Die 11 beschissensten Orte zum Radfahren

Eine handvoll böse Prellungen, einige blaue Flecken, Schürfwunden und ein Adrenalinspiegel, der täglich durch die Decke geht. So weit meine Bilanz nach zwei Jahren auf Hamburgs Radwegen. Könnte natürlich daran liegen, dass ich eine schlechte Radfahrerin bin. Könnte aber auch daran liegen, dass Hamburg einfach ein beschissener Ort für Radfahrer ist. Für Letzteres spricht nicht nur, dass mein Bekanntenkreis ganz ähnliche Bilanzen zieht, sondern vor allem, dass ich in den zwanzig Jahre vor meiner Ankunft in Hamburg nahezu unfallfrei Rad gefahren bin. (Glatteis zählt nicht.)

Ja klar, natürlich ist nicht ganz Hamburg ein beschissener Ort zum Radfahren. Wissen wir doch. Aber trotzdem muss niemand lange suchen, um marode bzw. komplett fehlende Fahrradwege, rätselhafte Verkehrsführung oder rücksichtlose Autofahrer (und Radfahrer!) zu finden. Und da der rot-grüne Senat schon seit einigen Jahren Hamburg zur Fahrradstadt machen möchte, und dafür 30 Millionen Euro locker machen will, nutzen wir doch einfach mal die Gelegenheit: Lieber Senat, an folgenden 11 Orten sind die Millionen wirklich gut investiert!

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1

Alster (zwischen Kennedybrücke und Schwanenwiek)

„Ach, es ist so idyllisch, an der Alster Rad zu fahren”, sagte kein Radfahrer, jemals. Zumindest niemand, der auf dem schmalen Pfad zwischen Kennedybrücke und Schwanenwik unterwegs war. Zur Pendler-Rush-Hour hört man die aufgeregt am Trekkingrad klappernden Satteltaschen der heranschießenden Mitte-Vierzig-Anzugträger schon lange bevor einem ihre Warnwesten entgegenstrahlen. Die Devise: Rette sich wer kann! Und auf gar keinen Fall mit dem Hollandrad die Überholspur (also den Radweg) blockieren. Außerhalb der Rush-Hour verwandeln Touristen, Läufer und Senioren die Strecke in einen bunten Hindernisparkour. Die Devise nun: Durchatmen und niemanden vorsätzlich umfahren.

2

Kreuzung Axel-Springer-Platz / Stadthausbrücke / Große Bleichen

Kann mir irgendjemand erklären wie diese Kreuzung für Radfahrer funktioniert? Ohne, dass ich angehupt, angeschrien oder angefahren werde? Irgendjemand?

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3

© Weedezign via Shutterstock Bernstorffstraße

Die Bernstorffstraße steht stellvertretend für das gesamte Schanzen-Pauli-Areal. Grobes Kopfsteinpflaster, enge Straßen, noch engere Gehwege und ein Minenfeld aus Glasscherben machen Radfahren so ziemlich unmöglich. Absteigen und schieben ist hier wirklich die einzige Möglichkeit, um ohne Nervenzusammenbruch zum Ziel zu gelangen.

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4

Klosterstern-Kreisel

Der Klosterstern-Kreisel in Eppendorf besticht nicht nur durch einen buckligen, 50cm breiten Radstreifen, sondern auch durch ganze sechs Zufahrten. An jeder einzelnen sind Autofahrer aufs Neue überrascht und verärgert, dass Radfahrer und Fußgänger Gebrauch von ihrer (klar gekennzeichneten) Vorfahrt machen. Ein weiteres verlässliches Quell der Freude sind die Gegen-den-Strom-Radler, die alle anderen Radfahrer zu waghalsigen Ausweichmanövern auf den Gehweg oder den Grünstreifen zwingen. Freunde, die großen Pfeile auf dem Boden sind keine Deko. Sie geben die Fahrtrichtung an: Gegen den Uhrzeigersinn.

