Durch Hamburg mit Digitalism

© Maria Kotylevksaja

Ihre Musik läuft seit fast zehn Jahren bei jeder Indie-Disco-Party und Elektro-House-Fete. Von Hamburg über die USA bis nach Tokyo sind Digitalism den Menschen ein Begriff. Man darf also ohne in Shitstorm-Angst zu verfallen behaupten, dass Jens Moelle und İsmail „Isi" Tüfekçi zu den Superstars der elektronischen Musik gehören. Morgen erscheint ihre neue Platte "Mirage" und weil vor dem Release immer Zeit für viel Promo ist, sind die beiden Musiker endlich mal wieder mit ein wenig Zeit in Hamburg gewesen. Die Chance haben wir genutzt und uns von ihnen durch ihre Heimatstadt führen lassen. Rausgekommen sind die fünf Lieblingsorte dieser Stadt, die sie bis heute anderen Europäischen Städten wie London vorziehen und deshalb immer noch im fensterlosen Bunker am Pöchelkamp ihre Musik produzieren.

Hafen City

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Wir waren früher oft hier vorne auf dem Steg und haben dort auch unsere ersten Pressefotos geschossen. Das war ca. 2007 für unser erstes Album Idealism. Außerdem war hier der Kai-Speicher, in dem früher viele Partys stattfanden auf denen wir auch gespielt haben. Dort roch es immer nach Kaffee oder Getreide. Mittlerweile ist ja hier alles umgebaut, aber früher war Speicherstadt und die Mondlandschaft dahinter was heute die Hafen City ist, echt supergeil. Für uns ist dieser Platz einfach das Herzstück der Stadt mit dem wir auch gerade unsere Anfänge verbinden. 

Goldener Pudel Club/Park Fiction

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Hier im Park Fiction haben wir das Cover für die Pogo-Single geschossen, abgesehen davon hatten wir im Pudel eine der verrücktesten Nächte: nachdem wir unser erstes Album veröffentlicht hatten, haben wir am Halloween-Wochenende von Donnerstag bis Sonntag Auftritte gehabt und Sonntagabends dann einen Live-Gig im Pudel. Das Problem war, dass wir Montagmorgens um 6 Uhr die Bahn zum amerikanischen Konsulat nehmen mussten, um ein Arbeitsvisum für die Staaten zu bekommen. Wir sind wirklich vom Pudel in den Zug gestolpert und in Berlin dann direkt ins Konsulat.

Dass der Pudel abgebrannt ist war für uns natürlich krass, der Brandgeruch liegt ja immer noch in der Luft hier. Wir waren zwei Tage vorher noch dort zum feiern. Wir finden am Pudel auch so geil, dass die Toilette das Trademark des Clubs ist - welcher Club kann das schon von sich behaupten?

China Restaurant Golden/Wartenau

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Hier sind wir zum Teil jede Woche. Es gibt Sichuan-Küche, mit Drehtischen, Teppichboden, Glasgemälden in der Decke - so richtig 80er. Unsere Lieblingsgericht ist Gong Bao, aber die Auswahl aus den 846540 Gerichten ist einfach an sich schon bombastisch. Der Betreiber ist ein echtes Unikat und super authentisch, deshalb halten hier auch regelmäßig drei/vier Reisebusse mit chinesischen Touristen, die dann alle in den Laden stürmen. In einem der letzten Til Schweiger-Tatorte hat er sogar mitgespielt, ein Wahnsinns-Typ. Wenn man öfters dort isst, bringt er einem regelmäßig einen Gruß des Hauses - wir vermuten aber schwer, dass das dann meistens ein übrig gebliebenes Gericht ist, denn er ist ein echter Fuchs. 

Post-Pyramide/City Nord

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Jens: Ich bin Architektur-Fan und dieses Gebäude ist einfach richtig krass. Außerdem hat mein Vater hier in der Nähe früher in einem Büro gearbeitet, weshalb auch oft hier in der Gegend war. Damals war das alles total modern, heute ist das schon wieder ziemlich verrottet, aber die Rolltreppen funktionieren noch!

Ich habe die Architektur der City Nord vor einem Jahr wieder für mich entdeckt, seitdem fahre ich hier regelmäßig mit dem Fahrrad entlang. Gerade diese monströse Postpyramide begeistert mich immer wieder. Da könnte man mal ne fette Party schmeißen. 

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Das Studio/Pölchaukamp

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Wir haben hier unser Studio seit 2004. Wir mussten damals in Hasselbrook raus und hier war ne Band drin, die aus dem Bunker hier rauswollte. Dann dachten wir: Bunker ist Bunker und 90 Quadratmeter sind eben auch was wert. Man sieht außen am Bunker diese Lüftungsschlitze, durch die einfach gar keine Luft durchkommt. Ein paar Fenster wären echt nicht schlecht. Wenn wir uns was neues suchen, dann endlich mal mit Fenster. Wir kennen hier natürlich die Leute, aber prinzipiell ist es halt einfach mega wichtig, dass man einfach U-Bahn fahren kann wie man will und nicht auf der Straße angesprochen wird.

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