Das passiert bei einem Twerk-Shop

© Screenshot aus Miley Cyrus' Video zu „We can't stop“

"Somewhere in America, Miley Cyrus is still twerkin''" – das rappt Jay-Z in einem seiner Songs und psst, Jay, was du noch nicht weißt: Nicht nur in Amerika twerkt man, auch hier in Hamburg wird zum Beispiel im Aerial Dance Center in der Süderstraße der Booty geshaked.

Ich werde hier heute lernen, wie man so richtig mit dem Po wackelt und wer sich jetzt fragt, ob man so was wirklich 'lernen' muss: Nein, natürlich nicht, aber wer Spaß an Bewegung hat und weniger auf lange Joggingrunden oder Zirkeltraining im Fitnessstudio steht, der ist hier grundsätzlich schon mal nicht verkehrt.

Wie ich auf den Workshop kam? Ich habe bei Facebook eine Gruppe gesehen und diese erst einigermaßen ironisch angeklickt. Ich habe mir die Veranstaltung irgendwie ein bisschen klischeemäßig vorgestellt, eben so wie einen Videoclip-Dreh aus den 2000ern, in dem sich Ashanti und Co halbnackt auf Elefanten, Autos, oder was damals sonst so gerade in der Gegend herumstand, räkelten. Aber nein: Die Mädels hier sehen alle ziemlich normal aus mit ihren Jazzpants, Tops und Shorts. So wie man halt aussieht, wenn man Sport macht.

Twerken? Ja. Aber bitte keine Fotos.

Damit sich hier keiner unwohl fühlt, weist Saskia, die Trainerin, noch – als ich mich vorab per Mail vorstelle – daraufhin, dass Fotos nicht erlaubt seien, beziehungsweise WENN (konditional, nicht temporal), dann nur mit Erlaubnis aller Teilnehmerinnen. Wer tanzt, soll sich nicht beobachtet fühlen, das finde ich so weit auch einleuchtend. Zumal es ja nicht um ein 'normales' Tanzen geht, sondern um 'Twerken', das laut Wikipedia in etwa "Popo-/Arschwackeln" entspricht. Was so nun auch wieder nicht ganz stimmt, wie ich noch lernen werde, aber hierzu später mehr.

Saskia stellt sich weiter vor und fordert auch uns auf, uns vorzustellen und kurz zu sagen, was wir uns von dem Kurs erhoffen. Tja... Was eigentlich? Nachdem das hier wohl weniger die Belustigung wird, die ich mir eigentlich gewünscht hatte, könnte es tendenziell ja nicht schaden, mal an so etwas wie Rhythmusgefühl zu arbeiten. Bevor wir aber richtig das Tanzen lernen, geht es erst mit einem ordentlichen Warm-up los.

Weil es dieses Wochenende ausnahmsweise mal warm in Hamburg ist, sind wir danach alle schon ein bisschen durchgeschwitzt, aber gut, nichts anmerken lassen und weiter geht es mit dem Technikteil. Anders als ich dachte, geht es beim Twerken gar nicht so sehr um den Po. Der soll die ganze Zeit schön locker und relaxt bleiben. Anders dagegen die Beine, die leisten beim Twerken echte Höchstarbeit, um den Booty so richtig zum Shaken zu bringen. Ich komme mir zuerst ein bisschen komisch vor, aber die Gruppe ist so klein, dass es eigentlich keinen Grund gibt, sich vor den Anderen zu schämen.

Nur was für Frauen – nix da!

Hier gucken einem weniger Leute zu, als beim Feiern auf dem Hamburger Berg. Noch dazu sind kaum Männer da. Gut, damit hatte ich auch nicht so wirklich gerechnet und so bin ich fast ein bisschen überrascht, dass überhaupt ein junger Mann aus Spanien hier dabei ist. Der macht seine Sache erstaunlich gut. Wie er erzählt, hat er vorher schon in Spanien regelmäßig getwerkt und ist hier in Deutschland schon länger auf der Suche nach einem Studio. Die Mädels, die sonst noch dabei sind, sind fast ausnahmslos Schülerinnen des Dance Centers und regelmäßig hier. Und das sieht man, denn sie bewegen sich wirklich gekonnt.

So einen Hüftschwung habe ich nach eineinhalb Stunden Twerking nicht, das ist mir klar. Aber zumindest gehe ich ein Stückchen schlauer aus der Stunde nach Hause. Meine Erkenntnisse des heutigen Tages?

1.) Nein, nicht nur Miley Cyrus twerkt, Saskia kann es mindestens genauso gut.

2.) Twerking ist hier viel weniger Klischee als einfach nur Sport, und eine Möglichkeit Bewegung und Spaß miteinander zu verbinden.

3.) Twerken macht einen wirklich tollen Ar**h (wer’s nicht glaubt: Kommt einfach mal ins ADC vorbei und guckt Saskia beim Tanzen zu).

Für alle, die es jetzt auch mal probieren wollen: Am Donnerstag- und Freitagabend gibt es hier regelmäßige Technikkurse im Studio, die sich über vier Wochen hinziehen.

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