Kleine, geile Firmen: Fitfox

Foto: Maria Kotylevskaja © Mit Vergnügen Hamburg

Hätten wir das Hamburger Start-up Fitfox ein kleines bisschen früher entdeckt, wäre es als Supergeheimtipp ganz sicher auf unsere „Wellness für arme Mädchen“-Liste gekommen. Dafür ist es jetzt gleich doppelt zu spät, denn die spitzenmäßige Geschäftsidee der drei Jungunternehmer Dustin, Eddie und Max spricht sich allmählich ganz schön herum.

Und das ist auch ausgesprochen okay so – war nämlich ein klasse Einfall, den die drei da hatten: Spontan ab ins Fitness-Studio, das genau das bietet, was man möchte, ohne die lästige Vertragslaufzeit von gern mal zwei Jahren. Also, wann und wo in Deutschland man gerade Bock hat. Oder je nachdem, wie viel das Portemonnaie eben aktuell hergibt.

Erstmal: Hier ist es ja umwerfend, wo sind wir denn hier? 

Dustin: Das hier ist im Grunde das Geschäftsmodell unseres Freundes Jonas – ein Luxus-Workspace mit Alsterblick, konzipiert für Künstler, wenn sie in der Stadt sind. Wir haben kein fixes Büro und arbeiten viel mobil, aber wenn wir uns geschäftlich treffen, dann meist hier im Top of the Lake.

 Danke. Und nun ans Eingemachte: Was genau ist Fitfox?

 Dustin: Für mich ist Fitfox die Antwort auf eine Frage, die wir uns damals gestellt haben und die sich auch viele andere stellen: Warum muss ich mich zwei Jahre an ein Fitnessstudio binden, wenn ich zum Beispiel ein Prepaid-Handy habe, Carsharing nutze usw.? Da ist es einfach überfällig, dass du zum Trainieren gehst, wann du es möchtest. Wer weiß schon, was in zwei Jahren ist – ich weiß es nicht. Ich weiß nicht mal, was in einem Jahr ist, ob ich dann noch in der gleichen Stadt bin. Und genau das ist Fitfox, dass du die Freiheit hast, zu trainieren, wo du willst und wie lange du willst.

Foto: Maria Kotylevskaja © Mit Vergnügen Hamburg

Angenommen, ich möchte morgen in die Muckibude gehen. Was muss ich tun?

Max: Das ist relativ einfach: Du gehst auf unsere Website und suchst nach deiner Stadt. Dann bekommst du eine Liste verschiedener Studios mit verschiedenen Angeboten und Ausstattungsmerkmalen, dementsprechend auch verschiedenen Preisen. Über eine Umgebungskarte siehst du direkt, welches Studio bei dir in der Nähe ist, kannst direkt vergleichen und so eben dein perfektes Studio finden. Jetzt kannst du eine entsprechende Ticket-Länge auswählen – also ein Tag, eine Woche, ein Monat, drei Monate – und dann buchst du das Ganze einfach über die Seite. Sollten wir die Stadt noch nicht haben, kannst du sie auch vorschlagen. Dann sehen wir, wo die Nachfrage herkommt.

Wo gibt’s euch aktuell überall?

 Max: Wir sind zurzeit in elf deutschen Städten vertreten. Dazu muss man sagen, dass das Netz in Hamburg und München momentan besonders stark ausgebaut ist und wir in den anderen Städten noch dabei sind, zu expandieren. Da kommt auf jeden Fall noch was nach.

Eddie: Ja, wir haben uns natürlich erstmal auf Hamburg fokussiert, weil wir eben Hamburger Jungs sind. Trotzdem wollten wir aber natürlich auch in andere größere Städte gehen.

Dustin: In Hamburg haben wir aktuell etwa 20 bis 30 Studios im Angebot, da herrscht je nach Saison immer ein bisschen Fluktuation.

Foto: Maria Kotylevskaja © Mit Vergnügen Hamburg

Für wen habt ihr Fitfox konzipiert und wer nutzt das Angebot aktuell am meisten?

 Dustin: Studenten sind natürlich eine Zielgruppe, aber generell Menschen, die viel unterwegs sind. Das nächste große Projekt ist, in den meisten Studentenstädten zu sein – ob das jetzt für Austauschstudenten ist, die nur ein Semester woanders sind, oder Leute, die beispielsweise in den Semesterferien nach Hause fahren. Ursprünglich haben wir Fitfox eher für Geschäftsreisende ausgelegt, dann aber schnell gemerkt, dass tatsächlich die meisten Nutzer aus der jeweiligen Stadt kommen und das Studio um die Ecke suchen. Etwa 60 % der Kunden sind mittlerweile Wiederkehrer.

 Und wie wählt ihr diese Studios aus?

Dustin: Es ist wichtig, dass die Studios einen Standard haben, den wir vertreten können. Wir arbeiten sehr viel mit inhabergeführten Studios, die viel Service bieten, mindestens einen Kursbereich haben und wo viele Trainer auf der Fläche sind.

Max: Gleichzeitig versuchen wir auch, eine Bandbreite zu schaffen. Wir haben zum Beispiel spezielle Kampfsport- oder Yoga-Studios im Angebot – für Kunden, die eben genau das suchen. Weil wir eine Varietät bieten möchten, für individuelle Trainings-Vorlieben und Ansprüche an Luxus und Komfort.

