Neu in der Schanze: Barkultur im Chambre Basse

Chambre Basse | © Andreas Baur | Sony Alpha 7 II

Dass rechts neben der Roten Flora der Eingang zum HipHop-Keller #1 in Hamburg war, dass wusste jeder, der in dieser Stadt auch nur ansatzweise etwas mit Sprechgesang zu tun hat. Doch der Kleine Donner musste schließen. Seit Kurzem ist das Chambre Basse der neue Bewohner der ehemaligen heiligen Hallen: Grund genug der neuen Bar auf ein paar Getränke einen Besuch abzustatten.

Beim Gang in den Keller wächst die Aufregung, wie denn die altbekannten Räumlichkeiten nun aussehen mögen: fancy wie die neue Hamburger Barkultur eben ist? Ein bisschen dirty wie der Kleine Donner? Etwas völlig anderes?

Chambre Basse | © Andreas Baur | Sony Alpha 7 II

Die gute Sorte chic

Die Atmosphäre ist angenehm, wenn auch (oder gerade deswegen) etwas dunkel – aber das haben Keller so an sich. Schicke Holztische stehen am Rande des Weges zur Bar – zusammen mit den Holztischen sind diese am ehesten mit dem Mobiliar des John Lemon zu vergleichen. Auf der ehemaligen Bühne steht ein erhaben-wirkender Tisch, an dem locker zehn Leute ihren Platz finden können – weiße Callas und Orchideen schaffen eine leichte Wohnzimmer-Atmophäre, durch die sich auch der letzte Gast willkommen fühlt.

Chambre Basse | © Andreas Baur | Sony Alpha 7 II
Chambre Basse | © Andreas Baur | Sony Alpha 7 II

Empfangen werde ich von Martin. Martin ist Barchef im Chambre Basse und hat trotz der Eröffnung am darauffolgenden Tag die nötige Ruhe mitgebracht, um mir Rede und Antwort zum neuen Drink-Hotspot zu beantworten. Dass hinter einer guten Bar in der Großstadt auch ein Konzept steckt, ist kein Geheimnis – wahrscheinlich sogar nötig:

Chambre Was?

La Chambre Basse – zu deutsch: das Unterhaus. Jetzt wird klar, woher der Name tatsächlich stammt. Doch nicht nur die unterirdischen Räumlichkeiten sind Ursprung des Namens, sondern auch geschichtsträchtige Ereignisse. Beim Blick auf die Karte finden sich Cocktails mit Namen wie "539 v. Chr." oder "1341". Der Gast soll sich mit seinem Cocktail beschäftigen – wissen aus welchen Zutaten er zusammengesetzt ist und nicht nach Namen entscheiden.

Chambre Basse | © Andreas Baur | Sony Alpha 7 II

Doch warum genau diese Daten? Martin erzählt, die Jahreszahlen stellen wichtige Ereignissen der Menschen- und Bürgerrechtsgeschichte dar, wie beispielsweise die erste Sklavenbefreiung des persischen Herrschers Kyrios I. oder die Gründung des House of Commons im Jahre 1341 n. Chr. Das französische Wort für House of Commons? Chambre Basse. Jetzt wird uns einiges klar. Tolle Querverweise. Tolle Idee!

Der richtige Drink zur richtigen Zeit

Was ich heute trinken werde, entscheide nicht ich, sondern der Kompetentere von uns beiden: Martin. Ich darf mich über einen Parma Negroni freuen: Bombay Gin, Campari, frischen Grapefruitsaft, Fever Tree Indian Tonic und dem Cocktailbitter Angostura.

Chambre Basse | © Andreas Baur | Sony Alpha 7 II

Wie ein fruchtiger Wind weht mir der Drink durch den Mund. Der Campari ergänzt sich wunderbar durch den Grapefruitsaft und wirkt auf mich kein bisschen bitter. Cocktail-Fans, die eher keine großen Anhänger von Campari sind, könnten hiermit vom Gegenteil überzeugt werden. Dass hier eine ganze Menge Können hinterm Tresen steht, wird allerspätestens jetzt klar.

Chambre Basse | © Andreas Baur | Sony Alpha 7 II

Bezeichnend für eine gute Cocktail-Bar ist in der Regel nicht zwingend die Bierauswahl. Mit drei verschiedenen Bieren vom Fass ist das Chambre Basse überdurchschnittlich breit mit Gerstensaft ausgestattet. Ich nehme als letzten Drink noch ein Franziskaner Kellerbier, was herrlich süffig ist und in schicken und trotzdem minimalistischen 0,26l-Gläsern serviert wird.

Kellerbier ist nicht euer Favorite? Vielleicht dann aber ein Sierra Nevada Pale Ale oder ein klassisches Beck's, die es ebenfalls vom Fass gibt. Hoch die Tassen!

Chambre Basse im Jahre 3018

Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass das Chambre Basse auch noch in zwanzig Jahren Teil der Hamburger Barvielfalt sein wird. Die Bar gehört nicht in die Kategorie "fancy Hipster-Bar", sondern überrascht mit mehr Bodenständigkeit, als man von Cocktail-Bars dieser Stadt sonst gewohnt ist. Die Preise sind nicht astronomisch gestaltet, das Tresenpersonal sympatisch und das Ambiente stimmig. Alles was man für einen netten Abend im Unterhaus braucht. Cheerio!

Chambre Basse | © Andreas Baur | Sony Alpha 7 II

Unbedingt probieren: Einen der sechs tollen Drinks der Geschichte der Menschenrechte oder das wunderbar-süffige Kellerbier.

Mit wem gehst du hin?: Nimm jeden mit, der gute Barkultur zu würdigen weiß.

Beste Zeit: 18:00 Uhr, direkt nach Feierabend auf 1-x Drinks.

Besonderheit des Ladens: Dein neuer Stammtisch auf der Bühne und die liebevoll platzierten Blumen.

Lärmfaktor: Entspannte Lounge-Atmosphäre – sonst: je nachdem wie viel los ist.

Preise: Longdrinks ab 7,50€. Cocktails ab 8€.

Stammkneipen-Potenzial: Das Chambre Basse könnte mit seinem charmantem Gesamtpaket in der Tat deine neue Lieblings-Bar werden.

Chambre Basse | Schulterblatt 73 | Montag - Sonntag: ab 18:00 Uhr | mehr Info

Für dieses Artikel wurden wir freundlichst vom Chambre Basse eingeladen. Dies hat unsere Meinung nicht beeinflusst.

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