11 gruselige Orte in Hamburg

© Urban Explorer Hamburg via flickr CC-BY 2.0

Der 31.10. ist nicht irgendein Tag, es ist Halloween! Seit tausenden Jahren begehen wir verkleidungswütigen Mitteleuropäer das traditionsreiche Gruselfest mit Kürbis, Schminke und Süßigkeiten. Und dieses Jahr gibt es sogar extra Feiertags-frei! Wer trotzdem keine Zeit für schaurige Parties hat: Um doch noch den gewissen Gruselfaktor in diesen äußerst wichtigen Tag zu bringen, haben wir euch 11 Orte herausgesucht, an denen euch die Angst durch Mark und Bein fährt!

1. Die Europapassage

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Was in diesem Gebäude passiert, gehört eigentlich hinter eine vierstellig verschlüsselte Kindersicherung gepackt: Kreischende Kinder, die von der dritten Pepsi unter einem heftigen Zuckerschock stehen, reißen an der Jacke des Vaters. Auf dessen Stirn stehen bereits Schweißperlen, weil übernatürliche Kräfte ihm seit 10 Uhr das Konto leer räumen und er wegen der tausenden Menschen kurz vor einem Kreislaufkollaps steht. Gerade hat er sich in einen der begehrten Massagesessel geflüchtet, packt ihn ein stark behaartes Wesen mit langen Krallen von hinten am Kragen und grunzt mit bebender Stimme: "Ich hab doch gesagt, ich muss noch zu Desigual, du Pfeife! Immer musst du dich irgendwo hinsetzen!". Zitternd folgt er seiner Frau ins Erdgeschoss.

2. City Süd

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Seelenlos, seelenloser, City Süd. Grau in grau in graugraugrau. Fifty Shades of trostlos. Zwischen Bürogebäuden pfeift der Wind. Banken und Versicherungen reihen sich aneinander - gruseliger geht's kaum. Zwischendurch eilen Geschäftsleute zu Büros. Im Kanal wurde vor ein paar Jahren ein Giftfass gefunden. Noch gruseliger ist die City Süd bei Nacht: Denn zwischen Geizoase (ja, es ist das, wonach es sich anhört) und S-Bahn-Brücken wandelt nicht gern, wem ein sicherer Heimweg am Herzen liegt.

3. Weihnachtsmarkt auf dem Rathausmarkt

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Du liebst den Kontrollverlust, willst den Nervenkitzel im Handgemenge? Nein? Dann ist der Weihnachtsmarkt der perfekte Gruselort für dich.

Hier kannst du nicht eigenständig entscheiden, an welchen Stand du gehst oder auch nur, welche Richtung du einschlägst. Denn es handelt sich nicht um individuelle Weihnachtsmarktbesucher, sondern eine ferngesteuerte Masse, die in völlig unvorhersehbare Richtungen strömt. Dazu natürlich KEIN Glühwein (weil man nicht in die Nähe der Glühweinstände kommt, sondern nur in die Gasse mit den Puppenverkäufern gedrängt wird). Somit stellten sich nicht nur des Publikums wegen die Nackenhaare auf.

4. Landungsbrücken am Sonntagmittag

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“Hey, das Wetter ist so gut, lass uns doch mal wieder an die Landungsbrücken  fahren…”, said no Hamburger im Oktober ever. Denn wer sich auf einen schönen Spaziergang am Wasser freut, der drängt sich mit allen anderen, die dieselbe Idee hatten, unten an den Landungsbrücken und sorgt sich hauptsächlich darum, nicht ins Wasser zu fallen. Platzangst garantiert.

Die Stimmung zwischen Imbissen, Fischbrötchenständen und Kartenverkaufsstellen ähnelt eher dem letzten Tag eines zweiwöchigen Volksfest als einem Hafen. Wankende Gruselgestalten, die sich "Junggesellenabschied" nennen, kriechen von St. Pauli her Richtung lustigen Sauftrip an Bord eines der Hafenrundfahrtschiffe und das Konzept des Südstaatendampfers ist uns allen auch noch nicht ganz klar geworden. Fahren da eigentlich Leute mit? Warum? Ist es ein Geisterschiff?

5. Große Freiheit

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„Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ ist heute nur noch ein romantisches Klischee, freiwillig begibt sich kaum noch jemand Einheimisches am Wochenende auf den Kiez. Warum nicht, kann man sehr leicht nachfühlen, in dem man an einem Samstag Abend der grusligsten Straße Hamburgs, der „Großen Freiheit“, einen kurzen Besuch abstattet.

Verdichtet auf wenige hundert Meter trifft man hier eine höchst abstossende Mischung aus Ballermann, Kirmes und Oktoberfest. Super trashige Bars und unangenehme Kommerz-Clubs buhlen mit billigem Alkohol und ohrenbtäubendem Bums-Techno um die größtenteils eh schon rotzvolle Kundschaft vom Land, die je nach Geschlecht rumkreischt oder –brüllt, dich gern auch mal anpöbelt oder dir gleich auf die Schuhe kotzt. Gruseliger als die schlimmste Geisterbahn.

