11 Hamburger*innen, die die Welt verbessern

Foto: Roeler | © Mit Vergnügen GmbH

Wir finden, die Welt zu verändern ist eigentlich gar nicht so schwer. Wichtig ist, dass du irgendwo anfängst und dir bewusst machst, dass es auf dich ankommt – denn jede*r einzelne von uns gestaltet die Welt, in der wir leben!

Genau das ist auch die Message der Initiative "Die Weltverbesserer", die die Techniker Krankenkasse in Kooperation mit dem FC St. Pauli ins Leben gerufen hat. Sie möchte mit positiven Beispielen motivieren und so zeigen, dass soziales Engagement keine Herkulesaufgabe ist, sondern ein kleiner Beitrag, den jede*r leisten kann.

Wir haben elf beeindruckende Hamburger*innen getroffen, die genau das für sich erkannt haben: Sie alle setzen sich für ein Herzensprojekt ein, gestalten unser soziales Miteinander aktiv mit und machen damit unsere Welt jeden Tag ein kleines bisschen besser.

Wir hoffen, ihr lasst euch so wie wir von ihnen und ihrem Engagement ein wenig inspirieren - entweder im Bezug auf eigene Ideen zur Verbesserung unserer Welt oder aber, in dem ihr vielleicht das ein oder andere Projekt selbst unterstützt!

1. Charlotte Frey – Gründerin von Climb Lernferien

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Im November 2012 hat Charlotte ihr Projekt "climb" gegründet – ein deutschlandweit einzigartiges Bildungsprogramm. Mit ihrem Team organisiert sie Lernferien für Kinder und Erwachsene. In den Schulferien wird gemeinsam voneinander gelernt: Die Kinder werden auf ihrem Bildungsweg gefördert und die Erwachsenen auf Führungsaufgaben und das Gestalten von Bildungslandschaften vorbereitet. Mittlerweile machen circa 700 Kinder in drei verschiedenen Städten mit. Die Idee für ihr Projekt kam Charlotte während ihrer Arbeit als Grundschullehrerin, sie erkannte das ungenutzte Potenzial der Lehrer und Kinder voneinander lernen zu können.

Wie setzt du mit deiner Organisation deine Vision einer besseren Welt um?

"Indem ich und mein Team Schulferien für eine mutigere Gesellschaft veranstalten. Unsere Ferien sind so wie Schule und Gesellschaft sein sollten: inklusiv! Jeder lernt bei uns seine Stärken kennen, übernimmt Verantwortung und lernt von dem anderen – Kindern von Erwachsenen und umgekehrt."

2. Christiane Hollander – Volljuristin bei Mieter helfen Mietern

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Christiane Hollander ist seit 1983 Mitglied bei "Mieter helfen Mietern", einem Verein, der sich darauf spezialisiert hat, die Rechte von Mieter*innen zu stärken und sie bei Problemen mit ihren Vermieter*innen zu unterstützen und mit Expertenrat zur Seite zu stehen - von Nebenkostenproblemen über Fragen zu Kosten der Unterkunft bis hin zu Schriftwechsel und Verhandlungen.

Als Christiane in den Verein eintrat, studierte sie noch Jura. Weil sie die Arbeit des Vereins faszinierte, beschloss sie, ihr Referendariat bei "Mieter helfen Mietern" zu absolvieren und blieb nach erfolgreich absolviertem Staatsexamen als Volljuristin gleich dort.

Heute berät sie seit 25 Jahren Mieterinnen und Mieter in Fragen rund um Wohnprojekte und soziale Erhaltensverordnung, außerdem ist sie Expertin für Stadtteilpolitik. Auch nach einem Viertel Jahrhundert im Beruf reizen sie noch immer die individuellen Charaktere und Probleme ihrer Mandat*innen, die spannenden Geschichten und im besten Falle der Sieg am Ende eines Falles. Besonders viel Mut und Kraft zieht sie aus besonders schwierigen, fast aussichtslosen Fällen, wie zum Beispiel beim bekannten Fall des Golden Pudel Clubs, die dann zur Zufriedenheit aller gelöst werden.

