11 Orte für richtig guten Kaffee in Hamburg

Morgens zwischen Aufstehen, Dusche und Bus bleibt für die meisten von uns selbst bei exzellentem Zeitmanagement in der Regel nur Platz für eine schnelle Tasse Kaffee. Dank moderner Kaffeemaschinen kann diese heute zum Glück beinahe so gut schmecken wie im Lieblingscafé. Ist jedoch vom flüchtigen Gut Zeit ausnahmsweise ausreichend vorhanden (-> Wochenende, Urlaub, Studium, Rente), zieht es viele Kaffeejünger in die zahlreichen Caféhäuser und Kaffeeröstereien der Stadt. Welche von diesen aus unserer Sicht besonders empfehlenswert sind, wollten wir zusammen mit Nespresso herausfinden. Und weil Kaffee im Grunde eine Art Wissenschaft ist, haben wir uns für unsere Recherche gleich mal einen echten Experten angelacht: Deniz ist nicht nur Frontmann unser Hamburger Lieblingsmusikanten von Herrenmagazin, sondern auch ein absoluter Kaffee-Profi. Hier sind seine elf Lieblingsplätze:

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©Speicherstadt Kaffeerösterei Röstungen aller Art in der Speicherstadt Kaffeerösterei

In die Speicherstadt verirrt man sich als Hamburger zumeist nur mit seinen Gästen. Somit ist die Speicherstadt Kaffeerösterei auf der Landkarte des ortsansässigen Kaffeetrinkers nicht wirklich vertreten. Ein Umstand, der eigentlich unhaltbar ist, denn wenn man sich die Touristen mal wegdenkt, ist nicht zu leugnen, dass man dort richtig guten Kaffee bekommt. Darüber hinaus kann man dem Röster bei seiner Arbeit zugucken und allerhand Löcher in den Bauch fragen. Die Röstprofile sind eher dunkel gehalten, wodurch die schokoladigen und nussigen Seiten des Kaffees betont werden. Somit ist die Speicherstadt Kaffeerösterei nicht unbedingt modern, aber bietet dafür sehr gute Qualität und eine besonders große Auswahl an Spezialitäten. Filterkaffee wird vor allem in der Stempelkanne angeboten, was an dieser Stelle empfohlen wird. Ferner gibt es verschiedene Kuchen, jede Menge Kaffeesäcke und verschiedene Handröster zu sehen. Denjenigen die nur Kaffee kaufen möchten, sei nahe gelegt die Filiale am Eppendorfer Baum zu besuchen. Dort ist das Röstkaffeeangebot ebenso umfangreich und darüber hinaus hat man auch bei den Zubereitungsmethoden eine größere Auswahl.

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Elbgold Elbgold

Das Elbgold ist in Hamburg wohl ein bisschen sowas wie der Superstar unter den Kaffeeröstern. Demzufolge ist der Laden zu fast jeder Tageszeit immer voll. Das mag zum einen an der hervorragenden Location in den Schanzenhöfen liegen oder eben auch an der guten Qualität die einem dort geboten wird. Wie es sich für einen irgendwie hippen Kaffeeröster gehört sind die Röstungen eher hell gehalten. Dadurch wird dem geneigten Kaffeefan hier etwas geboten, was man so vielleicht noch nicht kennt. Also fruchtige Aromen und eher ausgeprägte Säuren. Das Kaffeeangebot ist überschaubar aber dadurch auch nicht so überfrachtet. Die Zubereitungsmethoden für den Filterkaffee sind umfangreich und reichen vom Handfilter bis hin zum Cold Brew. Insofern kann man hier mal was Neues ausprobieren – zum Beispiel auf Milch zu verzichten. Wer das aber partout nicht möchte, muss seine Experimentierfreude nicht hintanstellen. Die Baristas beschränken sich glücklicherweise nicht nur auf Cappuccino oder Milchkaffee, wodurch man auch an dieser Stelle nach Herzenslust rumprobieren kann.

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© Due Baristi Facebook Espresso trinken bei Due Baristi

Due Baristi ist zwischen Altona Nord und Eimsbüttel beheimatet. Durch die dunklen Stühle und die kleinen runden Marmortische fühlt man sich umgehend an ein mediterranes Café erinnert. Due Baristi röstet nicht selbst und bezieht seinen Kaffee dem Ambiente entsprechend, von „Izzo“, einem italienischen Großröster. Somit erwartet einen hier ein sehr dunkel gerösteter Espresso Blend. Die Crema ist spitze und ganz bestimmt sind die Durchlaufzeit und der Druck optimal abgestimmt.

