So ist es, wenn du an einem Handwerkskurs für Frauen teilnimmst

© Nina Ponath

Ich kann mich noch sehr gut an meinen letzten Umzug erinnern, als mein (Ex-)Freund leider „keine Zeit hatte“ mir zu helfen, und meine Freunde und ich meine Möbel nach und nach die drei Geschosse hochhieven mussten und ich später für jede noch so kleine handwerkliche Tätigkeit – Lampe anbringen, Jalousien befestigen – mir über eBay-Kleinanzeigen Hilfe suchen musste. So schloss ich mit insgesamt bestimmt drei, vier bastelbegeisterten Studenten Bekanntschaft, die in meiner Wohnung mehr schlecht als recht bohrten, hämmerten, sägten.

Selbst ist die Frau!

„Wie gut es doch wäre, wenn ich so etwas selbst könnte“, dachte ich mir damals. Man weiß ja nie, wen man sich da ins Haus holt und so ganz günstig ist es ja auch nicht, jeden einzelnen Hammerschlag outsourcen zu müssen. Anscheinend bin ich nicht die Einzige mit solchen Problemen, denn der Tischlerkurs in der Frauenhandwerkstatt in Dulsberg, den ich heute besuche, ist restlos ausgebucht.

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„Viele Frauen haben das Bedürfnis handwerkliche Fähigkeiten zu erlangen“, erzählt Kursleitern Jana Broxtermann. Sich wegen jeder Kleinigkeit Hilfe holen zu müssen, das nervt also auch Andere. „Frauen mögen es zu Hause gern schön haben“, so Jana, „da ist es natürlich hilfreich, wenn man nicht zwei ganz linke Hände hat.“

Die gelernte Tischlerin bietet in den Räumlichkeiten der Frauenhandwerkstatt Dulsberg deshalb seit April 2017 regelmäßig Kurse an, in denen Frauen der Umgang mit Maschinen und Co. beigebracht wird. Im Tischler-Grundkurs haben Janas Schülerinnen die Wahl zwischen verschiedenen Objekten, die im Kurs gefertigt werden: Bilderrahmen, Spiegel oder Tablett – was darf es denn sein?

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Sägen und hämmern will gelernt sein

Ich habe mich vorab für ein Tablett entschieden und muss sagen: Holz sägen ist gar nicht so einfach, wie ich es mir vorgestellt habe. Für das Werkeln braucht man ziemlich viel Kraft – dafür ist man umso stolzer, wenn das Holz langsam ein wenig Gestalt annimmt. Der Kurs ist auf insgesamt 12 Stunden – verteilt auf zwei Tage – ausgelegt. So lange braucht man auch wirklich. Ganz auf sich selbst angewiesen ist man zum Glück dabei nicht, denn Jana hilft weiter, wo Hilfe gebraucht wird. So haben dann alle Teilnehmerinnen am zweiten Tag des Kurses tatsächlich ein Objekt fertiggestellt.

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Bohren und Regale anbringen? Ab sofort kein Problem mehr!

Wer im Kurs Gefallen am Handwerken gefunden hat, kann anschließend dem Verein beitreten und zu vergünstigten Konditionen in den Räumen der Werkstatt basteln und tischlern. Ob ich nun so der Tischler-Profi geworden bin, dass sich das für mich lohnt, weiß ich nicht – aber zumindest muss ich das nächste Mal, wenn in meiner Wohnung etwas wackelt, nicht mehr fremde Menschen um Hilfe bitten. Danke, Jana.

Janas Tischlerkurs findet das nächste Mal am 15. und 16.07 in der Frauenhandwerkstatt in der Elsässer Straße 4 in Hamburg-Dulsberg statt. Für 189 Euro inklusive Materialkosten könnt ihr mit dabei sein.

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