Foto-Hotspots in Hamburg: 11 hypnotisierende Treppenhäuser

Hamburg ist flach wie ‘ne Flunder. Gerade deshalb sollten Stadtdetektive hoch hinaus. Erkundet die Stadt doch einfach über ihre Stufen. Denn aufregende Architektur könnt ihr hier in 1001 Treppenhäusern aufstöbern. Vor allem die pompösen Eingangshallen der Hamburger Kontorhäuser haben es in sich. So zurückhaltend die historischen Kathedralen des Kommerzes auch aussehen mögen – im Inneren wollten sie Besucher und Geschäftswelt bezirzen. Wir zücken Hamburgs Visitenkarte und präsentieren: 11 Must-have-climbed!

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© Alexandra Brucker Den Aufstieg wagen im Brahms Kontor

What a Kontor! Als das Brahms Kontor in den 20er Jahren aufgestockt wurde, hatten seine Architekten die amerikanischen Wolkenkratzer vor Augen. Mit zwölf Stockwerken dominiert das Gebäude auch heute noch den davor liegenden Johannes-Brahms-Platz. Doch keine Angst vor dem steinernen Koloss und herein in die gute Stube. An der Decke des Foyers empfangen euch 47000 goldene Fliesen. Keramikkacheln, Lampen und Fußbodenmosaike sind im Stil des Art déco gestaltet. Von oben starrt euch das leuchtende Auge des Treppenhauses entgegen. Diese Stufen solltet Ihr unbedingt erklimmen!

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© Alexandra Brucker Art déco bei Abstieg im Brahms Kontor

Oben angekommen, überrascht das ovale Haupttreppenhaus des Brahms Kontors mit seiner bunten Farbgebung und geometrischen Formen. So ein imposantes Gebäude entging auch der Filmbranche nicht. 2014 wurden hier Szenen des Hollywood-Thrillers „A Most Wanted Man“ gedreht. Nicht nur auf der Leinwand ging es turbulent zu, auch das Gebäude blickt auf eine bewegte Geschichte zurück: Bauträger des Hochhauses war die DHV, eine völkisch-antisemitische Angestelltengewerkschaft mit mehr als 300.000 Mitgliedern, die weder Juden noch Frauen aufnahm. Nach dem Krieg nutzte dann die britische Besatzungsmacht das Gebäude gegenüber der Laeiszhalle. Während der Sturmflut von 1962 arbeitete im Brahms Kontor der Krisenstab der Polizeibehörde unter der Leitung von Helmut Schmidt. Inzwischen verwaltet die „ver.di“ das Haus mit den blauen Stufen.

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© Alexandra Brucker Treppen meutern im Chilehaus

Spitz wie ein Schiffsbug – wieso das Gebäude also nicht einmal kapern? Das Chilehaus, von Fritz Höger aus 4,8 Millionen Backsteinen mit 2.800 Fenstern errichtet, ist das Wahrzeichen des Kontorhausviertels. Wer das wuchtige Klinkerschiff betritt, stößt auf Terrakotta-Elemente, Plastiken, Fliesen und feinstes, geometrisches Treppenspektakel. Eine Meuterei lohnt sich – besonders für Fotografiematrosen.

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© Alexandra Brucker Im Afrika-Haus (k)reisen

„Afrikahaus“ prangt in goldenen Buchstaben über dem Torbogen. Am Eingang starrt die Bronzestatue eines afrikanischen Kriegers vom Sockel auf Gäste herab. Weiter geht es durch das Portal, vorbei an den zwei großen Bronzeelefanten. Besucher erkennen schnell: Das Kontorhaus der Familie Woermann gehört zu den prominentesten Zeugnissen der Hamburger Kolonialvergangenheit. Bereits 1864 verkaufte der Kaufmann Adolph Woermann Schnaps und Waffen nach Kamerun und importierte Kautschuk und Palmöl nach Deutschland; seine Schiffslinie nach Afrika baute er kontinuierlich aus. Im Inneren des Gebäudes kringelt sich ein Treppentraum aus Kreisen. Die Architekten Martin Haller und Hermann Geißler setzten 1899 im Afrika-Haus als Erste die gestalterischen Wolkenkratzer-Prinzipien der „Chicago School“ um.

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© Alexandra Brucker Treppen steigen im skandalumwitterten Hübner-Haus

Skandal, Skandal! Das Hübner-Haus steht für eine Hamburger Mini-Revolution. Um die Jahrhundertwende schufen das Ehepaar Christian und Mathilde Hübner in dem fünfgeschossigen Bau ein distinguiertes Café mit eigener Konditorei. Ja, und? Das Café sollte auch den Damen der feinen Hamburger Gesellschaft offen stehen. Ja, und? Kaffee trinken – ohne den Ehemann? Das war ein absolutes Novum zu jener Zeit. Bislang war man(n) im konservativen Hamburg überhaupt „not amused“, wenn Frauen ohne die Begleitung ihrer Herren in der Öffentlichkeit an einer heißen Schokolade nippten oder einen Tee schlürften. Wer das Haus mit der klassizistischen Fassade betritt, dem schweben heute keine leckeren Düfte mehr aus der Backstube entgegen. Dafür beeindrucken Foyer und Treppenhaus mit verschwenderischen Wandverkleidungen aus Marmor und Glasmosaiken, vergoldeten Steinen und Keramikelementen im Wiener „Sezessionsstil“.