Wie setzt du mit deinem Engagement deine Version einer besseren Welt um?

"In meiner Vision einer besseren Welt ist es jedem Menschen möglich, in dem Quartier zu leben, in dem er sich wohl fühlt und leben möchte. Das setzen wir um durch eine Zusammenarbeit mit Stadtteilzentren und Sozialarbeiter*innen, die vor Ort aktiv sind. So können wir auch die Menschen beraten, die in der Regel nicht den Weg in ein Beratungszentrum finden. Darüber hinaus hören wir unseren Mitgliedern gut zu und setzen um was sie wollen, nicht was wir wollen. Wichtig ist auch die politische Arbeit, um die Rechte der Mieter*innen grundsätzlich zu stärken."

3. Michel Arriens – Inklusionsaktivist und Campaigner bei change.org

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Michel ist Online-Aktivist, Blogger, Speaker für Inklusion und gegen (mediale) Diskriminierung. Er ist Vorstandsmitglied und Pressesprecher des "Bundesverbandes Kleinwüchsige Menschen und ihre Familien e.V", außerdem ist er Campaigner und Leiter für Soziale Medien bei "Change.org". Darüber hinaus gibt er Workshops zum Thema (digitale) Barrierefreiheit.

Michel sagt von sich selbst, in einem Leben voller Hürden aufgewachsen zu sein, früh zu oft an Barrieren gestoßen zu sein und hat deshalb bereits mit achtzehn Jahren angefangen, sich für seine Rechte und Freiheiten sowie für die anderer einzusetzen. Für ihn sind es sowohl die Erfolge als auch die Misserfolge, die seine Arbeit spannend machen: Natürlich sind Fortschritte seine Motivation, doch zu sehen, an welchen Schrauben alltäglich noch gedreht werden kann, lässt ihn weiterkämpfen für eine fairere Welt.

Wie setzt du mit deinem Engagement deine Version einer besseren Welt um?

"In meiner Version einer besseren Welt haben alle die gleichen Rechte und die gleichen Chancen – das kann bei der Stufenlosigkeit im Alltag anfangen. Das möchte ich durch meine verschiedenen Projekte erreichen. Bei change.org bieten wir Menschen eine Plattform, um für ihre Rechte zu kämpfen. Als Inklusionsaktivist kämpfe ich für Gleichberechtigung und Gleichbehandlung.

In meiner Rolle als Vorstand im Bundesverband Kleinwüchsige Menschen und ihre Familien e.V geben wir Hilfe zur Selbsthilfe und machen auf die Rechte und Bedürfnisse von Kleinwüchsigen aufmerksam. Mit dem Projekt 'leidmedien.de' berate ich Medienhäuser, speziell Journalisten, die unsicher im Umgang mit der Sprache über Menschen mit Behinderung sind. Auch wie wir über Menschen sprechen, hat viel mit Chancengleichheit zu tun."

4. Dorothee Vogt – Mitgründerin von Demokratie in Bewegung

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Dorothee hat gemeinsam mit einer Gruppe von Aktivist*innen am 29. April 2017 eine neue Partei gegründet: "Demokratie in Bewegung". Wie sie sagt, für sie persönlich ein einschneidendes Erlebnis. Den Anstoß gab den Gründer*innen die Wahl von Donald Trump zum Präsident der Vereinigten Staaten und dem rasanten Aufstieg der AfD. Das Ziel war es, den Tendenzen in Deutschland, Europa und in der ganzen Welt etwas entgegen setzen.

Der Grundgedanke, den alle Mitglieder teilen, ist es, einen Weg aus der vermeintlichen Alternativlosigkeit finden zu wollen, andere Politik zu machen, als wir sie kennen und das über völlig neue Impulse. Dorothee motiviert es zu sehen, wie viele Menschen innerhalb kürzester Zeit bei Demokratie in Bewegung angefangen haben, sich mit jeder freien Minute zu engagieren. Ihre Inspiration: Zu erleben, wie aus einer Utopie Realität wird.

Wie setzt du mit deinem Engagement deine Version einer besseren Welt um?

