11 Gedanken, die ein Engländer über Hamburg hat

© Hanna Andresen

Nicht weit von Manchester entfernt liegt Wigan. Ians Heimatstadt. Seit 2005 lebt er nun ohne Unterbrechung in Hamburg. Er mag die Stadt mit all’ ihren Eigenarten. Trotzdem dauert es nicht lange und Ian fallen zig Sachen ein, die hier irgendwie anders sind als in seiner britischen Heimat.

1. Keine Sperrstunde

Vor etwa 20 Jahren kam Ian als Student nach Hamburg. Eine Sache ist ihm aus dieser Zeit ganz besonders in Erinnerung geblieben: In Hamburg gibt es keine Sperrstunde. Während in englischen Kneipen sämtliche „Last Orders“ über die Theken gehen, prosten die Hanseaten einander noch lange zu. Schlafen kann man schließlich auch, wenn man alt ist oder in Pinneberg lebt.

2. Scheuklappenalarm

In der Schlange stehen. Das machen Hamburger (und Deutsche im Allgemeinen), wenn sie im Supermarkt bezahlen, Kinokarten kaufen oder beim Bäcker sind. Nicht jedoch, wenn sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind. Dann entpuppen sich alle als rücksichtslose Einzelkämpfer. In Ians Heimat läuft das anders – zumindest beim Busfahren. Der Erste an der Haltestelle ist auch der Erste in der Schlange. Wer später kommt, stellt sich brav hinten an. Hier in Hamburg bildet sich hingegen eine Traube, die sich nach und nach in das Innere des Busses quetscht.

3. Fehlende räumliche Intelligenz

Ab und an ärgert Ian sich über planlos herumstehende Hamburger. Sei es vor dem Kühlregal, der Rolltreppe oder in der Einkaufsstraße – überall bleiben sie einfach stehen. Engländer berücksichtigen dagegen die Laufwege ihrer Mitmenschen, so dass es zu keinen Kollisionen kommt. Laut Ian würden sich auch beide Engländer entschuldigen, wenn sie aus Versehen ihre Einkaufswägen gegeneinander rammen. In Hamburg dagegen zieht mindestens einer von beiden kopfschüttelnd und schnaubend am anderen vorbei.

4. Abendbrot

Ian ist aber weit davon entfernt, sich nur zu beschweren. Schließlich lebt er seit vielen Jahren in Hamburg und fühlt sich hier wohl. In den ersten Monaten in der neuen Stadt lernte er auch das "Abendbrot" kennen. „Ich war zum Essen eingeladen und erstaunt darüber, dass es nur Wasser und Brot gab“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Heute allerdings erwischt er sich auch mal dabei, wie er selbst für's Abendbrot einkauft. So weit ist es also schon gekommen!

5. Direktheit

Wird ein Engländer eingeladen, hat aber keine Zeit, teilt er dies bedauernd mit. Ein Norddeutscher, musste Ian feststellen, sagt eher sowas wie: „Ne, ich hab keine Zeit.“ Ohne Umschweife schlägt man die Einladung aus. Ja okay, die feine englische Art ist das wohl nicht.

6. Humor

Engländer tragen ganz bestimmt mehr Witz in sich. Da scheint selbst der trockene Humor der Hamburger nicht trocken genug zu sein. „In England wird es sozusagen von dir erwartet, dass du witzig bist“, sagt Ian. Das kann man von Hamburgern nicht unbedingt erwarten. Die Vorstellung, umgeben von lauter humorvollen Menschen zu sein, ist zwar sehr erheiternd, doch in Wahrheit sind Sarkasmus, Ironie und Witz keine typischen Merkmale für uns Norddeutschen – zumindest nicht für den Großteil.

7. Hamburgisch

Ein Engländer kann noch so viele Witze machen, den Hamburger Dialekt wird er niemals imitieren können. Selbst Ian gelingt dies nicht sehr gut. Ein waschechter Ur-Hamburger wäre sicherlich amüsiert. „Das ist auch so eine Sache“, sagt Ian. „Die Hamburger machen gerne Witze auf deine Kosten.“ Man fragt zum Beispiel: „Kann ich dir helfen?“ und bekommt ein „Ich weiß nicht, kannst du?!“ zurück. Naja, damit sollte ein humorvoller Engländer doch umzugehen wissen.

8. Kneipenkultur

Schon klar. Mit den englischen Pubs können die Hamburger Kneipen nicht mithalten. Diese Gardinenkneipen seien einfach nicht so einladend, findet Ian. Und dann auch noch diese Trinkgewohnheiten wie „Wir gucken uns alle in die Augen während wir anstoßen, ansonsten haben wir sieben Jahre lang schlechten Sex“ oder ein Spiel, um sich zu betrinken. Das machen die Engländer nicht. Sie müssen ja auch nicht von einer weniger schönen Atmosphäre ablenken. Das wäre dann auch geklärt.

9. Weniger Chaos im öffentlichen Verkehr

Henning Wein, ein deutscher Stand-up-Comedian, der in London lebt, hat gesagt: „In Deutschland schimpfen wir nicht, weil die Dinge funktionieren.“ Ian ist einig mit ihm: „Der öffentliche Verkehr in Hamburg ist so gut organisiert.“ Davon könne man in England nur träumen. Nun ja, wenn wir ganz ehrlich sind, funktioniert in Hamburg auch einiges nicht: die Mietpreisbremse, Mülltrennung ...

10. Kulinarisches

Grillpartys, Geburtstage, Buffet – Nudel- oder Kartoffelsalat sind immer mit von der Partie. Darauf könnte Ian sehr gut verzichten. „Kalter Nudelsalat?! Das ist wirklich nicht nach meinem Geschmack.“ Labskaus (engl.: lobscouse) hingegen – nur ohne den Rollmops – isst Ian ganz gerne. Das haben die Seeleute aus Liverpool auch schon getan und werden deswegen bis heute noch liebevoll "Scouser" genannt.

11. Ein Stückchen Heimat

So wie einem Hamburger sein Franzbrötchen überall anders auf der Welt fehlt, vermisst Ian "Pasties" in der Hansestadt. Dieses Maultaschen-ähnliche Gebäck gibt es in seiner Heimat in jeder Bäckerei zu kaufen. „Das fehlt mir hier manchmal.“ Belegte Brötchen können da leider nicht mithalten.

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