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© Alexandra Brucker Im Laeiszhof nach den Stufen sehen

Was thront auf dem Dach des Laeiszhofes, zwischen zwei Türmchen? Eine Sphinx? Ein Löwe? Falsch. Ein PUDEL! Auf dem Giebel des Gebäudes steht ein Hund aus Bronze in Anspielung auf den Spitznamen der Gattin des Reeders Carl Laeisz. Bis heute ist das Kontorhaus Sitz der Reederei F. Laeisz GmbH. Nachdem euch der Pudel und die Skulpturen von Wilhelm I, Wilhelm II, Bismarck und Moltke am Eingang abgelenkt haben, heißt euch ein fantastisches Inneres willkommen. Die Treppenhäuser bezaubern mit schmiedeeisernen Geländern, floralen Ornamenten, gusseisernen Säulen und charmanten Galerien. Der Laeiszhof verfügt als eines der letzten Kontorhäuser  über einen Paternoster. Diese Umlaufaufzüge galten zu ihrer Entstehungszeit als Nonplusultra der Moderne. Auch heute können Mitarbeiter und Besucher mit dem ruckelnden Gefährt in die sechs Geschosse gondeln.

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© Alexandra Brucker Düstere Geschichte im Meßberghof erklimmen

Von seiner Schokoladenseite zeigt sich der Meßberghof nicht nur im Chocoversum, das im Gebäude seine Museumsräume hat. In dem Kontorhaus wendelt sich eine zauberhafte Treppe aus den zwanziger Jahren in die Höhe. Zehn Geschosse hoch durchdringt sie das Haus in einer gigantischen Spirale. Die Eingangshalle besticht mit einer Wandverkleidung aus Travertin und vergoldeten Geländern. So schön seine Treppe, so hässlich ist die Namensgeschichte des Meßberghofes: Es wurde als Ballinhaus nach den Plänen der Architekten Hans und Oskar Gerson errichtet. Die Umbenennung erfolgte, weil den Nationalsozialisten die Namensgebung nach dem erfolgreichen jüdischen Reeder Albert Ballin ein Dorn im Auge war. Ein weiteres düsteres Kapitel in der Gebäudegeschichte: Die Firma Tesch & Stabenow, die ihr Büro im Meßberghof hatte, lieferte das Giftgas Zyklon B an zahlreiche Konzentrationslager, unter anderem von Auschwitz, Sachsenhausen und Neuengamme.

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© Alexandra Brucker Dem Drehwurm folgen im Esplanadebau

Unscheinbar ist er, der Eingang zum Esplanadebau, eingequetscht zwischen Hofbräuhaus und Baseler Hof. Doch beim Eintreten fallen euch die Kontaktlinsen aus den Augen. „Moin!“ sagen euch die deckenhoch gefliesten Wände bereits im Windfang. „Moinsen!“ ruft das Foyer aus hochwertigen Marmorplatten. An den Treppenaufgängen lockern Fliesen mit stilisierten Wassertieren die Flächen auf. Zum Blickfang wird auch das Treppenhaus mit seiner Mischung aus Jugenstil- und Art-Déco-Elementen. Lichtaugen, die sich als Motiv bis zum obersten Stockwerk durchziehen, schauen beim Stufenerklimmen zu. Das Gebäude war einst ein repräsentativer Sitz der Frankfurter Automobilfirma „Adlerwerke“.

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© Alexandra Brucker Stufen-Yoga praktizieren im Dermatologikum

Diese schmucke Schnecke erhaschen nun wirklich nur neugierige Kennerblicke – oder Gäste einer mondänen Hamburger Hautklinik. Im Dermatologikum am Stephansplatz befand sich einst die Alte Oberpostdirektion. Im Seitenturm des Gebäudes befindet sich dieses Treppen-Kleinod, bei dessen Anblick das Auge plötzlich in einen meditativen Zustand verfällt. Yoga für die Fotografenseele, Balsam fürs Hamburg-Herz!

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© Alexandra Brucker Stufen bezwingen im Sprinkenhof

Willkommen im Sprinkenhof! Hier vermischt sich Geschichte mit Gegenwart: Wo einst eine Höhere Töchterschule stand und in billigen Logierhäusern Tausende von Auswanderern in auf ihr Schiff in die Neue Welt warteten,  haben sich heutzutage die Yellow-Press-Redaktionen des Heinrich-Bauer-Verlags angesiedelt. Wer nun denkt, dass im Inneren des Gebäudes nur Tratsch, Klatsch und Prominews von Closer und InTouch durch die Räume schwirren,  der irrt. Im Klinkerkomplex erwartet euch ein Haupttreppenhaus, das vollständig im Originalzustand überliefert ist.

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© Alexandra Brucker Aussicht genießen im Sprinkenhof

Begutachten solltet ihr dieses Schmuckstück nicht nur von unten, denn von oben zeigen sich die rustikalen Tonfliesen des Sprinkenhofs von ihrer schönsten Spiralseite. Der Bau gehört zum größten Bürokomplex, den Hamburg in den 20er Jahren zu bieten hatte. Die Architekten-Brüder Gerson, die bereits den Meßberghof konzipierten, beriefen sich beim Sprinkenhof in der Außenfassade auf Elemente des Dogenpalastes von Venedig. Das Gebäude ist durch ein netzartiges Backsteinmuster überzogen, in dem vergoldete Embleme Motive aus Wirtschaft und Verkehr zeigen.

Tipp am Rande und Ende:

Neugierig geworden? Dann steht einer Erkundungstour von Hamburgs geheimen Schönheitspalästen und geheimen Treppen nichts mehr im Weg. Ein Tipp am Rande und Ende: Da die meisten Kontorhäuser am Wochenende verschlossen sind, solltet ihr den Blick in die Gebäude am besten montags bis freitags wagen, natürlich unter Berücksichtigung der hier arbeitenden Bevölkerung!

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