"Ich bin der Überzeugung, dass es für eine bessere Welt viele verschiedene Formen der Beteiligung braucht. In unserer Demokratie sind Parteien der Kern der Beteiligung –leider holen sie die Menschen nur immer weniger ab. Das Gefühl, Konzerninteressen würden über den Interessen des Gemeinwohls stehen, schleicht sich nach und nach ein. Deshalb glaube ich, dass in einer neuen Partei das Potenzial liegt die Welt grundlegend zu verändern."

5. Jessica Louis – Feministin, Aktivistin, Markenstrategin

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Jessica arbeitet als freischaffende Markenstrategin und Kommunikationsdesignerin. Für Greenpeace hat sie die Visual Identity und Markenstrategie der international erfolgreichen Kampagne Make Smthg entwickelt, die die nötige Veränderungen unseres Konsumverhaltens leichtfüssig und inspirierend vermittelt. Im Rahmen des Kulturagenten-Programms des Bundes konnte sie in mehreren Projekten mit Schüler*innen unterschiedlicher Stadtteilschulen künstlerisch & empowernd zusammenzuarbeiten. Als Teil der Sisterhood war Jessica Mitinitiatorin des Sister’s March 2017 sowie des ersten Frauen* Barcamps in Hamburg. Jessica ist Mutter von zwei Mädchen.

Wie setzt du mit deinem Engagement deine Version einer besseren Welt um?

"Ich denke alles beginnt damit, dass wir uns bewusst werden »ich kann Gesellschaft mitgestalten. Sie gestaltet sich nicht ganz von alleine in meinem Sinne«. Mein persönlicher Schlüsselmoment war, als 2015 die Geflüchteten in die Hamburger Messehallen kamen und die Stadt – für mich völlig schockierend und desillusionierend – nicht nur keinen guten, sondern gar keinen Plan hatte. Wie kann es sein, dass wir Menschen so unwürdig empfangen und unterbringen? Das hat im – und weit ums Karoviertel herum – eine mitreißende Kultur des Gesellschaft-Selber-Machens entstehen lassen.

Heute – 3 Jahre später – führt ein Sexist Amerika an, befördert eine rechte Partei im Deutschen Bundestag (!) ein Klima der Angst und des Misstrauens, werden Menschen in unsichere Herkunftsländer zurückgeschickt, und beschimpfen und bedrohen Menschen öffentlich und unverhohlen Andersdenkende, -glaubende und -lebende. Wenn ich all das nicht will, wenn ich zukünftig in einer pluralen, fairen, toleranten und offenen Gesellschaft leben möchte, muss ich Teil einer Kultur sein, die genau diese Werte öffentlich vertritt – und vor allem lebt. Das bedeutet, ins Vertrauen zu gehen, Türen zu öffnen, sich gegenseitig zu stärken und zu ermutigen, gemeinsam zu denken, offen und zugewandt zu diskutieren und Brücken zu bauen, statt dicht zu machen. Der Sister’s March und die Frauen* Barcamps (das nächste am 26. Mai) sind die ersten öffentlichen, ideellen Räume, die wir für die Entwicklung einer solchen Kultur haben entstehen lassen – es werden weitere Räume folgen."

6. Jakob Berndt – Mitgründer von Tomorrow

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Anfang des Jahres gründeten Jakob und seine Partner Inas und Michael "Tomorrow", und weil es nicht schnell genug gehen kann, wenn es um die Verbesserung unserer Welt geht, launchen sie bereits im Juni ihr Produkt: ein nachhaltiges Girokonto für unsere Smartphones. Einfach erklärt geht es bei Tomorrow darum, unser Geld umzuleiten. Anstatt mit deinem Geld schlechte Industrien zu finanzieren, indem du es am herkömmlichen Kapitalmarkt anlegst, kannst du es nun nachhaltig bei Tomorrow positiven Impact leisten lassen. Dann werden mit deinem Geld wundervolle Dinge finanziert, wie zum Beispiel Aufforstungsprojekte, erneuerbare Energien und ökologische Landwirtschaft. Für Jakob, Inas und Michael ist es besonders wichtig, unseren Alltag positiv beeinflussen zu können. Sie haben die Hebelwirkung von Geld erkannt und merken: Die Idee kommt an, der Bedarf an Veränderung ist gross! Das ist ihr Motor bei ihrem Bank-Projekt.

