MERE – Ein Moderaum von gestern für heute

© Isabel Rauhut

Das Karoviertel ist bekannt für seine tollen, kleinen und unabhängigen Läden, in denen man gerne an einem Samstagvormittag stöbert und das neue Lieblingsstück gar nicht gezielt sucht aber auf jeden Fall findet. Seit November 2017 reiht sich ein neuer Laden zu den angesagten Stores rund um die Markt- und Glashüttenstraße: MERE. Neben ausgewählte Second-Hand-Stücken gibt es hier auch Hamburger Designermode von Melanie Redmer, die mit viel Liebe das Konzept im Laden zwischen Alt und Neu hervorragend präsentiert und umsetzt.

Melanie Redmer hat ihr Geschäft und Atelier in einer ehemaligen Käsetheke eröffnet. Die zauberhaften alten Kacheln an den Wänden, die hohe Decke und die große Fensterfront bilden einen großartigen Rahmen für die Mode auf den Stangen und den Tischen. Die moderne Einrichtung ist sehr zeitlos und verkörpert das Konzept des Ladens: Beim Stöbern an den Kleiderstangen findet man keine gradlinige Modestrecke, sondern ausgewählte Second-Hand-Kleidung und Melanies eigene Designs, die sie vor Ort selbst entwirft und schneidert.

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Die Liebe zum Label

Ihren ersten Onlineshop hatte sie mit 17. In kleinen Auflagen hat Melanie Modeschmuck und später auch Second-Hand-Mode verkauft. Online-Shop und Modedesign-Studium an der Hamburger Hochschule für Angewandte Wissenschaften gingen parallel nicht und so hat sich die heute 27-Jährige vorrangig um einen erfolgreichen Abschluss und im Anschluss um das eigene Label gekümmert.

Die Auseinandersetzung mit Produktionsmissständen, Umweltschutz und fehlleitenden Trends hat sie dazu gebracht, eigens produzierte Mode und Second-Hand-Kleidung zu verkaufen. Auch das Treffen mit Vivienne Westwood, die als Modeaktivistin gegen Fast Fashion kämpft, hat sie beeinflusst.

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Melanie war früh klar, dass sie sich beruflich mit Second-Hand-Mode und dem Erschaffen eigener Kreationen beschäftigen will. Der Laden in der Glashüttenstraße ist somit eine wahr gewordene Vision.

Alt und Neu gesellt sich gern

Auf dem wunderschönen Fliesenboden stehen mehrere Kleiderstangen mit einem liebevoll überlegten Stylingkonzept und Outfits an jedem Bügel. Der Mix aus Second-Hand-Sachen und den eigenen Designs von Melanie sind hier das Wichtigste. Die Second-Hand-Ware ist immer neuwertig und gewaschen, meistens handelt es sich um True Vintage, die Melanie entweder unterwegs auf Flohmärkten, in Second-Hand-Läden oder online findet.

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Neben Marken wie Calvin Klein, Miu Miu und Jil Sander verkauft Melanie auch No-Name Second-Hand-Stücke – wichtig ist ihr, dass die Verarbeitung und der Stoff hochwertig sind, der Stil zeitlos und der Zustand wie neu. Neben Kleidern finden sich Hosen, Jacken, Tops, Schuhe und Accessoires für durchschnittlich 35 bis 55 Euro.

Die Klamotten ihres eigenen Labels REDMER folgen keinem Trend sondern stehen ganz individuell für sich. Im Moment hat sie meist schlichte Farben wie Schwarz, Beige und Weiß in verschiedenen Materialien, wie Baumwolle, Viskose, Denim oder ausgefallenem Bio-Mullstoff zu Oberteile, Taschen, Hosen und Mänteln verarbeitet. vversized Hosen zum Binden und Wickeln findet man hier neben einem stylischen weißen, oversized Jeansparka. Alle Teile sind Einzelstücke.

Von Mode und Kunst

Melanie schneidert gerne nach Wunsch und Laune individuell für die Kunden. „Ich finde es schön, im direkten Kontakt mit meinen Kunden das perfekte Kleidungsstück für sie zu entwerfen“, sagt sie. Ihre neueste Serie sind elastische Oberteile in Schnittmusteroptik.

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Für Melanie stellt diese Serie die perfekte Umsetzung der Verbindung ihrer Zeichnungen dar und so der Verbindung von Mode und Kunst. „Ich zeichne direkt mit meiner Nähmaschine die elastische Naht auf den Stoff, die dann die Silhouette des Kleidungsstückes ergibt. Ein spannender und persönlicher Prozess, den ich selber entwickelt habe. Ich werde definitiv damit weiterarbeiten.“

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Gestalten tut Melanie ihre Verkaufsfläche meist nach einem bestimmten Style, den sie verkaufen will. Manchmal sind es Schlaghosen, mal Samthosen, oder Sommerkleider. „Mir ist wichtig, dass man die Outfits gut erkennt und sie eine Inspiration sein können.“

Gute An- und Aussichten

Ständig ist ihr Konzept im Wandel, daher gibt es immer Neues und Altes an den Kleiderstangen und auf den Tischen. Durch die Zusammenarbeit mit wechselnden Künstlern, bringt Melanie ihre Mode in andere Konzepte und „hebt sie auf ein wertigeres Level“, wie sie selbst sagt. Sie hat Spaß daran, Leute aus den verschiedensten Bereichen der Popkultur zusammenzubringen und findet es interessant, Kunden, Künstler und Musiker – wie bei einer Vernissage etwa – zu vereinen.

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„Die Ausstellung, an der ich gerade arbeite, wird mit einer Performancefoto-Künstlerin sein, die Ende Juni dann bei MERE ihre Vernissage feiert. Ich habe sie als Kundin bei mir kennengelernt und fand sie sehr interessant. In den in der Ausstellung zu sehenden Performancefotos inszeniert sie einen Mantel von mir in von ihr ausgewählten Stadtbildern“, erzählt Melanie. Dies zeigt einmal mehr, dass MERE nicht bloß Verkaufsfläche ist sondern viel mehr auch Showroom, Galerie und ein Raum für Kunst im Allgemeinen.

Mode als Kommunikation und Perspektive

„Ich finde es spannend zu sehen, wie global mit der Mode kommuniziert wird. Man muss dabei aber unbedingt weniger und gezielter kaufen und seine Kleidungsstücke mehr wertschätzen, als wir es bis jetzt getan haben“, sagt Melanie.

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Sie hat auf eine bewusste Art Spaß an Mode und zeigt der Stadt durch ihren Modeladen mit ihren eigensinnigen Stylings und Designs und die Kombination aus Altem und Neuem eine Alternative auf. „Die Verbreitung der Nachhaltigkeit in der Mode macht für mich auf diese Art und Weise einen Sinn, indem man die Denkweise der Käufer ändert.

Man darf die Missstände einfach nicht ignorieren.
Melanie Redmer

Ich wünsche mir, dass es irgendwann nicht mehr um Trends geht, sondern um Qualität, Langlebigkeit und ein freieres Tragegefühl. Ich will in meinem Laden zeigen, dass es bunt und vielfältig und auch trendbezogen sein kann, während man sich nachhaltig kleidet. Unsere Kaufentscheidungen sind der direkte Einfluss auf die Schere zwischen arm und reich. Man darf die Missstände einfach nicht ignorieren."

MERE | Glashüttenstraße 5 | Dienstag - Mittwoch: 13:00-18:00 Uhr, Donnerstag - Freitag: 14:00-19:00 Uhr, Samstag: 12:00-17:00 Uhr | mehr Info

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