Kleine, geile Firma: Kombru braut in Hamburg Kombucha

© Christina Debbelt

Der Frühling kann langsam wirklich kommen, wenn es nach Mat und Fernando geht. Die beiden „Chief Bruhemians“ haben ihr eigenes Erfrischungsgetränk aus Kombucha entwickelt und damit Anfang 2018 ein Start-up eröffnet. Wir treffen die beiden, um über ihren „Kombru“ zu sprechen und herauszufinden, was das überhaupt ist.

Ganz platt, was ist denn bitte Kombucha? Und wie oft werdet ihr das gefragt?

Mat: Im Grunde ist das nichts anderes als fermentierter Tee. Dazu wird grüner Tee, Schwarztee oder Kräutertee gekocht, dann fügen wir Kolonien aus Bakterien und Hefe zu und in der Kombi mit Zucker fängt das Ganze an zu gären. Die Bakterien nehmen den Zucker dabei fast vollständig auf, außerdem entwickelt sich Kohlensäure. Für mich ist das jedes Mal ein bisschen wie Magie, denn da passieren auf einmal so viele Dinge im Glas, ohne dass man wirklich etwas sieht.

Fernando: Ältere Leute kennen Kombucha viel häufiger als Jüngere, aber eben nur den puren Tee. Und der schmeckt sehr, sehr gesund... In den 70ern war das Getränk nämlich schonmal ziemlich angesagt in Deutschland. Mittlerweile ist Kombucha vor allem in den USA, Schweden oder England total bekannt, nur in Deutschland eben noch nicht so stark.

Und wie schmeckt euer Kombucha?

Mat: Ein bisschen wie Tee und sehr leicht gegärt - aber wir nutzen reinen Fruchtsaft für den Geschmack. Dadurch wird es sehr erfrischend.

Fernando: Wenn man Kombucha hört, denken viele direkt an Bioläden oder Reformhäuser. Wir wollten aber eine gesündere Alternative zu Limonaden herstellen, die trotzdem lecker schmeckt. Nichts gegen eine gekühlte Cola oder Fanta, aber... (lacht).

Warum ist denn Kombucha so gesund?

Mat: Kombucha fördert die Verdauung, unterstützt beim Detox und kann dazu beitragen, das Immunsystem zu stärken. Und es ist ein gutes Getränk für Diabetiker, weil es so einen geringen Zuckeranteil hat. Außerdem pasteurisieren wir unser Getränk nicht, um die „guten Bakterien“ zu schützen. Da unser Bru noch lebendig ist, geht die Gärung nach der Produktion noch ein bisschen weiter, deswegen sollte Kombru am besten immer gekühlt gelagert werden.

© Christina Debbelt

Enthält Kombru Alkohol?

Mat: Durch die natürliche Fermentation wird etwas von dem Bio-Zucker in Alkohol umgewandelt. Aber wir haben das von einem Labor genau analysieren lassen und kommen auf weniger als ein Prozent – das ist vergleichbar mit dem Alkoholanteil in Fruchtsäften oder Softdrinks. Unser Bru ist also alkoholfrei.

Wie seid ihr überhaupt auf die Idee gekommen?

Mat: Oh das ist eine längere Geschichte! Und die fängt erst einmal bei Fernando an...

Fernando: Ja, tatsächlich nahm alles vor ungefähr acht Jahren seinen Lauf. Ich hatte einen kleinen Unfall und musste mich operieren lassen. Dabei habe ich mir einen sehr hartnäckigen Krankenhausinfekt eingefangen und einen richtigen Antibiotika-Cocktail eingenommen, weil die Bakterien so extrem resistent waren. Mein Körper brauchte also einen kompletten Neustart. Ein paar Jahre später habe ich dann dieses seltsame Getränk in den USA entdeckt, das lebende Organismen enthält – und dieses Mal waren es endlich „freundliche“ Bakterien. Ich habe dann hier in Supermärkten danach gesucht aber keinen echten, unpasteurisierten Kombucha gefunden. Also dachte ich mir, braue ich es eben selber. Also habe ich einen Scoby (Anm. der Redaktion: eine Mischung aus Bakterien und Hefe, die aussieht wie ein Pilz) bestellt und selbst Zuhause Kombucha gebraut. Und dann habe ich das Getränk mit zur Arbeit gebracht...

Matt: Fernando und ich haben nämlich zusammen in einer Werbeagentur gearbeitet, Fernando als Art Director und ich als Texter. Er hatte mir zwar vorher schon oft von Kombucha erzählt, aber ich war am Anfang total skeptisch. Als ich es dann probiert habe, hatte er mich. (lacht) Ich habe also angefangen, mehr darüber zu lesen. So fing alles an, und dann haben wir mit verschiedenen Geschmacksrichtungen experimentiert.

Welche Sorten gibt es von eurem Kombru?

Mat: Als wir den „Basis-Bru“ geknackt haben, konnten wir mit verschiedenen Früchten unterschiedliche Geschmacksrichtungen ausprobieren. Wir wollten uns nämlich weniger auf den Teegeschmack konzentrieren als andere Kombucha-Hersteller. Wir hatten dann vier verschiedene Sorten und dachten: ‚Jetzt haben wir es!‘ Da wir uns aber selbst finanzieren, konnten wir nicht direkt mit vier verschiedenen Sorten starten.

Fernando: Wir sind dann auf die eat&STYLE hier in Hamburg gegangen und die Besucher konnten entscheiden, welche Sorten sie am liebsten mochten – nach dem Prinzip „nasty or tasty“. So haben wir dann herausgefunden, dass Zitrone-Ingwer und Feige-Limette die beliebtesten Sorten für die Besucher waren. Und die sind es jetzt geworden!

© Kombru

Wo findet man Kombru?

Fernando: Wir sind mittlerweile schon in mehreren Edeka-Märkten und bauen gerade unser Händlernetz weiter aus. Außerdem gibt es uns im Café komood in der Marktstraße und im Hicycle Fitness. Und natürlich online in unserem Webshop.

Mat: Und dann gibt es auch einige Events, bei denen wir in diesem Jahr sein werden – zum Beispiel beim Kulturfest in der Landgang Brauerei und bei der eat&STYLE.

Gibt es außer euch noch weitere „Bruhemians“?

Mat: Aktuell machen wir beiden noch alles selbst – von der Produktion bis zum Verkauf. Wir haben dafür in Wandsbek einen kleinen Laden gemietet. Das war eigentlich mal ein Wimpernladen... (lacht) Aber das war uns egal. Wir haben dann eine Küche und einen Produktionsbereich dort eingerichtet und machen dort sowohl die Teebasis als auch die kaltgepressten Fruchtsäfte für unseren Kombru. Übrigens verwenden wir ausschließlich Bio-Zutaten und Kombru ist auch Bio-zertifiziert.

Mat, du kommst ursprünglich aus Großbritannien, Fernando, du aus Brasilien. Ein eigenes StartUp in einer fremden Sprache hochziehen, das ist vermutlich eine ganz schöne Herausforderung...

Mat: Das ist in der Tat nicht so ganz leicht. (beide lachen) Aber es macht Spaß. Abgesehen von der Sprache ist für uns natürlich auch das Getränkegeschäft eine komplett neue Welt. Und jetzt müssen wir unsere Köpfe ein bisschen – wie sagt man? – twisten!

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