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5

Isestraße / Jungfrauenthal / St. Benedictstraße

In Eppendorfs Prachtstraßen gilt, aus Mangel an Radstreifen und überhaupt erkennbarer Verkehrsführung, das Recht des Stärkeren. Der Stärkere hat in der Regel vier Räder und, wie es scheint, weder Rück- noch Seitenspiegel. Jederzeit muss hier damit gerechnet werden, dass ein - im Stadverkehr völlig deplatzierter - Luxus-SUV aus einer Parklücke herausschießt oder überraschend den rechten Fahrbahnrand blockiert. Liebe Eppendorf-Vatis und -Muttis: Eure edlen motorisierten Untersätze haben mit Sicherheit nicht nur Spiegel, sondern auch Rückfahrkameras. Werft mal einen Blick hinein. Ihr rettet Leben!

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6

Osterstraße

In der belebtesten Einkaufsstraße Eimsbüttels werden Radfahrer auf einen holprigen, 30cm breiten Streifen auf dem Gehweg gezwungen. Der ist zudem für Fußgänger so schwer als Radweg zu erkennen, dass er in seiner Funktion völlig untergeht. Die Osterstraße steht hier exemplarisch für viele weitere ähnlich klug gelegten Radstreifen – wie beispielsweise in der Weidenallee und der Dorotheenstraße. Wer hat sich das ausgedacht? Und warum?

7

Reeperbahn und Umgebung

Ok, wer meint, mit dem Rad über die Reeperbahn fahren zu müssen, dem ist nun wirklich nicht mehr zu helfen. Ein Meer aus Betrunkenen und Glasscherben macht hier jede Fortbewegung auf zwei Rädern unmöglich, zumindest in der Zeit nach 18 Uhr. Doch auch auf den Nebenstraßen sieht es nicht besser aus. Wer beispielsweise über die Bernhard-Nocht-Straße Richtung Fischmarkt radelt, muss sich zunächst seinen Platz gegenüber Autofahrern hart erkämpfen, nur um anschließend in einem Affenzahn über das Kopfsteinpflaster des Pinnasberg auf eine Hauptverkehrsstraße zuzuschießen. Auf gar keinen Fall unter Alkoholeinfluss versuchen.

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8

Kreuzung Mansteinstr. / Bismarckstr. Richtung B5

Ein wunderbares Beispiel für eine Kreuzung, an der ein bis dahin gut ausgebauter Radweg einfach ins Leere läuft. Wie geht es hinter der Ampel weiter? Mit dem Rad auf den Gehweg kuscheln? Oder lieber gleich das Fahrrad abstellen und kapitulieren? Man weiß es nicht. Ähnlich sieht es übrigens an der Kreuzung St.Benedictstraße / Heilwigstraße und an der Fabrik in Ottensen aus.

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9

Stresemannstraße, Bahnunterführung

Spätestens nachdem ich morgens die Bahnunterführung zwischen Kaufland und Metro auf der Stresemannstraße hinter mir hab, bin ich hellwach. Denn hier haben Radfahrer etwas mehr als einen Meter Platz, zwischen einer Mauer zur Rechten und einem Geländer zur Linken. Genug Platz für einen Radfahrer. Einen. Spannend wird es, wenn man sich an Fußgängern vorbeiquetschen muss, und richtig spaßig, wenn einem andere Radfahrer entgegenkommen. Denn dann muss wirklich millimeter genau gearbeitet werden, damit sich keiner von beiden das Knie aufreißt. High Five an alle, denen ich dort jemals schon begegnet bin und die es heile herausgeschafft haben!

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Holstenstraße (Reeperbahn Richtung Max-Brauer-Allee)

Der Rad- und Gehweg an der Holstenstraße ab Reeperbahn Richtung Max-Brauer-Allee ist ein wahres Schlachtfeld. In unregelmäßigen Abständen stehen Gehwegplatten hoch, fehlen komplett, oder wurden von Wurzeln mehr oder weniger sanft beiseite geschoben. Ein Traum für jeden Mountainbiker, ein Albtraum für jedes Mittelklasse-Stadtrad.

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Max-Brauer-Allee (Sternbrücke - Bahnhof Altona)

Besonders im Berufsverkehr immer wieder ein Highlight - die Max-Brauer-Allee Richtung Altona Bahnhof. Der Radverkehr wird hier zu großen Teilen auf die Busspur geleitet, was kein großes Problem wäre, wenn a) die Autofahrer nicht auch alle auf die Busspur ausweichen würden und b) die Busfahrer verstehen würden, dass ihr Gefährt keine zierliche Elfe ist sondern so manchen Radfahrer gefährlich nah an den Kantstein des Gehweges drängt.

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