Servus Hamburg: Ab jetzt also Moin Moin

© Franzi Simon

15 Jahre in Süddeutschland hinterlassen Spuren. Sei es in der Sprache (‚Oine Semmel, bidde!), im Verhalten (Nicht geschimpft ist genug gelobt) oder allein in den Essensvorlieben (Kässpatzen/Käsespätzle ftw!). In Hamburg läuft es eben ein bisschen anders als in Bayern oder Baden-Württemberg. WIE anders es hier im Gegensatz zum Süden Deutschlands ist, erzählt euch Anna in ihrer Kolumne: „Servus Hamburg!“. Diese Woche gibt es schon die ersten Sprachbarrieren zu überwinden.

„Ja Servu-…, ähm Hallo!“, begrüße ich die Menschen hier. Ich komme mir extrem förmlich vor und frage mich, ob ich bei der Begrüßung verkrampft und unsicher wirke. „Moin!“, schallt es mir mit einer nordischen Gelassenheit entgegen. Ich schlucke. Stimmt, ich bin ja umgezogen und das wird mir nun erst richtig bewusst.

Nun tausche die Leberkässemmel gegen das Fischbrötchen ein und merke schon an der Theke, dass es hier ganz anders wird.

Eine kurze Vorgeschichte: Ich habe meine Jugend im wunderschönen Allgäu verbracht. Für das Studium habe ich einen kurzen Stopp in Unterfranken eingelegt und bin dann die letzten fünf Jahre im Schwabenländle verblieben. Kurz gesagt: nördlicher als an die Grenze von Bayern bin ich nicht gekommen. Und jetzt bin ich hier: in der Hauptstadt des Nordens, zwischen Franzbrötchen und Regenmantel.

Dass es viele Unterschiede zwischen Süd- und Norddeutschland gibt, ist kein Geheimnis. Dass es mich aber früher als gedacht und nicht nur für einen kurzen Städtetrip nach Hamburg verschlägt, hätte ich auch nicht erwartet. Nun tausche ich die Leberkässemmel gegen das Fischbrötchen ein und merke schon an der Theke, dass es hier ganz anders wird.

Anstatt zu schwätzen, halte ich eben einen Schnack oder fange an zu klönen.

Vor meinem Umzug habe ich meine Freunde mit einem lautem „Griiiiiiiiiiaaaaß diiiii!“ (Grüß dich) willkommen geheißen. Ebenso wurden Fremde mit einem „Servus“ oder einem höflichen „Grüß Gott“ begrüßt. Diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. An jedem Kiosk, an jeder Kasse und überall wo ich hinkomme, ertönt ein knappes "Moin" oder „Moin, moin“– Morgen Morgen, hä? Wieso man zu jeder Tageszeit mit dem Morgen begrüßt wird, verstehe ich nicht ganz, aber ich merke, dass es hier Gang und Gebe ist.

Ich versuche mich anzupassen. Geübt wird daheim (oder sagt man hier zuhause?) vor dem Spiegel: „Moin moin.“. Okay, das klingt komisch und fühlt sich auch komisch an. Je öfter ich es laut vor mich hinspreche desto blöder komme ich mir vor und letztendlich bleibe ich beim allgemein-gültigen „Hallo“.

Wer jetzt denkt, dass das die einzige Sprachbarriere bisher war: HAHA. Wir sind hier noch lange nicht am Ende. Anstatt Semmeln, kaufe ich mir nun Brötchen. Anstatt schaffen zu gehen, gehe ich nun jeden morgen ins Büro und arbeite. Anstatt zu schwätzen, halte ich eben einen Schnack oder fange an zu klönen. Ich liebe fremde Sprachen und Dialekte noch mehr, aber sich einen neuen Dialekt anzueignen, ist leichter gesagt als getan.

Frage ich nach einem „Gutzi“ werde ich mit einem schiefen Blick angeguckt.

Eigentlich dachte ich, dass ich relativ gut Hochdeutsch rede. Falsch gedacht. Seitdem ich hier bin, merke ich immer mehr, dass die letzten 15 Jahre mich sprachlich sehr geprägt haben. In Unterhaltungen sehe ich wie mein Gegenüber ein leichtes Grinsen nicht verbergen kann, wenn mir mal wieder ein „gell“ oder „-sch“ herausrutscht. Frage ich nach einem „Gutzi“ werde ich mit einem schiefen Blick angeguckt. Dabei will ich doch nur ein süßes, kleines Bonbon haben. Ich bin mir sicher, dass diese kleinen Sprachhürden erst der Anfang einer langen und vor allem schönen Reise vom Süden in den Norden sind und – Freunde macht euch darauf gefasst: Schon bald werde auch ich mit einem flotten "Moin!" durch die Straßen schlendern. 

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