Hamburg hakt nach: Wie kommt man zu einem Hausboot in Hamburg?

"Wer, wie, was? Wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm!" Die Sesamstraßen-Fans unter uns haben diese lebenswichtige Weisheit natürlich längst verinnerlicht. Trotzdem traut man sich bei der ein oder anderen Frage dann doch nicht, sie zu stellen. Weil sie zu banal erscheint – oder man schlichtweg nicht weiß, wer die Antwort kennen könnte. Hier kommen wir ins Spiel! Wir haken für euch nach. Denn wir finden: Fragen – seien sie noch so simpel – sind nicht nur was für Kinder. Schließlich begegnen wir in Hamburg immer wieder kuriosen Dingen, die uns staunend oder fragend zurücklassen. Geht euch genauso? Dann schickt uns eure Fragen – wir beantworten sie oder suchen jemanden, der das kann. 

Anna fragt: Wie kommt es, dass es ein paar Hausboote in Hamburg gibt?

© Hausboot Wilma

Spätestens seit der Aktion von Fynn Kliemann und Olli Schulz sind Hausboote in aller Munde. Auch Anna hat uns über Instagram gefragt, was es mit Hausbooten in Hamburg auf sich hat und wir sind dieser Frage auf den Grund gegangen und haben eins besucht.

Hamburg und die Hausboote

Wir haben die Alster mit ihren unzähligen Kanälen und die Elbe – Hamburg ist eine Stadt mit viel Wasser. Und damit sollte es auch genug Platz für Hausboote geben, oder? Eins sei schon mal vorweg gesagt: Eine Genehmigung zu bekommen dauert lange und ist kompliziert – gerade, wenn das Hausboot als Hauptwohnsitz gelten soll.

Ein Pilotprojekt der Stadt Hamburg, welches 2010 gestartet ist, ist die Hausbootsiedlung am Eilbekkanal. Außerdem gibt es noch einige weitere mögliche Liegeplätze in Hamburg-Mitte und auch in Harburg mit dem Hausboot Hafen Hamburg – dort liegt auch Wilma, das Hausboot von Denise und Freddy.

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Im Jahr 2018 beginnen Freddy und Denise mit der Suche nach ihrem Hausboot – beziehungsweise ihrem Liegeplatz in Hamburg. Heute, über drei Jahre später, sitzen wir bei herrlich wildem Aprilwetter gemeinsam in ihrem Hausboot Wilma im Hausboot Hafen Hamburg und die beiden erzählen, wie sie sich den Traum verwirklicht haben.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, ein Hausboot in Hamburg haben zu wollen?

Denise: Unsere Freund*innen aus der Heimat haben alle angefangen Häuser zu bauen oder Wohnungen zu kaufen. Dann kam ein bisschen das Gefühl von einem Gruppenzwang auf und wir dachten uns: Brauchen wir jetzt auch eine Immobilie? Die Immobilienpreise in Hamburg sind ja absolut krank, ich habe aber trotzdem ein bisschen auf Ebay-Kleinanzeigen nach Wohnungen gesucht und bin dabei zufällig auf ein Hausboot gestoßen. Das war dann im Vergleich zu den Wohnungen relativ günstig – natürlich trotzdem ein Batzen Geld. Zuerst habe ich das Freddy nur als "lustige Idee" geschickt und wir haben im Spaß gesagt: Okay, lass uns ein Hausboot kaufen. Aber irgendwie ging die Idee dann nicht mehr aus unsere Köpfen.

Wie ging es dann weiter? 

Denise: Wir dachten eigentlich: Ein Hausboot in Hamburg, das wird ja nicht so schwierig sein, hier gibt es ja genug Wasser. Aber wenn man sich dann darüber informiert, wie es mit Liegeplätzen aussieht, ist es eine Katastrophe. Das ist wirklich genauso schwierig, wie eine Wohnung in Hamburg zu finden. Es gäbe zwar Liegeplätze, viele sind allerdings nicht freigegeben.

Freddy: Es ist wirklich eine schwierige Situation. Es gab mal eine Aktion, dass es mehr Hausboote in Hamburg geben soll. Viele kennen auch diese ganzen großen Dinger. Die kosten dann so ab einer halben Million Euro. Da kann man sich ja denken, wer sich diesen Wohnraum leisten kann.

Und dann seid ihr auf euren jetzigen Liegeplatz gestoßen?

Denise: Nach einem halben Jahr sind wir dann auf eine Anzeige für diesen Hafen aufmerksam geworden, und dass hier Liegeplätze für Hausboote angeboten werden. Das war an Ostern 2019. Die beiden Pächter Micha und Jan hatten damals den Hafen neu übernommen, haben hier eine Hausboot-Manufaktur eröffnet und hatten glücklicherweise noch Plätze frei. Als wir uns mit den beiden getroffen haben und es direkt zwischen uns gepasst hat, war klar, dass wir unseren Liegeplatz gefunden hatten.

Liegeplatz gefunden – check! Fehlt also noch das Hausboot. Wie ging es da mit der Suche weiter?

Freddy: Es wird immer gesagt: Ein Hausboot zu bekommen ist gar nicht mal so schwierig, einen Liegeplatz in Hamburg zu bekommen ist viel schwieriger. Deshalb sollte man sich erst darum kümmern. Sonst hat man am Ende ein Boot und und weiß nicht wohin damit.

