Ein Buchladen mit Herz: Buchhandlung Lüders

© Maria Kotylevskaja

Früher gehörten traditionelle Buchhandlungen noch fest ins Stadtbild. Heute sieht das leider anders aus. Viele der kleinen, schönen Läden wurden durch Online-Buchhandel und große Filialisten verdrängt. Und dennoch: Es gibt sie noch in Hamburg, die kleinen Buchläden mit Herz. Diese Orte, an denen man Freundschaften mit Romanhelden schließt, Seite um Seite am liebsten sofort verschlingen möchte und dabei jedes Zeitgefühl verliert. Wir nehmen euch mit auf eine kleine Entdeckungsreise und zeigen euch die schönsten Buchhandlungen Hamburgs.

Die Buchhandlung Lüders

Wer die Buchhandlung Lüders kennt, der weiß: Es ist einer jener magischer Orte, die man betritt und dann am liebsten für Stunden nicht mehr verlassen möchte. Man möchte in ihren Räumen stöbern, den Duft der Bücher einatmen, in den unzähligen Seiten blättern und Zeit verbringen. Weil es wie eine Welt zwischen alten und neuen Buchrücken ist, die sich fern von Stress und Alltagssorgen bewegt. In der man abschalten kann, eintschleunigen, sich wieder auf wertvolle Dinge wie das Bücherlesen konzentrieren. In der man entweder still und für sich sein oder sich mit den Verkäufern oder Käufern über Lieblingsbücher, Autoren und Inhalte austauschen kann. Immer in dem Bewusstsein, hier einen Ort zu betreten, der viele verschiedene Menschen im Hinblick auf eines zu verbinden vermag: Die Liebe zum Lesen.

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© Maria Kotylevskaja

Schon beim Betreten der Buchhandlung spürt man: Hier geht es um mehr als um die reine Präsentation von Büchern. Die Regale reichen bis zur Decke, sind bis in den letzten Winkel prall gefüllt mit Büchern - manche sind neu, viele antiquarisch und wertvoll. Besonders lieb gewonnen haben die Eimsbütteler ihre Buchhandlung, weil sie für etwas Besonderes steht: Sie ist authentisch, der lesende Mensch liegt ihr noch wirklich am Herzen und sie hat den Mut, tolle Bücher zu verkaufen, die nicht auf den Bestsellerlisten erscheinen.

Wahre Perlen, die einen umtreiben

Denn die Mitarbeiter der Buchhandlung füllen die Regale ganz bewusst vor allem mit den Bücher aus, die ihnen gefallen und die sie ihren Kunden als “Kulturgut” mit Überzeugung verkaufen können. Hier findet der Leser noch „wahre Perlen, die einen umtreiben“, sagt Sinje Hansen, die seit sechs Jahren als Buchhändlerin bei Lüders beschäftigt ist. Gemeinsam mit ihren Kollegen weist sie auch auf unbekannte(re) Autoren hin und schafft mit ihren Tipps ein Gegengewicht zu den Bestsellerlisten. Keine Sorge – auch ausgewählte Titel der Bestsellerlisten könnt ihr hier erwerben – aber eben sehr selektiert.

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© Maria Kotylevskaja

Dass der Familienbetrieb sich vor allem auf schöngeistige und optisch hochwertige Literatur spezialisiert hat und der Verkauf rund um Bestsellertitel daher eher in den Hintergrund gerät, ist aus wirtschaftlicher Sicht nicht unproblematisch. Viele der Titel, die hier in den Regalen stehen, werden nur einmal im Jahr verkauft. “In Buchhandlungen mit elektronischem Warenwirtschaftssystem würde längst die rote Lampe aufleuchten”, sagt Henner Haß, seit vier Jahren Mitarbeiter der Buchhandlung. Die Folge: Das Buch würde aus den Regalen verschwinden. Dennoch: Hier sind Titel wie “Der Fremde” von Albert Camus nicht wegzudenken, auch wenn sie keine Verkaufsschlager sind. Und genau das macht den Charme und die Bedeutung der Buchhandlung aus.

© Maria Kotylevskaja

Bücher sollten eine zweite Chance bekommen

In diesem Jahr feiert das traditionsreiche Geschäft, das heute von Ragna Lüders und Thomas Bleitner geführt wird und vier feste Mitarbeiter beschäftigt, ihr 60jähriges Jubiläum. Als Axel Lüders das damalige “Antiquariat Lüders” 1956 gründete, erfüllte er sich damit seinen persönlichen Lebenstraum: Er schuf einen Ort voller antiquarischer Schätze, die alle einen neuen Besitzer und somit eine zweite Chance bekommen sollten. Nach kurzer Zeit hatte sich der Laden, damals noch gegenüber von Karstadt ansässig, etabliert.

