Zeit statt Geld: Verein Freunde alter Menschen e.V.

© Birte Zellentin

Für viele Menschen ist die Weihnachtszeit alles andere als besinnlich. Einsamkeit, Armut und Heimweh sind im Advent besonders schmerzhaft. Viele gemeinnützige Organisationen haben sich diesen Themen angenommen, und bringen etwas Licht in das Leben dieser Menschen. Sie verdienen unsere Unterstützung – und zwar nicht nur in der Form von den jährlichen fünf Euro im Firmen-Spendentopf. Denn was wirklich zählt, ist Zeit. Und die können wir alles schenken. Wir stellen euch im Advent jede Woche eine unterstützenswerte Hamburger Organisation vor, die sich über euren ehrenamtlichen Einsatz freut.

Zwischenmenschliche Nähe gibt es nicht als Dienstleistung

Könnt ihr euch daran erinnern, wann die freundliche hochbetagte Dame aus dem zweiten Stock das letzte Mal Besuch hatte? War dort überhaupt schon mal jemand zu Gast? Vielleicht nicht. Denn während wir damit beschäftigt sind, von der Arbeit zum Sport zu Parties zu hetzen, während wir uns verlieben und trennen, uns streiten und vertragen, ist für viele alte Menschen Einsamkeit und Isolation die Realität.

Wenn die Angehörigen weit weg leben, die Freunde bereits verstorben oder pflegebedürftig sind und die eigene Mobilität vielleicht eingeschränkt ist, führen viele alte Menschen ein isoliertes Leben mitten unter uns. Die notwendige Pflege ist inzwischen zwar in einem gewissen Rahmen gewährleistet. Aber zwischenmenschliche Nähe und Freundschaft kann durch eine Dienstleistung nicht ersetzt werden.

Hier setzt der Verein “Freunde alter Menschen” an. Mit der Vermittlung von Besuchspartnerschaften möchte der Verein alten Menschen wieder Hoffnung und Lebensmut schenken - und jungen Menschen den Kontakt zur älteren Generation ermöglichen. Bei einer solchen Partnerschaft besuchen Freiwillige ein- bis viermal im Monat einen alten Menschen in seinem Zuhause - einfach nur zum Reden, Lachen, Kniffeln oder Kuchen essen.

Erst seit zwei Jahren sind die Freunde alter Menschen in Hamburg aktiv. Der Verein selbst wurde aber bereits 1946 in Frankreich gegründet und ist auch heute noch unter dem Gründungsnamen les petits frères des Pauvres (für uns Lateiner: die kleinen Brüder der Armen) international bekannt. Früher konzentrierten sich die Vereinsaktivitäten generell auf arme, einsame Menschen. Heute stehen vor allem Menschen über 75 Jahre, die nur noch eingeschränkt mobil sind und isoliert leben, im Mittelpunkt des Engagements.

Die Besuche lassen sich auch in 40-Stunden-Wochen integrieren

Momentan sind in Hamburg etwa 130 Freiwillige aktiv und der Verein sucht stets engagierte Verstärkung. Reiner Behrends, der Vereinskoordinator in Hamburg, empfiehlt jedoch, langsam in die Besuchspartnerschaft einzusteigen. “Lieber mit einem Besuch pro Monat anfangen und wenn es zeitlich und persönlich passt, die Häufigkeit der Besuche erhöhen. Das ist für alle Seiten angenehmer, als wenn es andersrum läuft.” Wünschenswert ist auch, so Behrends, wenn die Senioren zu ihrem Geburtstag und an Feiertagen Besuch bekommen.

Wann die Besuche stattfinden, kann jedes Tandem selbst wählen. Ob zum Sonntagskaffee oder zum Abendbrot nach der Arbeit - eine solche Partnerschaft lässt sich problemlos in eine 40-Stunden-Woche integrieren. Wichtig ist nur, dass sich die Freiwilligen wirklich langfristig verpflichten.

Der Verein freut sich über Unterstützung

Wer sich (noch) nicht auf die nächsten Jahre festlegen kann oder möchte, der ist herzlich willkommen, bei verschiedenen Veranstaltungen mitzuwirken. Regelmäßig organisiert der Verein Aktivitäten wie Spielenachmittage, Smartphone-Kurse oder Themennachmittage, bei denen ausländische Freiwillige ihr Heimatland vorstellen. Der Verein freut sich sowohl über Hilfe bei der Durchführung der Events als auch über neue Ideen für Veranstaltungen.

Ganz besonders würden sich die Hamburger auch über Unterstützung bei dem Aufbau ihrer Stadtteilteams freuen. In Winterhude, Eimsbüttel und Altona gibt es bereits Gruppen, die Besuchspartnerschaften vermitteln und den Kontakt zu lokalen Kooperationspartnern herstellen. Diese Nachbarschaftsnetzwerke sollen in möglichst vielen Hamburger Stadtteilen entstehen - und dafür werden noch Organisationstalente gesucht.

Wer nun Lust hat, sich einzubringen, kann sich über das Formular auf der Webseite registrieren und wird dann zu einem Erstgespräch oder Infoabend eingeladen. Mitmachen kann wirklich jeder, der pro Monat ein paar Stunden Zeit schenken kann. Das Ziel des Vereins ist schließlich die Vermittlung von Freundschaften - und “Freunde sein” können wir doch alle, oder?

Einen kleinen Eindruck einer solchen Freundschaft findet Ihr hier.

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