Eddie: Es gibt beispielsweise auch extra Fitnessstudios für Frauen oder welche mit dem Schwerpunkt EMS, also Elektrostimulationstraining, das ist ein ganz stark wachsender Markt. Und Crossfit, das kommt jetzt auch langsam.

Die großen Fitness-Ketten sind bisher aber nicht dabei, oder?

Max: Da sind wir auf jeden Fall im Gespräch. Es war natürlich am Anfang erstmal wichtig für uns, die mittelgroßen Ketten im Boot zu haben, weil sie per se schon ein flächendeckendes Konzept anbieten. Also in Hamburg zum Beispiel On Stage, die im Gegenzug von unserer Vermarktung profitieren. Aber auch außerhalb Hamburgs sollen in Zukunft noch Ketten folgen.

Foto: Maria Kotylevskaja © Mit Vergnügen Hamburg

Was kosten denn die einzelnen Tickets?

Dustin: Wir schreiben dem Studio nicht vor, was es kosten soll. Denn jedes Studio ist anders. Und wie Max schon sagt, ein Yoga- oder Kampfsportstudio hat natürlich einen wesentlich höheren Betreuungsaufwand als eins, das nur Geräte anbietet. Daher vereinbaren wir mit den Studiobesitzern immer einen All-inklusive-Preis. Da ist alles drin, was reguläre Mitglieder auch bekommen. Es wird auch keine Getränkepauschale mehr draufgerechnet oder eine Bearbeitungsgebühr fällig, sondern der Kunde zahlt genau den Preis, den er bei uns auf der Seite sieht.

Max: Wichtig ist noch zu erwähnen, dass kein Studio das gleiche Produkt günstiger anbietet als wir auf unserer Seite. Die meisten Angebote bekommt man bei uns exklusiv – du kriegst die Tickets also nicht im Studio. Und wenn es sie doch gibt, sind sie teurer als bei uns. Das ist Teil der Kooperation.

Trainiert ihr selbst auch via Fitfox?

Dustin: Ich hab die letzten Fitfox-Tickets tatsächlich gekauft, um Kurse kennenzulernen, weil ich vorher nie welche gemacht hab und auch nie dachte, dass das mein Ding ist. Es war mir einfach wichtig, wirklich zu wissen, worüber ich eigentlich den ganzen Tag rede.

Und welche Kurse hast du dann gemacht?

Dustin: Ich hab Yoga gemacht und – ich will’s gar nicht erzählen… Also nach dem Bauch-Beine-Po-Kurs war ich dann sehr zufrieden mit dem Fitnessstudio. Aber auch sonst nutze ich Fitfox in Hamburg oder wenn wir unterwegs sind.

Max: Meine Hauptnutzung war eigentlich in München, als ich für meinen Tagesjob einen Monat dort war. Da hab ich verschiedene Studios getestet, das war dann also eher das Thema Geschäftsreisende.

Eddie: Mein letztes Erlebnis war in Berlin, weil ich irgendwie jetzt langsam mal anfangen möchte, meinen Bauch wegzukriegen. Außerdem wollte ich mit den Jungs gleichziehen.

Foto: Maria Kotylevskaja © Mit Vergnügen Hamburg

Wie seid ihr drei denn zu Fitfox geworden?

Dustin: Also Max und ich kennen uns schon, seit wir 14 oder 15 sind. Wir haben zusammen Basketball gespielt, BG Hamburg West.

Max: Ich war besser.

Dustin: Er war auch größer. Ja, und Max und Eddie haben zusammen studiert und dadurch waren wir alle drei in einem Universum, sind immer in Kontakt geblieben. Zwischen Bachelor und Master war ich dann für ein anderes Start-up viel in Norddeutschland unterwegs, mal eine Woche hier, mal eine da, und hab gemerkt, dass mir das Training fehlt. Dann hab ich mit Max geredet.

Okay, wenn du glaubst, das geht, dann machen wir das.

Max: Ja, ich hatte zwischen Bachelor und Master auch einen Job, für den ich beispielsweise in Frankfurt war. Da es Fitfox noch nicht gab, hab ich dann Probestunden in verschiedenen Studios in der Nähe gemacht. Und so hab ich mich über Wochen durchgemogelt. Aber wenn ich dann mal wo angerufen und gesagt hab: „Hallo, ich bin jetzt eine Woche hier, kann ich solange zum Training kommen und was würde das kosten?“, dann war die Antwort meist „Ähm, das machen wir nicht.“ Da hab ich mich eben gefragt, warum denn eigentlich nicht? Im Sommer 2013 haben wir also das erste Mal über Fitfox gesprochen, operativ gestartet sind wir dann Anfang 2015.

Dustin: Im Endeffekt war Eddie derjenige, der mit seinen technischen Fähigkeiten die Umsetzung dann wirklich in die Hand genommen und uns Mut gemacht hat. Der gesagt hat: „Okay, wenn du glaubst, das geht, dann machen wir das.“

Foto: Maria Kotylevskaja © Mit Vergnügen Hamburg
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