Wie setzt du mit deinem Engagement deine Version einer besseren Welt um?

"Unsere Grundidee ist es, dass Geld ein Teil der Lösung sein kann. Leider ist es momentan noch Teil des Problems. Wir wollen die Welt besser machen, indem wir das Geld umleiten, es vergleichsweise schlechten Firmen entziehen und es in vergleichsweise gute, nachhaltige Firmen investieren. Wir wollen Geld einfach positiv einsetzen und seine Wirkung positiv für die Gesellschaft und unsere Welt nutzen."

7. Janina Alff – Mitgründerin Hanseatic Help e.V.

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Als Janina im August 2015 mit einer Tüte voller Kleidung in die Messehallen kam, um sie den angekommenen Flüchtlingen zu schenken, konnte sie nicht mehr gehen. Sie ist geblieben, hat geholfen und kurz darauf Hanseatic Help e.V. gegründet. Was mit Flüchltingshilfe innerhalb Hamburgs begonnen hatte, wuchs rasant an. Heute versorgt der Verein Menschen weltweit mit Kleidung (u.a. in Syrien und Irak), sammelte Spenden für die möblierte Obdachlosencontainer in Groß Borstel, baute diese kurzer Hand auf und ist eine Anlaufstelle, wenn es um die materielle Versorgung sozial schwacher Menschen geht.

Bei Hanseatic Help kann jeder mitmachen, alles was du brauchst ist dein Namensschild. Genau das ist für Janina das größte Geschenk – die bunte Gemeinschaft. Im Verein engagieren sich nämlich neben ehrenamtlichen Helfer*innen auch auch Menschen mit Fluchthintergrund im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes. Sie steigern so ihre Jobchancen, lernen die Sprache, gewinnen an Selbstwert und fühlen sich schnell wohler und geborgener in der Gesellschaft. Etwas gemeinsam anzupacken, etwas zu schaffen und daraus einen Mehrwert zu ziehen, das ist bedeutend für Janina bei ihrer Arbeit.

Wie setzt du mit deinem Engagement deine Version einer besseren Welt um?

"Indem wir nicht nur direkt durch Sachspenden helfen, sondern auch zum Helfen animieren. Jede*r kann bei uns mitmachen, wir zeichnen uns durch unsere flachen Hierarchien aus. Abseits unseres Hilfsangebots sind wir auch ein Ort der Begegnung. Wir schaffen Aufmerksamkeit für die Realität und die Nachbar*innen."

8. Andrea Bandelow – Umweltaktivistin

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Andrea setzt sich für planetarische Grenzen ein und das in jeder erdenklichen Form. Die meisten von euch werden sie wohl durch ihre Reise-Uni kennen oder als Plastikfrei-Aktivistin. Seit drei Jahren engagiert sie sich in vielfältigen Initiativen und Bewegungen. Ein großer Erfolg dabei: die Petition Rewe Plastikfrei!
Mit ihr kämpft sie für den Verzicht von Plastikverpackungen der Bio-Produkte in der Supermarktkette.

In ihrer Reise-Uni ist sie mit Partner Johannes quer durch Deutschland und anliegende Länder unterwegs, um Experten zu besuchen und mit ihnen über die Zukunft unseres Ökosystems zu debattieren – stets getrieben von der Frage: "Wie schaffen wir es konkret, unser Handeln im ausreichenden Tempo nach unseren planetarischen Grenzen auszurichten?"

Eigentlich ist Andrea studierte Pianisten, Johannes hat Biologie studiert. Erst als sie ihn traf, wurde ihr bewusst, wie ernst es um unseren Planeten steht. Sie kam zu dem Entschluss, dass Kunst allein nicht reichen würde, es müsse effektiv und schnell gehandelt werden. Seitdem sucht Andrea immer wieder nach den Stellschrauben, an denen sie mit ihrer Arbeit ansetzen kann. Nach und nach klärt sich ihr Blick auf unseren Ökoorganismus. Diese wachsende Klarheit möchte sie weitergeben, das ist ihre Motivation.