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© Maria Kotylevskaja

Mit den Jahren nahm Lüders auch immer mehr neue Bücher in sein Sortiment mit auf. Stück für Stück füllten sich die Regale bis an die Decke mit Wissenswertem, Unterhaltung und Hochkultur. Um sich zu vergrößern gab Lüders die einstigen Räumlichkeiten Jahre später auf und zog mit seinen Büchern und dem Mobiliar in den Heussweg 33. Seit dem Jahr 1956 hat sich die Buchhandlung Lüders ihren besonderen Charakter erhalten und sich doch gleichzeitig innovativ weiterentwickelt.

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© Maria Kotylevskaja

Amazon als Bedrohung?

Nicht für die Buchhandlung Lüders. Weil sich das Geschäft an einem günstigen Verkehrsknotenpunkt direkt an der U-Bahn Osterstraße mit vielen Läden und Arztpraxen befindet und in der Umgebung sehr viele Menschen mit dem Bewusstsein für den regionalen Buchhandel leben, laufen die Geschäfte nach wie vor gut. “Wozu auch bei Amazon bestellen, wenn die Bücher bei uns oft sogar viel schneller ankommen?”, fragt Haß. Denn wenn das gewünschte Werk mal nicht im Regal steht, dann kann der Buchhändler es mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem Tag auf den anderen bestellen. Wenn ihr das Buch eurer Wahl bis um 19:00 Uhr bestellt, liegt es schon am nächsten Vormittag für euch bereit.

Warum wir noch Bücher kaufen sollten? Ganz einfach: Jedes Buch hat eine eigene Geschichte. Nimmt man sich die Zeit und wirft einen ausführlichen Blick auf sein Bücherregal, so kann man sich ganz bestimmt bei jedem Buch an mehr als nur den Inhalt erinnern.
Henner Haß

Dass der Beruf des Buchhändlers ein echter Glücksberuf sein kann, sieht man den Mitarbeitern der Buchhandlung  jedes mal aufs Neue an, wenn man den Laden betritt: Hier machen die Menschen ihren Job noch aus purer Leidenschaft zur Literatur. Sie sind stets freundlich, laden auch einfach nur zum Stöbern ein und verbreiten mit ihrer Sachkenntnis und ihren neusten Lesetipps die Freude am Lesen. „Hier steckt ein Stück von uns allen drin“, sagt Henner Haß.

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Hamburger Buchtipps

Sinje Hansen empfiehlt Achill Moser: Zu Fuß hält die Seele Schritt (erschienen bei Hoffmann und Campe)

Unterwegs in der Welt, unterwegs zu sich selbst: Das Gehen und Wandern, die ursprünglichste Bewegungsform des Menschen, ist eine Form der Glückssuche. Denn wer geht, kommt ins Sinnieren und läuft auch durch seine eigene Denklandschaft. Ob in den Wüsten der Welt, auf Chinas Seidenstraße, entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze oder auf Don Quijotes Spuren in der spanischen La Mancha - überall erlief sich Achill Moser, der seit vielen Jahren im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel lebt, ungeahnte Einsichten. Er berichtet von echten Abenteuern, den unterschiedlichsten Formen des Gehens und vor allem davon, wie das Gehen den Blick auf die Welt und sich selbst verwandelt.

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© Imke Wrage

Henner Haß empfiehlt Michel Ruge: Der Bordsteinkönig (erschienen im KNAUR-Verlag)

Michel wird 1969 auf Sankt Pauli geboren. Der Vater: Zuhälter, abgehauen. Die Mutter: Blutjung, Kellnerin in einer Bar – oder so was. Seine Jugend ist wild. Den ersten Sex hat er mit 12 – in einem Bordell. Und kurz darauf geht es nicht um die Frage, ob er sich einer Gang anschließen sollte, sondern: welcher … Um Respekt geht es hier, auch um Männlichkeit und das Gefühl dazuzugehören. Und schließlich steht er vor der Kernfrage, auf die alles zuläuft: Werde ich Zuhälter oder nicht? "Bordsteinkönig" ist ein beeindruckendes und ungeschminktes Bekenntnis zur eigenen Herkunft.

Montag - Freitag: 09-21 Uhr, Samstag: 09-19 Uhr

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