Kaffee trinken ohne Müll: In Guter Gesellschaft ist das erste Zero Waste Café Deutschlands

© Franzi Simon

Genießen – und das mit gutem Gewissen. Gar nicht so einfach, wenn man ständig Bilder von Massentierhaltung, genmanipuliertem Super-Mais oder Bergen an Plastikmüll im Kopf hat. Dabei lässt sich letzteres ziemlich einfach verhindern, beweist jetzt der neue Laden In guter Gesellschaft auf der Schanze.

Es ist das erste Café Deutschlands, dass sich dem Zero Waste-Gedanken verschrieben hat. Heißt: wer hier zum Frühstück oder Mittagessen kommt, der produziert keinen Müll!

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Ein Herz für die Umwelt – und guten Kaffee

Die Macher hinter In guter Gesellschaft, Ina und Alana, haben einen mutigen Schritt gewagt. Ein Café im Szeneviertel eröffnen, dass rein mit unverpackten Lebensmitteln auskommt.

Bedeutet: alles Gemüse und Obst wird ohne Verpackung angeliefert. Die Milch wird vom Hof in einem Pfandbehälter immer wieder aufgefüllt. Statt Dosen gibt es wiederverwendbare Glasbehälter, die anschließend als Gläser für die hausgemachten Limonaden wiederverwendet werden.

Eine Ausnahme wird bei Papier gemacht – Mehl gibt es selbstverständlich nicht lose und Papier lässt sich immerhin recyceln. In der Getränkeauswahl haben nur zwei Flaschen (die Cola und ein Tonic Water) einen Kronkorken, alles andere kommt als Pfandflasche mit Schraub- oder Plopp-Verschluss.

Sollte der Gemüselieferant doch mal die Pilze in einem Plastikbeutel liefern, dann verwenden wir ihn weiter – als Müllbeutel im Damenklo.
Inhaberin Alana
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Müll einsparen heißt selber anpacken

Maximal einen Liter Müll produziert das Café in der Woche. Unglaublich wenn man bedenkt, was andere Gastrobetriebe tagtäglich an Säcken voller Abfall vor die Tür stellen. Interessanterweise ist das Einkaufen der unverpackten Waren gar nicht so ein Problem, wie man meinen möchte, verrät Alana. Mit ein paar Absprachen und Recherche sei da schnell Routine reingekommen.

Ein paar Dinge können schlichtweg nicht auf der Karte stehen – so gibt es Spaghetti nicht ohne Plastikverpackung. Stattdessen gibt es hausgemachte Teigtaschen für den Mittagstisch. Entsprechend hoch fallen die Personalkosten aus – was an Müll eingespart wird, wird in die Herstellung eigener Produkte gesteckt. So ist die Pflanzenmilch aus Hafer oder Mandel selbst hergestellt, ebenso die Marmelade und im Sommer sollen Gewürzgurken dazukommen.

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Umweltbewusst ohne Öko-Klischee

Das Schöne an In guter Gesellschaft: der Zero-Waste-Gedanken wird nicht mit erhobenem Zeigefinger proklamiert. Auf den ersten und zweiten Blick ist das Café einfach ein hübscher Laden mit zusammengewürfelten Flohmarktschätzen, hellgrauen Wänden und Blumen in kleinen Gläschen.

"Vielen Gästen wird es gar nicht bewusst, was wir hier so machen. Bis sie ihre leeren Joghurtbecher vom Kind auf dem Tisch stehen lassen und wir sagen – könntest du das bitte mitnehmen, wir produzieren hier keinen Müll", erzählt Alana.

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Ganz anders und doch völlig normal

Verwunderung und Neugier – damit betreten und verlassen viele das Café. Denn eigentlich ist alles ganz normal: Kaffee und Kuchen schmecken, wie man es aus jedem anderen guten Laden in Hamburg gewohnt ist. Nur gibt es den Kaffee hier strikt nicht im Pappbecher, die Limonade kommt mit Metallstrohhalm und die Servietten sind aus Stoff.

"Gibt's euren Kaffee aus to go?", fragen zwei junge Männer. "Ja, allerdings nur im Pfandbecher oder deinem eignen!". "Oh, dann...okay...ja, dann schauen wir nochmal weiter", mit diesen Worten verlassen sie das Café wieder..

Es wird Zeit, dass diese Konversation nicht mehr stattfindet – finden wir. Und hoffen, dass es bald noch viel mehr Läden wie In guter Gesellschaft geben wird.

Unbedingt probieren: Den Kaffee mit hausgemachter Hafermilch – schmeckt anders, aber köstlich! Und dazu ein großes Stück Carrot-Cake.

Veggie & Vegan: Ist hier eher Hauptsache als Nebensache. Mandelmilch und Hafermilch werden selber gemacht, es gibt veganen Kuchen und immer ein veganes Mittagsgericht sowie eine tolle vegane Frühstücksauswahl.

Mit wem gehst du hin? Mit Freunden, die "schon immer mal was ändern wollten" und es nie schaffen.

Beste Zeit: Mittags findet sich hier (noch) immer ein Plätzchen, am Wochenende kann es zum Frühstücken voll werden.

Besonderheit des Ladens: Kein Müll, kein Problem! Das Zero Waste-Café hängt seine Idee allerdings nicht an die große Glocke.

Lärmfaktor: Entspannte Musik, leises Geschirrklappern, Kaffeemahlen – Cafégeräusche eben.

Preise: Absolut fair – es wird vieles selbst gemacht und trotzdem liegt der Americano mit 2,60 Euro und ein großes Frühstück mit 9,50 Euro völlig im Rahmen.

In guter Gesellschaft |Sternstraße 25 | Dienstag - Samstag: 09:00-19:00 Uhr, Sonntag: 10:00-19:00 Uhr | mehr Info

Auf Kaffee & Kuchen wurden wir freundlicherweise eingeladen. Dies hat unsere ehrliche Meinung nicht beeinflusst.

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