Glaube, Liebe, Hamburg: Inspirier mich! Warum Luftschlösser sich nicht von alleine bauen

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So oft schwirren Ideen in unseren Köpfen, die wir niemals umsetzen: Wir brauchen Menschen, die uns antreiben, unsere Luftschlösser nicht nur zu entwerfen, sondern auch Realität werden zu lassen. Es folgt eine Ode an all jene, die unsere Träume ernst nehmen und uns einen liebevollen Tritt in den Hintern geben, wenn wir ihn brauchen.

In meinem Kopf rattert es. Ständig bauen sich neue Ideen zu Luftschlössern auf. In den unterschiedlichsten Farben, Formen, Stilen. Hier ein Türmchen, da eine Zugbrücke und wie wäre es mit einem Zimmer voller Luftballons? Ich könnte dies, ich könnte jenes. Super, könnte man meinen! Hey, du sprühst vor Inspiration! Sagen die anderen. Und ja, das ist eigentlich ziemlich super. Aber die meisten der Ideen verfliegen so schnell wie sie gekommen sind – nicht weil sie schlecht sind oder weil ich sie schlecht finde. Nein, oft habe ich schlicht keine Motivation, sie umzusetzen. Inmitten des restlichen Alltagsgetöses gehen sie dann sang- und klanglos unter. Das ist dann unfassbar schade. Manchmal jedoch, da bleiben die Ideen. Sie schlagen aus, sie bekommen Äste und Zweige, manchmal sogar zartgrüne Blätter und stehen dann irgendwann als feste Projekte da, die nicht so schnell umstoßen kann. Meist werden diese Ideen begleitet von Menschen, die Leidenschaften mit mir teilen.

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Was inspiriert eigentlich?

Diese Menschen versetzen mich in eine Stimmung des „Du kannst das!“. Sie verleihen mir Selbstbewusstsein. Sie geben mir das Gefühl, nicht die einzige zu sein, die für bestimmte Dinge brennt. So wie ich sie inspiriere, so geben auch sie mir die Motivation, etwas umzusetzen. „Hey, hört sich super an“, „Passt total zu dir“ oder „Hast du mal darüber nachgedacht, dass…“ – Sätze, die mich antreiben. Diese Menschen entwickeln mit mir die Baupläne für mein Luftschloss und können es kaum erwarten, die Einweihungsparty dafür zu schmeißen.

Es müssen nicht einmal Menschen mit den gleichen Leidenschaften sein. Es müssen einfach Menschen sein, die sich interessieren.

@schlimes

Es müssen nicht einmal Menschen mit den gleichen Leidenschaften sein. Es müssen einfach Menschen sein, die sich interessieren. Menschen, die einen Plan haben, selbst wenn der zehn Mal wieder umgestoßen wird. Menschen, die Dinge für sich oder die gute Sache machen und nicht weil alle anderen sie machen, oder weil sie jemanden beeindrucken wollen. Menschen, die einen Drive haben, Dinge umzusetzen.

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Der Rat der Anderen treibt mich an

Diese Menschen sind mehr als ihre Fassade, aus dem einfachen Grund, dass sie es nicht nötig haben, eine Fassade aufzubauen. Eine Fassade der Intellektualität, des guten Geschmacks, der Vernunft und der Leidenschaft. Sie kriegen was auf die Reihe und sprechen nicht nur davon.

Ich habe einen guten Freund, der mich so motiviert wie kaum jemand anderes. Ihm geht es ebenso – wenn wir uns treffen, sind wir beide danach voller Energie, unsere Ideen umzusetzen. Ein anderer sehr wichtiger Mensch fragt in regelmäßigen Abständen nach, wie der Stand meiner Projekte ist. Er interessiert sich, beschäftigt sich damit und würde alles tun, um mir zu helfen, Dinge umzusetzen. Ein dritter toller Mensch ist nie um einen Rat verlegen – und ich kann ihn jederzeit anrufen, um seine Einschätzung bitten und ein bisschen Inspiration einfordern. Wenn er selbst gerade ratlos ist, mache ich mir meinerseits Gedanken und es ist das beste Gefühl, zu sehen, wie diese Ideen fruchten, uns gegenseitig helfen und uns motivieren.

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Inspirierend sind diejenigen, die ihr Ding durchziehen

Niemand muss mit Mitte 20 alles auf der Kette haben. Menschen, die hauptsächlich etwas unternehmen, weil das alle coolen Leute machen oder weil bei der und der Party jemand ist, den sie mit ihrer Anwesenheit beeindrucken wollen – die können das zwar gerne tun. Nur: inspirierend – das sind die anderen. Das sind die, die ihr Ding durchziehen, ihre Leidenschaften verfolgen ohne die Angst, dass das anderen Leuten nicht gefallen möge. Das sind die, die sich nicht scheuen, auch mal uncool zu sein. Weil sie ihren Job, ihr Hobby oder was auch immer aus Liebe zur Sache machen und nicht, weil sie sich damit ein Image der Coolness aufbauen wollen.

Und das allerwichtigste: Wenn dein Luftschloss sich auflöst, dann feiern diese Menschen eine Abrissparty mit dir, die die Welt noch nicht gesehen hat. Und sammeln am nächsten Tag verkatert die Reste mit dir auf.


Lina ist geboren und aufgewachsen in Hamburg und hat auf keiner ihrer Reisen jemals eine Stadt gesehen, die sie so gefangen nimmt. In ihrer Kolumne „Segel setzen“ schreibt sie regelmäßig über die großen und kleinen Themen des Alltags einer Mittezwanzigjährigen – und natürlich über die Liebe zur Herzensstadt.


Bilder: Titel: (c) Lina Hansen
Bild 2: Krišjānis Kamradzis by flickr
Bild 3 & 4: Lina Hansen
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