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© Black Delight Verschiedene Röstungen probieren bei Black Delight

Die eigentliche Rösterei von Black Delight liegt in Altona. Der Laden ist verhältnismäßig klein, mit einem großen Tisch in der Mitte und einem sehr schönen Boden. Hier erwarten einen tendenziell helle Röstungen wie den High-Grown aus Äthiopien. Er präsentiert sich mit leichtem Körper und kommt dementsprechend etwas flach daher. Dafür verfügt er aber über eine sehr angenehme Säure und eine hervorragend ausgeprägte Bergamotte Note, die einen stark an Earl Grey erinnert. Dem ein oder anderen mag das komisch vorkommen und den Kaffee folglich als zu schwach bemängeln. Dafür kommt man hier ohne unangenehme Röstaromen oder Bitterstoffe aus, die einem den Mund austrocknen und einen zu Milch, Wasser oder Kuchen flüchten lassen. Auch die obligatorischen Paninis geraten so in den Hintergrund und der Kaffee bleibt der Chef.

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© Less Political Minimalistisch: Less Political

Dieser verhältnismäßig neue Laden ist vermutlich einer der schönsten. Dem Zeitgeist entsprechend findet man eine eher minimalistische Einrichtung vor, die sich wohl als Industriechique beschreiben lässt. Den Mittelpunkt stellt die Theke dar, die spitzenmäßig aussieht. An den Wänden hängt kein einziges Bild und trotzdem macht der Laden keinen kargen Eindruck. Bevor jetzt jemand merkt, dass ich von Innenarchitektur eigentlich überhaupt keine Ahnung habe, schreibe ich lieber über den Kaffee. Less political wird von der Hamburger Direct Trade Rösterei „Quijote“ beliefert. Diese stellen auch den angebotenen Hauskaffee. Hinzu kommen eine Reihe Gastkaffees, die vorwiegend von Berliner Röstereien stammen. Ich nehme einen Kaffee aus Kenia, der von „Bonanzacoffee“ geröstet wurde. Es ist ein leichter Kaffee, mit mittlerem Körper, ausgewogener Säure, aber auch ohne wirkliche bemerkbare Spitzen. Die Frage ob die hellen Röstungen das Potenzial der Bohne wirklich immer vollständig ausschöpfen ist sicherlich berechtigt. Klar ist es grade extrem angesagt Kaffee so aufzubereiten, aber andererseits haben wir die letzten Jahrzehnte vorwiegend Schrott getrunken und dabei gelernt das Kaffee bitter und zu stark sein muss. Insofern wird gerade ein neuer Standard verhandelt und man wird sehen wie sich unsere Gewohnheiten verändern werden. Neben den Kaffeeklassikern kommen im „Less politcal“ noch eine Reihe von heißen und kalten Signature Drinks wie Anis-, Kokos- oder Ingwerkaffee hinzu. Klingt spannend, aber ich verzichte trotzdem. Lange Rede kurzer Sinn: Wem das Elbgold zu voll ist, sollte hierherkommen.

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© Rebekka F. via Yelp In der Rindermarkthalle: Rösterei Brügmann

In der Rindermarkthalle bei der Feldstraße darf eine Rösterei selbstverständlich nicht fehlen. In der Rösterei Brügmann steht der Röster im Verkaufsraum und ist gut einsehbar. Mir wird ein Blend gereicht, an dessen Bestandteile ich mich (das muss ich peinlicherweise sagen) nicht mehr erinnere. Es lässt sich aber ohne Weiteres sagen, dass hier dunkel und somit kräftig geröstet wird. Die Mischung ist ausgewogen und lässt sich trotz des massigen Körpers ganz gut wegtrinken. Durch die dunkle Röstung sind die Röstaromen und Bitterstoffe etwas präsenter, wodurch der Kaffee im Mund entsprechend länger nachhallt. Als sie abkühlt kommen schließlich verhaltene Karamellnoten zum Vorschein. Die Einrichtung ist nett, aber auch irgendwie bemüht Hamburgmäßig geprägt. Einen zum Mitnehmen bitte!

