wir trafen uns an einem bitterkalten Winterabend, direkt an der Bahnhaltestation "St. Pauli". Es war schon dunkel, mir schlotterten die Knie vor Frost und es war arschglatt – ich glaube in diesem Zusammenhang darf man das so schreiben. Er hatte Nikes an und ich musste ihn zwischenzeitlich unterhaken, damit er nicht ausrutschte und wohlmöglich hinklatschte. Wir unterhielten uns sehr gut und tranken zwei Bier im Sommersalon. Er meinte, er hätte noch eine Überraschung, wir würden jetzt ins Mojo gehen.

Na super, Überraschungen von Halbfremden. Sowas liebe ich ja…, dachte ich. Wir stolperten also die Treppe in den Mojo Club runter und ich fand mich auf einer Rollerskate-Jam wieder. Zugegeben: Ich bin Tollpatsch und Grobmotorikerin zugleich. Das ist kein einfaches Los. Rollschuhfahren ist mein ganz persönlicher Tod.

Ich wollte natürlich nicht die zickige Prinzessin raushängen lassen, schlüpfte in die fahrenden Schuhe und sandte Gott nochmal ein Stoßgebet.

An der Bar bestellten wir vier Kurze und zwei Bier – Stärkung für ihn, flüssiger Mut für mich. Und was soll ich sagen: Ich bin an dem Abend wirklich über mich hinaus gewachsen, was sich lohnen sollte. Dieses Date war eines der besten Dates, die ich jemals hatte.

Als wir von der Bar wegrollten, in die wilde Periphere der Profi-Skater in bunten Leggins, entpuppte sich auch mein Date als gar nicht mal so schlechter Akrobat auf acht Rollen. In seiner Jugend war er ein halbwegs erfolgreicher Eishockeyspieler gewesen, steckte er mir. Na, supi. Er griff meine Hand (jetzt wurde mir auch dieses Rollschuhding klar – es ging um Körperkontakt) und riss mich mit.

Immerhin hatte ich so mal ein bisschen Schwung unter den Füßen, bis ich (und ich gebe euch mein Indianerehrenwort) heftig auf meinen Po klatschte, weil er mir einen Geh- äh Fahrfehler gab. Wir lachten beide laut los, als ich in meinem Rock auf den Boden schlug. Und das tun wir auch heute noch, erinnern wir uns an diesen Abend zurück. Die "Weißt du noch, als du richtig hingefallen bist?"-Geschichte – unbezahlbar. Achja: Er leugnet es übrigens noch immer mit einem verschmitzten Grinsen, dass er mich zu Fall gebracht hätte.

Raus aus dem Mojo. Weiter in Mad Hatter. Weiter in die nächste Bar. Weiter in die nächste Kneipe. Nochmal Richtung Schanze? Logo! Der Bäcker zwischen Kleiner Pause und Tabakbörse deponierte bereits seine Franzbrötchen, als wir an seiner Schaufensterscheibe vorbeitorkelten. Wir kauften uns zwei. Er noch einen Kaffee, ich noch einen Tee. So trotteten wir bis zum Schlump, wo er die Bahn Richtung Lutterothstraße nahm und ich in die Richtung Barmbek stieg. And the Rest, Kids, is History.

So könnte es laufen …

Komplett anderes Setting: Mir brennt die Sonne auf'n Schädel, sodass ich das Gefühl hab meine blonden Haare sind gleich in ein helles weiß ausgeblichen. Es ist Hochsommer. Samstagmittag, Innenstadt. Was zur Hölle tue ich hier? Ich hatte mich breitschlagen lassen von Freundinnen, "Komm ein Treffen, das tut doch nicht weh. Mach doch mal." Tut das niemals!

Er trug ein weiß-blau kariertes Tommy Hilfiger Hemd, zerrissene Röhrenjeans und weiße kurze Chucks. Seine Augen waren von einer übergroßen Ray Ban verdeckt, am Handgelenk funkelte die dicke Uhr und seine Haare waren besser gemacht als meine. Ich hasste meine Freundinnen schon jetzt. Aber weil er ein guter Freund des Bruders einer meiner guten Freundinnen war, gilt die "Aufstehen und gehen, wenn du kein Bock mehr hast"-Regel nicht so ganz. Ich war meinem Schicksal ausgeliefert.

Er wollte mich zum Italiener einladen, da würde es Wein geben. Meine Rettung. Flüssiges Durchhaltevermögen diesmal. Angekommen beim Italiener war mir schon klar: Du und Ich werden uns hoffentlich niemals wiedersehen. Ihm wohl nicht, denn er fuhr ziemlich dick auf.

Ich lauschte also weiterhin den Geschichten von seinen kleinen Brüdern, krassen Angriffsmanövern auf dem Fußballplatz und zukünftigen Karriereplanungen, während ich mir beherzt Wein nachschenkte, nachschenkte und nachschenkte. Wie die Flasche ist schon leer?

Der Knüller wartete erst noch auf mich. Er zog seine Hose am Knöchel hoch. Ich war total perplex, was sollte jetzt kommen? Ich hatte dem Gespräch ja schließlich zehn Minuten nach unserer Begrüßung aufgehört aufmerksam zu folgen.

Seinen Knöchel zierten in Schnörkelschrift die Namen seiner Eltern und Brüder. Ich, die schon ein leichten Schwipps hatte fragte kichernd  "Wieso lässt man sich sowas stechen? Hast du Angst ihre Namen zu vergessen?" Er lachte nicht. Nicht mal ein müdes Grinsen. Dafür bestellte er die Rechnung. Der Betrag haute mich aus den Socken. Er zahlte wortlos und wir gingen getrennter Wege. Ein Glück dachte ich, das war's. Bist du noch ganz gut bei weggekommen.

Zwei Tage später klingelte mein Handy: "Hey Lena, ich fand deinen Witz gar nicht komisch, aber dich trotzdem echt cool. Wollen wir das wiederholen?" Nein. Nein. Nein. Nein. Nein.

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