10.000 Schritte durch #2: Bergedorf

© Melanie Weimann

Die Smartwatch, der Fitnesstracker und sogar die Weltgesundheitsorganisation bestehen darauf: 10.000 Schritte am Tag sollen es sein, damit du dich ausreichend bewegt hast. Die Realität sieht da meist anders aus: Morgens zur nächsten Haltestelle hetzen, den ganzen Tag im Büro oder der Uni sitzen und auf dem Weg zurück vielleicht noch kurz beim nächsten Supermarkt vorbei. Am Wochenende findet der Schrittzähler dann seinen persönlichen Endgegner: an Sonntagen vom Bett zum Kühlschrank zur Couch — und wieder zurück. Damit ist jetzt Schluss!

In dieser Reihe zeigen wir euch in 10.000 Schritten die schönsten Ecken von Hamburgs Vierteln — ganz abseits von Planten un Blomen, der Alster oder Mönckebergstraße.

Bergedorf — der Stadtteil im Bezirk

Bezirk, Stadtteil und Uni-Standort - Bergedorf ist Vieles auf einmal. Erstmals erwähnt wurde es 1162, bis 1867 stand es unter der beiderstädtischen Verwaltung von Hamburg und Lübeck. Am 1. April 1937 wurde die Stadt Bergedorf durch das Groß-Hamburg-Gesetzes eingemeindet und zu einem von 104 Stadtteilen. Seinen Namen hat Bergedorf aufgrund des Höhenunterschieds zu den benachbarten Vier- und Marschenlanden. Der Bezirk Bergedorf wurde erst einige Jahre später gebildet. Bergedorf ist wie eine Kleinstadt mitten in der Großstadt – und lässt sich deshalb am besten zu Fuß erkunden.

Am Bergedorfer Hafen die Sonne auf den Bauch scheinen lassen

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Unweit der S-Bahn-Station Bergedorf – dort startet die Route – befindet sich der Serrahn, der kleine aber feine alte Hafen Bergedorfs. Im Vergleich zum richtigen Hafen wirkt dieser zwar wie eine kleine Pfütze, er ist aber nicht weniger schön: Im Sommer lassen sich lange Nachmittage in den Restaurants und Cafés oder mit einem kühlen Getränk direkt am Wasser verbringen. Regelmäßig legen dort auch kleine Barkassen an, die Touren durch Hamburgs Gewässer anbieten.

Im Bergedorfer Schlosspark Geschichte lernen und Natur genießen

Überquert man den Serrahn und biegt direkt nach der St. Petri und Pauli Kirche links ab, kann man bereits den wunderschönen Schlossgarten des Schloss Bergedorf erahnen. Es ist das einzig erhaltene Schloss in ganz Hamburg. Seinen Ursprung soll es im 14. Jahrhundert haben – zu dieser Zeit wurde es erstmalig erwähnt. Seit 1953 befindet sich im Schloss das Museum für Bergedorf und die Vierlande. Das Museum zeigt die Geschichte der Region rund um Bergedorf und eignet definitiv als Ausflugsziel für weniger sonnige Tage. Der Schlosspark formt sich rund um das Schloss und steht seit 1926 sogar unter Denkmalschutz.

Die Bergedorfer Mühle besuchen

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Verlässt man den Schlossgarten nordöstlich und folgt der Bille vorbei am Schillerufer, kreuzt man nach circa 500 Metern die Chrysanderstraße. Direkt an der Ecke, aber etwas versteckt, befindet sich die alte Bergedorfer Mühle. 1831 erbaut, war sie über 130 Jahre im Betrieb, bevor sie 1967 stillgelegt und verkauft wurde. Seit 2003 gilt sie als Denkmal, von 2005 bis 2011 wurde sie begehbar umgebaut.

Beim Villen-Watching nach potenziellen Grundstücken Ausschau halten

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Auf der Route kommt man immer wieder an wunderschönen alten Villen vorbei, die man sonst wohl eher in Blankenese oder Alsterdorf erwartet hätte. Wer richtig Lust auf Villen-Watching hat, läuft die Straßen im Bergedorfer Nordosten bis zum Bergedorfer Gehölz ab. Dort befindet sich das Bergedorfer Villenviertel – es soll das größte in ganz Hamburg sein. Man kann sich ja schon mal ein Grundstück aussuchen…

In der Einkaufsstraße Sachsentor Kleinstadtfeeling genießen

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Am Ende kreuzt die Chrysanderstraße wieder den Schlosspark – diesmal auf der anderen Seite. Hier befinden sich Spielplätze sowie große Plätze und Wiesen – Bergedorfer chillen hier, picknicken oder lassen das klassische Boccia wieder aufleben. Daran vorbei steuert man direkt auf die Bergedorfer Einkaufsstraße zu. Klar, Einkaufsstraßen haben wir in Hamburg genug und oft gesehen, aber das Sachsentor ist besonders schön. Und so kleinstadt-idyllisch, dass man sich nach der Shoppingtour sofort ins nächste Eiscafé setzen und einen Bananensplit bestellen möchte.

Im Bergedorfer Rathauspark die Ruhe suchen

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Am Ende des Sachsentors führt die Route erst einmal an der Wentorfer Straße entlang, die tagsüber stark befahren ist. Aber nur für kurze Zeit, sobald man in den Schulenbrooksweg einbiegt, ist von der vielbefahrenen Straße kaum mehr etwas zu hören. Auch hier macht sich die überschaubare Größe des Stadtteils bemerkbar: Am Ende der Straße ist auch schon der Beginn des Rathausparks zu sehen. Nicht ganz so groß wie der Schlosspark, bietet der Rathauspark für alle, die gerne mit einem Buch auf einer Decke entspannen aber definitiv mehr Ruhe. Wer weniger Natur und mehr Kultur möchte, der meldet sich zu einer Führung durch das große rote Rathaus an. Die ehemalige Privatvilla wurde 1927 zum Rathaus umgebaut – und glänzt immer noch mit Marmortreppenhaus und Spiegelzimmer.

Auf dem Rückweg das zweitälteste Bahnhofsgebäude Deutschlands besuchen

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Auf dem Weg zurück zum Start unserer Route kommt man mit einem kleinen Umweg über den Brookdeich in den Neuer Weg: Dort befand sich der alte Bahnhof Bergedorfs. Das Gleisbett ist mittlerweile von Gras bedeckt, das alte blaue Bahnhofsgebäude steht aber noch und ist damit das zweitälteste erhaltene Bahnhofsgebäude in Deutschland. 1842 wurde der Bahnhof in Betrieb genommen, bereits vier Jahre später wurde eine neue Trasse für die Züge nach Berlin genutzt und das Gebäude verlor seine Funktion.

In 10.000 Schritten durch Bergedorf siehst du nicht nur Wasser, Parks und wunderschöne Alte Villen. Neben dem Bergedorfer Museum kannst du auch die Geschichte des Stadtteils hautnah am alten Bahnhof und der alten Mühle erleben – und mit Fakten aus der Hamburger Geschichte auf der nächsten Party punkten.

Vom Hauptbahnhof oder dem Berliner Tor ist man mit der S-Bahn-Linie S21 in knapp 20 Minuten am Bahnhof Bergedorf. Neben den S-Bahnen fahren vom Hauptbahnhof auch verschiedene Regionalbahnen den Bahnhof Bergedorf an.

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