A wie Astra – Das Reeperbahn-ABC

© Andi Baur

Eine Straße, eine Million Menschen. Die Reeperbahn in Hamburg zieht neben Menschen aus jedem erdenklichen Winkel der Welt sogar manchmal den ein oder anderen Hamburger an – klischeebehafteter ist kaum ein anderer Ort der Stadt oder gar in Deutschland. Doch trotzdem schlägt die Reeperbahn wie die Hauptschlagader Hamburgs, ist mehr Zentrum als die Mönckebergstraße oder der Jungfernstieg es je sein könnten. In unserem Reeperbahn-ABC nehmen wir euch mit auf einen Rundgang über den Kiez mit all seinen Eigenarten.

Fischbrötchen, schlechter Fußball und Nord- und Ostsee sind Dinge für die der Norden der Republik bekannt ist. Eine kühle Art wird uns nachgesagt – ob das stimmen mag, weiß nur der Wind. Gibt es eines, wofür gefühlt der Rest des Landes bekannt ist, jedoch nicht der Norden Deutschlands, dann ist es Bier. „Geil, hier gibt es norddeutsches Bier“, kam im Süden der Republik mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit noch nie jemandem über die Lippen. Die Tatsache, dass ein Hamburger Kiosk Beyreuther oder Augustiner in den Kühlschränken parat hat, stößt tagtäglich auf freudestrahlende, bierselige Gesichter.

Astra als Statement

Unter all den norddeutschen Bieren, deren Ruf eher bescheiden ist, gibt es dieses eine, an dem sich die Geister scheiden. Das eine, dessen Logo nicht nur unzählige Kneipen der Stadt ziert, sondern auch Waden und Oberarme der Fans: Astra. Irgendeine Verbindung hat jeder Hamburger zur wahrscheinlich coolsten Biermarke der nördlichen Hemisphäre. Aus welchen Gründen auch immer.

Man will dazugehören, ein typisch hanseatisches Lebensgefühl einatmen, denn echte Hamburger trinken ja Astra.

Kein Tourist – nein, wirklich keiner, würde in Hamburg auf die Idee kommen auf der Reeperbahn irgendein anderes Bier zu trinken, als Astra. Ein Phänomen, was sich in Hamburg bei Touristen wacker hält – weniger jedoch bei den Einheimischen. Man will dazugehören, ein typisch hanseatisches Lebensgefühl einatmen, denn echte Hamburger trinken ja Astra. Ist das so? Bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass die Hamburger an den Tresen der Stadt nicht weniger oft zu Holsten, Jever oder Ratsherrn greifen, als zur Knolle mit dem Ankerherz. Der Kult um die Hamburger Marke scheint vor den Toren der Stadt präsenter zu sein, als innerhalb der Stadtgrenzen.

Astra als Marke

Sie haben sich ihren eigenen kleinen süffigen Mikrokosmos geschaffen, in dem sie fernab von deutscher Bierkultur auch in Jahren noch beständig bleiben. Ein Mikrokosmos aus Marketing, das seit Jahren Klischees humoristisch aufarbeitet – manchmal leider den Unterschied zwischen sexualisierend und sexistisch nicht kennt, aber das ist eine andere Geschichte. Ein unverkennbares Logo, das die Liebe zur Stadt mit einem dicken roten Herz besiegelt und dem obligatorischen Anker, weil… naja… Hamburg halt. Ach ja. Der Kult-Club mit dem Totenkopf, der seit Jahren dem Markt die Treue hält – ob auf den Trikots oder am Stadion-Zapfhahn.

An jedem anderen Ort in Deutschland wird Bier nach dem Geschmack ausgewählt, oder weil man es seit Jahren schon so macht. Anders in Hamburg. Astra muss nicht mit Geschmack überzeugen. Astra überzeugt damit einfach Astra zu sein. Aber irgendwie ist das ok.

Astra als Identifikation

Wenn ein Getränk die Reeperbahn am besten verkörpert, dann ist es das knollenförmige Getränk mit dem Ankerherz drauf. An sich weiß man, dass es immer da ist – ob man nun will oder nicht. Das Verhältnis ist eigentlich ein gutes, auch wenn man sich regelmäßig auf die Nerven geht – oder eher auf den Magen und den Schädel. Man übertreibt gern – nimmt erst recht kein Blatt vor den Mund.

Doch es loswerden wollen? Niemals. Astra ist ein Stück Identität, ein Stück Reeperbahn. Schon die penetrante Leuchtreklame würde fehlen, würde da in großen Lettern Holsten stehen. Dass das billigste Bier am Tresen ein anderes ist, als ein Astra? Sorry, da werd‘ ich mich nie dran gewöhnen können. Wir werden bestimmt keine besten Freunde – bleib aber trotzdem so wie du bist. Bitte.

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