Warum der Freizeitstress mich fertig macht

Du sperrst das Büro hinter dir ab – die eine Überstunde belastet dich nicht wirklich. Wenn du aber bedenkst, dass du in 15 Minuten einen ach so wichtigen Termin hast, irgendwie dann doch ein bisschen. Ein bisschen viel. Ein bisschen zu viel.

Kein Geschäftstermin, kein Termin beim Arzt steht dir bevor: Nein, du bist seit vier Tagen mit Bekannten zum Bier trinken verabredet und nichts passt dir weniger in den Kram. Zuhause wartet die neue Staffel deiner Lieblingsserie und frischer Ingwertee. "Was stimmt nicht mir mir?" – "Was mach ich falsch?" fragst du dich mit beißendem Gewissen.

Man hat sich das ja so ausgesucht...

Freizeitstress: ein Begriff, bei dem unsere Großeltern uns wahrscheinlich am liebsten verbal eine reinhauen würden. Man hat sich das ja so ausgesucht und macht ja auch nur Dinge, die Spaß machen: Freunde treffen, ins Stadion oder Shoppen gehen, Mama und Papa besuchen, die Konzerttickets nicht verfallen lassen, den YogaPilatesStanUpPaddleWasAuchImmer-Kurs besuchen. Der Beginn der Arbeitswoche hört sich jetzt schon mehr nach Wochenende an, als dein Wochenende.

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Freitags wieder alles falsch machen?

Was machen wir falsch? Ist man nicht mehr das Partytier, dass man mit 18 Jahren war? Als man nach fünf Bier, fünf Wodka-Lemon, fünf Jägermeister und ebenso vielen Stunden Schlaf schon wieder am Frühstückstisch saß? Ist die eigene Clique zu groß? Will man schlicht und ergreifend jedem gerecht werden – Bekanntschaften krampfhaft pflegen? Will man dazugehören? Auf Kosten der eigenen Ruhe?

Während dir diese Gedanken kommen, ist es nur noch eine Stunde bis zu deinem nächsten Termin – natürlich bist du schon seit Tagen verabredet. Absagen steht natürlich nicht zur Debatte: Verpflichtungen sind Verpflichtungen und niemand will unzuverlässig sein. Niemand. Dass du gerade eigentlich ganz gerne Zuhause auf deiner Couch liegen würdest um endlich mal ein paar Stündchen Wochenende haben zu können, steht nicht zur Debatte. Man ist ja noch jung und man „macht das ja so“.

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"Langweilig sein" ist cooler als du denkst

Bullshit! Wo bleibt die Autonomie – der Selbstrespekt? Wenn du unter der Woche schon „weisungsgebunden“ bist, dann behalte dir deine Selbstbestimmtheit wenigstens für 48 Stunden. Es sollte dir völlig egal sein, ob du "langweilig geworden" bist, weil du Samstag abends dein Buch liest oder gerne am Wochenende morgens spontan(!) brunchen gehst. Freitag Abends Netflix gucken oder Sonntags spazieren gehen ist nur solange uncool, bis du merkst, dass es cool ist.

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