Denise: Mit Micha und Jan hatten wir nun zwei Experten an der Hand und das wäre auch mein erster Rat, wenn sich jemand ein Hausboot kaufen möchte: Macht es nicht wie Fynn Kliemann und Olli Schulz und kauft einfach irgendein Ding. Wir selbst hatten auch keine Ahnung von Booten, daher ist es wirklich wichtig, sich immer Leute mit Expertise dazu zu holen, am besten direkt mit zur Besichtigung des Boots. Von Außen kann das Boot total cool aussehen, aber das Wichtige ist auch, wie es unter Wasser aussieht.

Macht es nicht wie Fynn Kliemann und Olli Schulz und kauft einfach irgendein Ding.

Denise: Unsere Suche nach dem Hausboot hat bestimmt auch nochmal ein Jahr gedauert. Irgendwann kam dann ein Anruf von Micha und Jan, dass sie etwas für uns gefunden haben. Die beiden sind dann auf nach Mecklenburg, wo das Hausboot lag und haben es für uns besichtigt. Übers Telefon haben wir dann erfahren, dass das Boot wirklich so gut aussah, wie es schien und wir uns möglichst schnell entscheiden müssen – am besten in den nächsten drei Stunden. Nach einer halben Stunde haben wir dann gesagt: Wir machen es.

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Wie war der Zustand von Wilma, eurem Hausboot, als es hier ankam? 

Freddy: Ich sage immer, es war ein bisschen wie eine alte Anglerhütte. Es sah hier schon anders aus. Ein Teil des Raums war zum Beispiel vorher Terrasse und wir haben ihn neu verkleidet. Die Böden haben wir auch neu verdichtet, von außen gab es ein bisschen neue Farbe und ein paar kleine Details haben wir noch verändert. Ach ja, ein Bad gab es vorher auch nicht.

Wann wart ihr denn komplett fertig mit eurem Hausboot?

Freddy: Wir dachten, dass es ein Sommerding wird. Aber so richtig fertig, sind wir erst im September 2020 geworden. Weil es dann schon ziemlich kalt wurde, haben wir uns auch noch dafür entschieden einen Ofen und eine Infrarot-Heizung zu  kaufen. Damit man auch hier schlafen kann, wenn es etwas kühler ist.

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Wie nutzt ihr euer Hausboot?

Freddy: Es war erst die Idee ganz auf unserem Hausboot zu leben. Davon sind wir aber recht schnell abgekommen. Das geht offiziell wirklich nur an ein paar Stellplätzen in Hamburg, weil man einen Wasser- und Stromanschluss braucht – und noch einiges mehr. Das ist dann wirklich teuer und sehr schwierig dafür eine Genehmigung zu bekommen. Parallel zum Traum vom Hausboot haben wir auch länger überlegt uns einen Camper zuzulegen, da ich selbst mit dem Camping aufgewachsen bin. Da wir beide aber ungern Auto fahren, hatte sich diese Idee dann schnell erledigt. Aber wir haben uns gedacht: Warum vereinen wir das Ganze nicht? Wir können mit unserem Hausboot jetzt durch die Gegend fahren, coole Ecken erkunden, wir haben eine Rückzugsort außerhalb der Stadt, haben Wasser um uns herum.

Denise: Außerdem vermieten wir das Hausboot auch. Das ist natürlich eine gute Möglichkeit das Ganze zu refinanzieren. Homeoffice habe ich von hier aus auch schon gemacht.

Kann man das Hausboot auch mieten?

Denise: Ja! Wir warten darauf, dass es wieder erlaubt ist und dann könnt ihr es hier mieten.

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Thema Geld: Seid ihr mit eurem Budget hingekommen?

Denise: Nein. Unser Wunschbudget lag damals bei 50.000 Euro. Damit sind wir nicht ganz hingekommen. Es ist schon so, dass an jeder Ecke dann doch nochmal etwas anfällt, womit man vorher nicht gerechnet hat.

Freddy: Was man auch noch dazu sagen kann ist, dass es nicht einfach war, an Geld für dieses Projekt zu kommen. Kredite für Autos oder Häuser bekommt man an jeder Ecke hinterhergeworfen, aber wenn es um eine Sache geht, die nicht ganz so gängig ist, wird es schwieriger. Ich meine im Prinzip ist es nur eine Mischung: Es ist irgendwie eine Immobilie aber irgendwie auch ein Fahrzeug. Aber ein Grundbucheintrag hat man ja auch nicht. Im Prinzip müsste man einen Kredit zur freien Verfügung betragen und das ist meist recht teuer. Wir haben uns das fehlende Geld dann privat geliehen bei unseren Eltern.

Ein echtes Lebensprojekt also. Und jetzt ist es endlich da.

Denise: Total. Klar, zwischendurch verzweifelt man schonmal bei der ein oder anderen Abnahme durch die Versicherung oder wenn man das Budget sprengt. Als wir aber letztens an einem Frühlingstag hier waren, oben auf dem Dach saßen und den Sonnenuntergang angeguckt haben, dachten wir uns: Okay, wir haben doch alles richtig gemacht.

Freddy: An einem warmen Tag zieht es uns jetzt immer hier her, nicht ans Alsterufer oder so. Wir haben kaltes Bier im Kühlschrank, können uns etwas zu essen machen, es gibt eine Toilette, abends kann man direkt ins Bett fallen und am nächsten Morgen wacht man am Wasser auf.

Denise: Wilma ist unser Ersatz für ein Haus, ein Auto und einen Garten.

Danke Denise und Freddy für den Einblick in euer Hausboot!

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