Hamburger Maultasche: Zwischen Crack und Chanel – die Hamburger Innenstadt ist sinnlos

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Die Maultasche. Ein grandioses Gericht aus meiner Heimat Baden-Württemberg, eine kleine Tasche aus Nudelteig mit allerlei Füllung, die in Brühe oder aus der Pfanne serviert wird. Die Maultasche ist aber auch eine wunderbare Beschreibung für mein wütendes Ich. Unter diesem Alias maule ich in dieser Reihe einfach mal rum. Rege mich über alles auf, was mich an meiner geliebten Wahl-Heimat Hamburg so richtig nervt. Über verspätete S-Bahnen, tiefe Pfützen, trockene Franzbrötchen, fehlendes Bargeld, aggressive Tiere und weitere wenig schöne Dinge, die das Leben so bereithält. Ihr habt noch mehr Ideen, über was ich maulen kann? Dann schickt mir eine E-Mail und ich nehme mich euren Themen an. Denn wie sagt man so schön: Zusammen mault es sich am besten!

Ich kann an einer Hand abzählen, wie oft ich die Hamburger Innenstadt freiwillig besucht habe. Dazu muss ich den Radius allerdings etwas eingrenzen, denn der Stadtteil umfasst offiziell die Neustadt, St. Georg und grenzt an St. Pauli und Hammerbrook an. Das ist ein ziemlich großes Gebiet. Und logischerweise hegt sich meine Missgunst nicht gegen jeden dieser Bezirke. Also begrenzen wir meine heutige Schimpftirade auf die Neustadt, genauer gesagt auf den Bereich rund um den Junfgernstieg, bis hoch zum Hauptbahnhof. Was für viele Touris "The place to go" ist, bringt mich zum Schwitzen und Verzweifeln. Nicht nur sind die Stationen der Öffis hier genauso überfüllt wie die Einkaufszentren, die Möwen treiben ihr Unwesen und selbst die Architektur lässt zu wünschen übrig – nein, vor allem ergibt die Hamburger Innenstadt keinen Sinn.

Betrachtet man in einem Moment die Auslage bei Louis, Miuccia und Coco (wer errät, welche Luxusmarken hiermit gemeint sind?) und versucht das in der Luft liegende Parfum zu erraten, so findet man sich in der anderen auf einer unangenehm vollgestopften Einkaufsmeile oder in einem grässlichen Bahnhofsgebäude wieder, dessen Gerüche ich an dieser Stelle lieber auslassen. Manch einer würde behaupten, das wäre doch die perfekte Mischung – reich und arm können sich in der Hamburger Innenstadt wohlfühlen und haben ihren Platz. Diese zwei Welten passen nur leider nicht gut zusammen, den die schick gekleideten Business Menschen und die auf der Straße lebende Wohnungslosen können so gar nicht miteinander und teilen sich die Hamburger Innenstadt deshalb wortlos auf.

Nichts Ganzes, nichts Halbes

© Wikipedia, Library of Congress

Besonders traurig macht mich diese Tatsache, weil das Areal rund um die Mönckebergtstraße und besonders der Jungfernstieg im 19. und 20. Jahrhundert ein wirklich schöner Ort war – eine Promenade, die ihresgleichen suchte. Die Menschen spazierten und flanierten an den historischen Gebäuden wie dem Alsterhaus, ehemals Kaufhaus Hermman Tiez, entlang und genossen die Aussicht auf die Binnenalster und die schicken Hotels. Dass sich die Stadt und ihr Erscheinungsbild ändert, ist dem Fortschreiten der Zeit geschuldet, ich finde es nur wahnsinnig schade, dass sich wenig bemüht wurde, den Charme dieses besonderen Ortes zumindest ein wenig beizubehalten.

Und wenn ich ehrlich bin, sehe ich kein Verbesserungspotential, denn es gibt genug Menschen, meist Tourist*innen, die anscheinend genau das von der Hamburger Innenstadt möchten: Systemgastronomie, die absoluten Ketten-Bekleidungsgeschäfte, eine Promenade, die oft schmutzig und leider auch vermüllt daherkommt.

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