6. Fischmarkt

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Der „kultige“ Ausflug zum Fischmarkt nach einer ausgiebigen Sauftour über die Reeperbahn gehört sowohl für Partytouristen und JungesellInennabschiede als auch die Musical-Fraktion zu einem Hamburg-Ausflug unbedingt dazu. Wem beim Wort „kultig“ noch kein Schauer über den Rücken läuft, der sollte sich Samstags oder Sonntags morgens mal zum Fischmarkt begeben.

Bei dem Gedränge vor Ort kommt ungefähr so viel Wohlfühlstimmung auf wie in der vollgestopften U-Bahn zur Rush Hour, da macht es gleich doppelt so viel Spaß, mit einer überdimensionierten Billi-Topfpflanze aus Holland und einer Tüte mit altem Aal und halb vergammelten Südfrüchten über das Kopfsteinpflaster zu stolpern, um sich in der Fischauktionshalle noch ein paar Bierleichen anzuschauen, die auf der Tanzfläche vor der Bühne mit einer schlimmen Coverband noch einmal alles geben.

Wenn es ganz schlecht läuft, geht man noch mit einer von ihnen nach Hause oder muss mit der angereisten Verwandschaft neben dem Kartenspielclub Simonswald-Berg e.V. einen stundenlangen Sektbrunch über sich ergehen lassen. Maximaler Gruselfaktor!

7. Volksparkstadion

Wo man singt, da lass dich nieder, denn böse Menschen haben keine Lieder. Dieser Satz war schon immer so falsch wie „Wer abends feiern kann, kann auch morgens aufstehen.“, und bewahrheitet sich auch bei einem Besuch im Volksparkstadion.

Hier kann man in großer Anzahl rotköpfige und/oder übergewichtige Männer mittleren Alters treffen, die anscheinend eher wegen ihrer Liebe zu Bier und Schweißgeruch denn zu Fußballsport angereist sind. Von letzterem ist in diesem Kessel am Rande der Autobahn meistens eh wenig zu sehen, und so kann man sich voll darauf konzentrieren, die Umgebung des Stadions vollzupissen sowie gegnerische Fans und Spieler zu beleidigen und zu provozieren.

Da die Erinnerung jedoch mit dem Anpfiff der zweiten Halbzeit schon endet, fehlt den Stehplatzprofis jedes Schamgefühl. Das Endergebnis sowie Schal und Geldbörse kommt meistens erst mit der Bild am Sonntag bei ihnen an.

8. Club du Nord

Klischées sind gruselig, besonders wenn sie der Wahrheit entsprechen. Im Herzen Winterhudes feiert die postpubertär-schöne Elite aus gutem Hause – vor allen Dingen sich selbst. Wer hier seinen Champagner auf sozial Gleichgestellte verschütten möchte, sollte den Richcode fliessend sprechen. Für vollständiges Unbehagen sorgt verlässlich das ältere Herrenpublikum, welches gerne bei den kürzesten Röcken anklopfen würde… trick or creep!

9. Hamburger DOM

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Ratternde Maschinen und kreischende Menschen. Von was sprechen wir? SAW 1-7 oder vom Hamburger DOM? Egal, beides grausam. Bei ersterem werden Menschen unfreiwillig in ihre Einzelteile zerlegt, bei letzterem geben Menschen ihr letztes Geld für zwei Minuten "Fun" aus. Beides macht keinen Sinn. Würde man an dieser Stelle nach weiteren Analogien zwischen einem Freizeitpark und einem Horrostreifen suchen - die Liste wäre endlos. Der Hamburger Dom ist somit definitiv ein Ort um sich zu fürchten - vor allem bei all den Zuckerwatten-Zombies, die einem dort entgegenhumpeln.

10. Apple Store

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Betreten Menschen (potentielle Kunden) einen Apple Store, verwandeln sie sich innerhalb von Sekunden zu apathisch starrenden Geschöpfen, die alle zivilisatorischen Errungenschaften aufgeben und wie wild auf Touchscreens rumdrücken. Nicht selten kann man (vor allem) junge Männer dabei beobachten, wie sie nacheinander alle ausgestellten iPhones und iPads durchprobieren. Mit einer Konzentration, als würden sie eine Bombe in letzter Sekunde entschärfen. Ganz klar, hier ist ein böser Zauber am Start. Avada Kedavra!

11. Mit Vergnügen-Redaktion

Wem diese zehn ausgefallenen Orte noch nicht reichen, der darf gerne den ein oder anderen Tag bei uns verbringen. Am besten den Tag nach dem monatlich stattfindenden Bingovergnügen, denn da liegt nicht nur ein scharfer Geruch in der Luft, sondern auch die vom Kater verzerrten Gesichter jagen einem das Adrenalin durch die Pulsadern. Was bei uns vor allem einen hohen Gruselfaktor aufweist: Nichts hat Hand und Fuß - wie am Ende eines gruseligen Splatter-Streifens. Buh!

Titelbild: © S. Grossien

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