Wie setzt du mit deinem Engagement deine Version einer besseren Welt um?

"Indem ich regelmäßig verschiedene Expert*innen besuche und ihre Projekte kennenlerne. So versuche ich nachzuvollziehen, was ich wirklich bewegen kann. Ich lege dabei mein Augenmerk auf unsere planetarischen Grenzen. Ich versuche stets durch zwei Strategien Druck auszuüben, um die Welt zu verbessern: Zum einen kann man von unten nach oben Druck ausüben. Hier gibt es weit vielfältigere und effektivere Handlungsmöglichkeiten, als nur den nachhaltigen Konsum. Es gibt zahlreiche lokale Initiativen, wie z.B. die Solida­rische Landwirtschaf­t, Hamburg im Wandel, Foodsharing oder auch wichtige Umweltschutzbewegungen wie FossilFree, die sich für das Deinvestment aus fossilen Brennstoffen einsetzen."

Zusätzlich könne man von oben nach unten Druck ausüben. Dass funktioniert indem man auf die Gesetzgebung einwirkt. Neben dem Engagem­ent in Parteien kann man hier u.a. unabhängige Briefe und Gespräche mit Politikern führen, "Policy Proposals" sch­reiben, lokale Gremien oder Kammern mit den eigenen Schwerpunkten "entern" oder eben Petitionen bzw. Volksbegehren in Gang zu setzen.

Diese beiden Strategien so gut es geht zu vernetzen sei eine weitere Herausforderung, die viel Potential frei setzen könne. "Dabei könnten die unterschiedlichen politisch engagierten Kreise viele Schnittstellen, neue Impulse und Synergien finden."

"Man kann also sehr viel kreativer werden als man denkt!" - Andreas Ziel ist es, da verschiedene Strategien zu evaluieren und am Ende des Jahres eine Broschüre zu verfassen. "Dafür setze ich mich auch mit dem sogenannten Effektiven Altruismus auseinander, für den ich eine Lokalgruppe initiiert habe, in dem regelmäßig über all das diskutiert wird."

9. Mitra Kassai – Oll inklusiv

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Gemeinsam statt einsam, das ist das Motto von "Oll Inklusiv", einer Agentur für Senioren, Senioritas und Menschen 60+, erdacht von Mitra. Im Dezember 2017 fanden die ersten Veranstaltungen für die Alt-68-er-Generation im Mojo Jazz Café statt und nach langem Evaluieren und Gedanken schubsen folgte Anfang 2018 die Gemeinnützigkeit.

Mitra ist Kultur- und Eventmanagerin (u.a. sitzt sie im Beirat der Millerntor Gallery und im Vorstand bei RockCity e.V.) und arbeitet in ihrer Freizeit ehrenamtlich in Seniorenresidenzen. Ihr Ziel: Arbeit und soziales Engagement miteinander zu verknüpfen. So kam sie auf die Idee, Oll Inklusiv zu gründen. Ihr geht es um die Menschen 60+, Senioren und Senioritas, die Rentner*innen und Alleingelassenen. Ihr geht es darum, wie man sie ins aktuelle Geschehen einbezieht, die Jungen wie die Alten.

Viele bedanken sich nach Feten persönlich bei ihr und gehen mit einem Lächeln nach Hause – das lässt sie an ihr Projekt glauben.

Wie setzt du mit deinem Engagement deine Version einer besseren Welt um?

"Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich mit Oll Inklusiv Senioren, Senioritas und Menschen 60+ eine schönere Zeit gestalten kann. Mir geht es darum, dass man sie an die Hand nimmt und inkludiert in eine Welt, die immer noch und nach wie vor uns allen gehört, den Jungen wie den Alten und da bin ich auf dem richtigen Weg – durch Spaß und Gemeinschaft."