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© Kopiba Starker Kaffee im Kopiba

Auch Kopiba ist mittlerweile fester Bestandteil St. Paulis. Hierbei handelt es sich um einen Vertreter der dunklen Röstung und des starken Kaffees. Schon der Name der Hausröstung („Deathpresso“) macht dies unmissverständlich klar. Man hat dort zweifelsohne das Gefühl in guten Händen zu sein. Da kein Handfilter angeboten wird, weiche ich auf die Stempelkanne aus. Während der Kaffee zieht, sehe ich mir die Einrichtung an und empfinde sie irgendwie etwas überfrachtet mit Kaffeesymbolik und Kalendersprüchen. Der Äthiopien Sidamo hat ein kräftiges, nussiges Aroma. Im Mund überrascht er durch einen verhältnismäßig schlanken Körper. Irgendwo verstecken sich auch noch die charakteristischen Citrusaromen, die aber vermutlich der Stempelkanne zum Opfer gefallen sind. Kopiba bietet auch Röstkurse an und wird Abends zu einer Bar.

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© Stockholm Espresso Club (Facebook @milchfeinkost) Zimtgebäck essen im Stockholm Espresso Club

Wie es der Name schon vermuten lässt, bietet dieses in Winterhude gelegene Café in Stockholm geröstete Bohnen an. Ich trinke (wie sollte es auch anders sein) eine sehr angenehme Filterkaffeeröstung und genieße dazu einen Kanelbullen. Ich weiss nicht ob es die noch irgendwo anders gibt, aber ich bin dem Zimtgebäck umgehend erlegen. Zur selben Zeit werde ich in ein sehr nettes Gespräch mit dem Barista und Betreiber des Cafés verwickelt sodass die Tasse schneller alle ist als ich es möchte. Ein Umstand der auch vom Chef persönlich kritisch kommentiert wird: „schon ausgetrunken? – Wenn der abkühlt bekommt er doch noch ganz schöne florale Aromen“. Reumütig bestelle ich nach. Er hat Recht.

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©Public Coffee Roasters Kaffee aus Costa Rica bei Public Coffee Roasters

Diesen, mittlerweile nicht mehr ganz neuen Röster findet man in der Neustadt. Auf die schöne Einrichtung gibt es als Gimmick noch eine lange Reihe an Lifestyle- und Gourmetmagazinen. Ich bekomme einen Kaffee aus Costa Rica, der auch den Namen des Bauern trägt. Es ist der erste Direct trade der Rösterei und eine äußerste Rarität. Angeblich werden pro Jahr nur etwa 400 Kilo produziert. Entsprechend (sehr) stolz ist auch der Preis. Dennoch lässt sich nichts Schlechtes sagen. Ganz im Gegenteil. Der Kaffee ist sehr samtig und hat eine präsente aber bemerkenswert angenehme Säure. Er kommt mir sehr ausgewogen vor und bleibt trotz der quasi nicht vorhandenen bitteren Aromen noch lange im Hals. Ein großes, beinahe hypnotisches Vergnügen.

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©Glück und Selig French Press Coffee im Glück und Selig

Wir legen allen Menschen, auch außerhalb Eimsbüttels, ans Herz das Glück und Selig zu besuchen. Nicht nur gibt es hier exzellenten Filterkaffee aus der French Press von der kleinen Rösterei Mr. Hoban aus Wedel zu probieren, sondern auch richtig tolle, stets frische Kuchen, sowie warme Crumbles und verschiedenste Waffeln. Außerdem richtig gut: das Frühstück, dass einen wirklich glücklich und selig macht.

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© Torrefaktum Bio-Kaffee trinken im Torrefaktum

Kaffeeliebhabern ist das Torrefaktum sicher ein Begriff: In der Rösterei unweit der Altonaer Fabrik werden feinste Bio-Kaffees, teilweise direkt importiert, geröstet, zubereitet und serviert. Seit im letzten Jahr die Designerin Dörte Benzner als Mit-Inhaberin an Bord ist, hat sich das Corporate Design, und damit auch die Inneneinrichtung des Cafés grundlegend erneuert: Rustikale Holztische, moderne Sessel skandinavischer Herkunft und eine ganze Ansammlung schemelartiger Barhocker entlang eines langen Holztischs mit Blick nach draußen perfektionieren die Kaffeebar-Atmosphäre bei Torrefaktum; an der Decke glitzert eine Diskokugel und durch eine Glasscheibe könnt ihr zusehen, wie die Kaffees in der „Packstation“ verpackt werden. Denn abgesehen davon, dass die tägliche Dosis Koffein in den weichen Sesseln vor Ort eingenommen werden kann, sind die Filterkaffee-Sorten und Espressi mit so reizenden Namen wie „Good Morning Beautiful“ bzw. „Wake Up Little Lucy“ auch als frisch gemahlenes Pulver für den Kaffee zu Hause im Bett erhältlich. (von Lea Lüdemann)

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