10. Kübra Gümüsay – Menschenrechtsaktivistin & Journalistin

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Kübra ist Aktivistin und Journalistin. Sie co-initiierte die Hashtag-Kampagnen #schauhin gegen Rassismus im Alltag und #ausnahmslos gegen Sexismus, sexualisierte Gewalt und Rassismus. Zusätzlich schob sie im Rahmen eines Vortrags die Aktion "Organisierte Liebe" an. Bereits als Schülerin engagierte Kübra sich schulpolitisch und war Chefredakteurin eines Hamburger Jugendmagazins.Anfang zwanzig wurde sie Kolumnistin bei der Taz und schrieb dort über Islamfeindlichkeit, Sexismus und Rassismus. Das Magazin Forbes zählte sie 2018 zu den Top 30 unter 30 in Europa im Bereich Media und Marketing.

In den letzten Jahren engagierte sie sich insbesondere gegen Hass im Netz und für eine konstruktive, besonnene Diskurskultur - die Kampagne #OrganisierteLiebe war ein Teil dessen. Die Welt ist nicht perfekt, jeder kann sie mitgestalten anstatt sie und sich selbst gestalten zu lassen, das ist ihre Überzeugung. Es motiviert Kübra zu sehen, dass ihr Anspruch weltweit geteilt wird. Das fiel beispielsweise bei der Aktion #ausnahmslos, die weltweit Zuspruch erfuhr, im Bundestag thematisiert und preisgekrönt wurde. Etwas verändern zu können und mit anderen Menschen eine Überzeugung zu teilen – das ist der Motor ihrer Arbeit.

Wie setzt du mit deinem Engagement deine Version einer besseren Welt um?

"Ich habe mich von der Erwartungshaltung gelöst, dass ein*e Einzelne*r die Welt tatsächlich besser machen kann und sich Engagement schon zu Lebzeiten lohnen muss. Ja, man sollte beständig daran arbeiten, aber es braucht dabei auch eine gewisse Demut. Die Einsicht, dass wir nur Menschen mit zwei Armen und Beinen sind. Dass wir alles tun können, was in unserer Macht steht. Aber auch nicht mehr tun können oder müssen. In meiner Version einer besseren Welt existiert eine nachhaltige Diskurs-Kultur. Ich möchte sowohl den Zugang als auch die Kommunikation in unserer Gesellschaft verbessern. Dazu müssen wir öffentliche Räume zum Nachdenken, Nachfragen und Zweifeln schaffen. Es braucht Räume, in denen es erlaubt ist, Ideen und Thesen zu formulieren, die noch nicht ausgereift sind. Erst so wird es möglich, neue Visionen zu konzipieren. Ich möchte unsere Gesellschaft progressiver gestalten, mit mehr Mut für neue Gedanken, für die Zukunft."

11. Manuela Maurer – Initiatorin von Chickpeace

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Angefangen hat alles, als Manuela in der Flüchtlingshilfe Heimfeld geholfen hat, in der 180 alleingereiste Frauen die Hälfte der Bewohner*innen ausmachten. Sie merkte schnell, dass Sprach- und Kulturbarrieren am schnellsten fallen, wenn man gemeinsam etwas anpackt und initiierte daraufhin die "Buffetbegegnungen", bei denen jeweils fünf Hamburgerinnen und fünf geflüchtete Frauen gemeinsam einkauften und landestypisch kochten. Verständigungsprobleme verringerten sich und in einem spontanen Testlauf kochten die Frauen für ein Event. Das kam so gut an, dass im Sommer 2016 der Cateringservice "Chickpeace" entstand. Zwölf geflüchtete Frauen kochen hier, mittlerweile in einer festen Küche und beliefern verschiedene Events. Der Stolz in den Augen derjenigen, die Teil von Chickpeace sind, bestärkt Manuela darin, immer weiter zu machen. Bald soll das Konzept auch in anderen Städten angewandt werden und das Thema Inklusion weiter vorantreiben.

Wie setzt du mit deinem Engagement deine Version einer besseren Welt um?

"Wenn die Frauen bei uns kochen, dann sind sie keine Flüchtlinge mehr, sondern Köchinnen. Sie erfüllen sich zum Teil einen Traum damit, und ihre Familien sind sehr stolz auf sie. Ich weiß, dass man als Individuum die Welt nicht ändern kann – aber die eigene sehr wohl."

Dieser Beitrag ist von der Techniker Krankenkasse gesponsert.

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